Dieser Artikel basiert direkt auf dem Interview, das Ben Thompson mit Sam Altman, dem Mitbegründer und CEO von OpenAI, führte. Das Interview konzentrierte sich auf die jüngsten Ankündigungen vom DevDay und die enormen Investitionen in die Infrastruktur. Altman beschrieb, wie OpenAI daran arbeitet, eine sehr leistungsfähige künstliche Intelligenz zu entwickeln, die das Niveau einer AGI (künstliche allgemeine Intelligenz) oder Superintelligenz erreichen könnte, und wie sie so eingesetzt werden kann, dass sie Menschen in verschiedenen Lebensbereichen wirklich hilft. Dies erfordert viel Arbeit an der Infrastruktur, an Produkten und an der Forschung.
Die einheitliche Vision von OpenAI
Altman erklärte, dass OpenAI versucht, einen einzigen KI-Dienst zu schaffen, den Menschen in allen Bereichen ihres Lebens nutzen werden. Beispielsweise sollte ChatGPT mit anderen Diensten integriert werden, sodass die Nutzer eine kontinuierliche Erfahrung haben – die KI wird wissen, was sie weitergeben darf und was nicht. Altman erwähnte, dass die meisten Menschen einen solchen KI-Dienst wollen werden, der ihnen sowohl im Privat- als auch im Berufsleben hilft. Derzeit verbringt Altman den Großteil seiner Zeit mit der Infrastruktur, da es schwierig ist, genügend Kapazität für die wachsende Nachfrage bereitzustellen. Was die Forschung betrifft, ist Altman optimistischer denn je, weshalb sie bei der Produktvorbereitung große Wetten eingehen.
Ben Thompson verglich OpenAI mit Windows im KI-Zeitalter, wobei OpenAI die Benutzeroberfläche oder API (Programmierschnittstelle) für Interaktionen mit Endnutzern bereitstellt und zugleich der Hauptkunde für den massiven Ausbau der Infrastruktur ist. Altman stimmte zu, dass historische Analogien ihre Grenzen haben, betonte jedoch, dass OpenAI einen KI-Assistenten entwickelt, der sich in verschiedene Lebensbereiche integrieren lässt.
Infrastrukturvereinbarungen
Altman beschrieb, wie ungewöhnlich es sei, dass die Ankündigung von Vereinbarungen durch OpenAI den Marktwert der Partner um 20 % oder mehr steigern könne. Vor drei Jahren war OpenAI eher ein Forschungslabor, doch jetzt muss das Unternehmen die Auswirkungen auf die Märkte berücksichtigen. Altman wies die Vorstellung zurück, OpenAI sei der einzige Akteur – das Unternehmen hat starke Konkurrenten wie Google oder Meta. Dennoch betrachtet er KI als einen Transistor, der alle Verbraucher- und Unternehmensprodukte durchdringen wird.
Auf die Frage, ob es der größte Fehler wäre, nicht so viel Geld wie möglich auszugeben, sagte Altman, dass OpenAI stark in die Infrastruktur investieren werde, weil er den richtigen Zeitpunkt für eine solche Wette gekommen sieht. Es muss Strom erzeugt, physische Anlagen müssen gebaut, Chips und Racks müssen beschafft und die Nachfrage von Verbrauchern und Unternehmen muss sichergestellt werden. Altman erwähnte eine Vereinbarung mit AMD und hofft, dass TSMC (Taiwan Semiconductor Manufacturing Company) seine Kapazitäten ausbauen wird.
Nach Berechnungen der Financial Times haben die Vereinbarungen einen Wert von bis zu einer Billion Dollar. Altman erwartet, dass die Einnahmen von OpenAI dafür aufkommen werden, die Partner jedoch vorab bei der Finanzierung helfen. Altman, der früher als hervorragender Fundraiser im Silicon Valley bekannt war, sagte, dass diese Fähigkeit jetzt von Nutzen sei. Seine Investitionserfahrung hilft ihm bei der Kapitalallokation in einer exponentiellen Welt, in der OpenAI auf interne Projekte wie Sora setzt.
Altman erwähnte auch Pläne für Hardware mit Jony Ive, betonte jedoch, dass KI überall funktionieren müsse – in Browsern und auf Mobilgeräten. Die Vereinbarung mit Samsung und SK hynix betrifft Speicher für Chips, und Altman versprach, den gesamten Plan in einigen Monaten zu erläutern.
