Die Modelle von Anthropic gehören zur Spitze, wenn es um das Schreiben von Code geht. Bei Sprach- und Chatassistenten für den Kundensupport hinken sie jedoch hinterher. Das geht aus Daten des Unternehmens NiCE hervor, das Software für den Kundenservice anbietet und zu dessen Kunden Toyota, Allianz, Nestlé sowie die Fluggesellschaft Frontier Airlines zählen.
Geschwindigkeit ist entscheidend
Das Problem liegt darin, wie lange das Modell nach Erhalt einer Anfrage braucht, bis es zu antworten beginnt. Bei Sprachassistenten ist das problematisch. Im Kundensupport zählt nämlich jede Millisekunde.
Ein Sprach- oder Textbot darf laut NiCE höchstens etwa zweieinhalb Sekunden schweigen. Danach wirkt es auf den Kunden bereits unnatürlich. Der Markt für KI-gestützte Customer-Experience-Software wird auf rund 15 Milliarden Dollar geschätzt und wächst schnell. Würde NiCE die Modelle von Anthropic in seiner Kundenhotline einsetzen, wäre das Ergebnis angeblich unbrauchbar. Der Bot würde miserabel klingen, weil die Modelle schlicht zu langsam sind.
Google und OpenAI
Vor Kurzem verglich NiCE die Daten seiner Kunden. Das Modell Opus 4.7 von Anthropic benötigte mehr als vier Sekunden bis zum ersten Token. Google brauchte mit dem Modell Gemini 3 Flash etwa eine Sekunde. Zudem verarbeitete es ungefähr viermal so viele Token pro Sekunde.
Das Modell von Anthropic ist 18,5-mal teurer als Gemini 3 Flash. Anthropic bietet zwar das schnellere Opus 4.6 Flash an, das den ersten Token schneller ausgibt als Gemini 3 Flash, doch es kostet fast hundertmal so viel wie das Modell von Google. Die günstigeren Sonnet- und Haiku-Reihen sind wiederum langsamer und etwas teurer als Gemini 3 Flash.
Unter den Kunden von NiCE erfreuen sich auch kleine, schnelle Modelle von OpenAI zunehmender Beliebtheit, etwa 5.4 mini und 4.1 mini. Sie sind günstig. Zudem führte OpenAI Anfang des Monats ein neues Audiomodell für ChatGPT ein, das bislang noch nicht über die Entwicklerschnittstelle angeboten wird. Dennoch kann dieses Modell etwas Besonderes. Es verarbeitet die Stimme des Sprechers fortlaufend und kann daher sofort reagieren, wenn es jemand unterbricht. Ähnlich wie in einem Gespräch zwischen Menschen.
Wo Claude weiterhin die Nase vorn hat
Einen großen Vorteil behält Anthropic jedoch: die Genauigkeit. Die Modelle Opus 4.7 und 4.6 machen laut NiCE etwa halb so viele Fehler wie Gemini 3 Flash. Und das zählt, wenn der Kunde einen erstklassigen Service erwartet.
Ein Sprecher von Anthropic entgegnet darauf, dass das Unternehmen eine ganze Palette von Modellen anbietet, da unterschiedliche Aufgaben unterschiedliche Anforderungen stellen. Während Modelle wie Fable und Opus für anspruchsvolle Schlussfolgerungen konzipiert sind, die Minuten bis Tage dauern können, verbinden die Sonnet- und Haiku-Reihen hohe Intelligenz mit der nötigen Geschwindigkeit für die Verarbeitung großer Volumina. Über alle Modelle hinweg bleibe die Qualität der fertigen Arbeit angeblich gleich.
Diversität ist der Schlüssel
Auch Atlassian zeigt sich skeptisch gegenüber einem Ansatz, bei dem alles über einen einzigen Anbieter läuft. Das Unternehmen positioniert sich als Dirigent, der Kunden dabei hilft, bei der Softwareentwicklung zwischen verschiedenen Modellen und Programmierassistenten zu wechseln.
Vergangene Woche ergänzte Atlassian Jira, seine Anwendung für die Verwaltung von Softwareprojekten, um eine Reihe neuer Funktionen. Teams können Aufgaben, etwa den Entwurf einer Anmeldeseite für eine Website, nun verschiedenen Tools zuweisen. Zur Auswahl stehen Claude Code von Anthropic, GitHub Copilot von Microsoft und Jiras eigener Programmierassistent.
Gleichzeitig verbesserte Atlassian seinen KI-Assistenten für Slack, der dem kürzlich vorgestellten Claude Tag von Anthropic auffallend ähnlich ist. Teammitglieder können den Jira-Assistenten in ihren Slack-Kanälen, also Gruppenchats, markieren und ihn die Nachrichten analysieren sowie daraus Arbeitsaufgaben erstellen lassen. Bald soll der Agent auch in Microsoft Teams funktionieren.