Apps in ChatGPT
Altman beschrieb, dass ChatGPT eine Überraschung war – er hatte Erfolg erwartet, aber nicht in diesem Ausmaß. Die großen Technologieunternehmen zögerten daraufhin, was OpenAI einen Vorsprung verschaffte. Jetzt setzen sie die Strategie um, die sie vor zweieinhalb Jahren geplant hatten, einschließlich Apps in ChatGPT. Diese ermöglichen es, Dienste wie Zillow direkt in ChatGPT zu integrieren, wo Nutzer Apps beim Namen aufrufen, Konten verknüpfen und die Apps die UI (Benutzeroberfläche) übernehmen.
Altman wollte, dass dies für die Partner vorteilhaft ist – er wollte nicht, dass OpenAI alles kontrolliert, sondern dass neue Start-ups schnell wachsen können. Seiner Ansicht nach nähern sich Verbraucher- und Unternehmensseite einander an, ähnlich wie bei Google – die Menschen nutzen zu Hause und bei der Arbeit dasselbe Werkzeug, lediglich mit unterschiedlichen Funktionen wie Sicherheit oder Datenzugriff.
Instant Checkout
Instant Checkout ermöglicht sofortige Käufe direkt in ChatGPT, was Altman als Vorteil für Nutzer und Händler betrachtet, sofern der Händler seine direkte Beziehung zum Kunden beibehält. Altman betonte, dass OpenAI Ergebnisse nicht wegen finanzieller Anreize bevorzugen werde – das Vertrauen in ChatGPT ist entscheidend, weil die Nutzer wissen, dass die KI versucht, ihnen zu helfen.
Altman räumte ein, dass ihn Werbung auf Instagram davon überzeugt habe, dass Werbung nicht nur eine Belastung sein müsse, sondern einen Mehrwert bieten könne. OpenAI erwägt Affiliate-Modelle, bei denen das Unternehmen einen kleinen Anteil an Transaktionen erhalten würde, hat bislang jedoch keinen konkreten Werbeplan.
Sora und sein Erfolg
Sora, eine App zur Erstellung von KI-Videos, war Altman zufolge dank talentierter Teams und der neuen Leiterin Fidji Simo erfolgreich, die außergewöhnlich gut in der Produktentwicklung ist. Altman übergab ihr den Produktbereich, damit er sich auf andere Dinge konzentrieren konnte. Sora ist nicht in ChatGPT integriert, weil es eine andere Art von Erlebnis bietet – eher unterhaltsam und sozial, wobei Menschen Memes teilen.
Altman sagte, Sora habe eine latente Nachfrage nach Kreativität offenbart – 30 % der aktiven Nutzer erstellten in den ersten Tagen Inhalte. Menschen wollen für sich selbst und für andere kreativ sein, was mit dem menschlichen Bedürfnis zusammenhängt, nützlich zu sein. Auf die Frage nach der Monetarisierung sagte er, dass man für die Generierung von Memes unter Freunden bezahlen müsse, da Werbung dies nicht finanzieren könne.
Altman sagte, OpenAI habe vor dem Start von Sora mit Rechteinhabern gesprochen, Videos lösten jedoch stärkere Emotionen aus als Bilder. Die Rechteinhaber wünschen sich mehr Einschränkungen, doch viele sind begeistert und möchten ihre Inhalte in der KI sehen, um mit ihren Fans in Kontakt zu treten. Altman prognostiziert, dass sich die Haltung dahingehend ändern wird, dass sie mehr Inhalte in der KI haben wollen.
Feedback und Zukunft
Altman räumte ein, dass OpenAI auf Twitter aus Begeisterung manchmal übertreibe, aber mehr geliefert habe, als vor fünf Jahren erwartet worden war – beispielsweise habe das Unternehmen den Turing-Test im allgemeinen Sinne bestanden. Sie hören auf die Nutzer und berücksichtigen Daten und ändern Dinge schnell, wie bei GPT-5, wo sie Unterschiede zwischen fortgeschrittenen und gewöhnlichen Nutzern feststellten.
Altman sieht Potenzial in Abonnements – ChatGPT hat gezeigt, dass Menschen bereit sind, dafür zu bezahlen. Auf die Frage nach der Stromversorgung versprach er, in einigen Monaten zu erklären, wie alles zusammenpasst. Das Interview endete mit Glückwünschen zu einem erfolgreichen Monat und zum DevDay.
Quellen: stratechery.com und youtube.com



