Der chinesische Roboterhersteller Unitree Robotics steht wegen schwerwiegender Sicherheitslücken in humanoiden Robotern, insbesondere in den Modellen G1 und H1, im Fokus. Diese Schwachstellen betreffen Bluetooth Low Energy (BLE) und die Schnittstelle zur WLAN-Einrichtung, die es Angreifern in der Nähe ermöglichen, vollständigen Zugriff zu erlangen und die Roboter aus der Ferne zu steuern. Darüber hinaus verbreiten sich diese Schwachstellen ähnlich wie ein Computerwurm, sodass ein kompromittierter Roboter selbstständig nach weiteren Robotern in Bluetooth-Reichweite suchen und diese infizieren kann, was zur Bildung eines Netzwerks kontrollierter Geräte führen könnte.
Forscher stellten fest, dass Befehlsinjektionen über BLE eine Ausweitung der Berechtigungen und die vollständige Übernahme des Roboters ermöglichen. Gemeinsam genutzte Verschlüsselungsschlüssel und Schwachstellen in proprietären Sicherheitsmechanismen beeinträchtigen die Vertraulichkeit und Integrität des Systems. Die Roboter senden regelmäßig alle 300 Sekunden Telemetriedaten, darunter Sensorwerte und den Status von Diensten, an Server in China, häufig ohne eindeutigen Hinweis an den Benutzer. Dies wirft Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes und der Einhaltung der DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) auf.
Das Modell G1 fungiert als verborgener Sensor und als Plattform für offensive Cyberoperationen, was sowohl für den Datenschutz als auch für die nationale Sicherheit Risiken birgt. Trotz einiger Fehlerbehebungen und kürzlich veröffentlichter Firmware-Updates bleiben zentrale Schwachstellen ungepatcht, und die Datenübertragung nach China wird fortgesetzt.

Forscher enthüllen den UniPwn-Exploit
Am 20. September 2025 veröffentlichten die Sicherheitsexperten Andreas Markis und Kevin Finnisterre einen Exploit namens UniPwn, der sowohl die vierbeinigen Roboter Go2 und B2 als auch die humanoiden Modelle G1 und H1 betrifft. Diese Roboter werden bereits in Laboren, Universitäten und einigen Polizeidienststellen eingesetzt. Die Schwachstelle beruht auf der Verwendung von BLE zur Vereinfachung der WLAN-Einrichtung, bei der Benutzer das Gerät zunächst über Bluetooth verbinden und anschließend zu WLAN wechseln.
Die Forscher entdeckten, dass die Implementierung von Unitree auf fest einprogrammierten Verschlüsselungsschlüsseln basiert, die online durchgesickert sind. Das bedeutet, dass aus Sicht eines Angreifers alle Geräte identisch sind, wodurch Tausende Roboter gleichzeitig ausgenutzt werden können. Ein kompromittierter Roboter kann sich anschließend selbstständig auf weitere Roboter in Reichweite ausbreiten, was potenziell zur Bildung eines Botnetzes führt.
Andreas Markis erklärte, dass ein einfacher Angriff darin bestehen könnte, den Roboter neu zu starten, ein Angreifer jedoch auch weitaus komplexere Aktionen ausführen könnte. Die Forscher äußerten sich enttäuscht über die Kommunikation mit Unitree Robotics, da die frühere Offenlegung einer Hintertür im Modell Go1 nicht zu ausreichenden Änderungen geführt hatte.

Geheime Datenübertragung nach China
Das Modell G1 sendet alle fünf Minuten heimlich Daten an Server in China, ohne die Benutzer darüber zu informieren. Diese Daten umfassen Sensorwerte und den Status von Diensten, wodurch Hacker den Computer des Roboters übernehmen und für Cyberangriffe einsetzen können. Diese Praxis wirft Datenschutzbedenken auf, da die Daten ohne Zustimmung übertragen werden.
Zu früheren Vorfällen gehörte das Modell Go1, das einen Cloud-Dienst eines Drittanbieters nutzte, durch den Tausende Roboter – darunter auch solche an großen US-amerikanischen Universitäten – dem Risiko einer Fernübernahme und eines unbefugten Zugriffs auf Live-Kameraübertragungen ausgesetzt waren. Dieser Dienst wurde später eingestellt, und neuere Modelle sollen ihn nicht mehr verwenden.

Reaktion von Unitree und Empfehlungen von Experten
Am 29. September veröffentlichte Unitree auf LinkedIn eine Erklärung, in der das Unternehmen angab, sich der Sicherheitslücken und Netzwerkprobleme bewusst zu sein. Das Unternehmen habe die meisten Fehlerbehebungen abgeschlossen und werde sie bald im Rahmen von Updates veröffentlichen. Unitree betonte, dass seine Roboter für die Offline-Nutzung konzipiert seien und im Online-Modus nur grundlegende Daten übermittelten. Zudem seien Verbesserungen bei der Berechtigungsverwaltung geplant.
Unabhängige Bewertungen stellen jedoch infrage, ob diese Fehlerbehebungen ausreichend sind, da die Datenströme nach China fortbestehen und einige Schwachstellen weiterhin vorhanden sind. Victor Mayoral-Vilches, Gründer des Unternehmens Alias Robotics, empfahl Benutzern, die Roboter ausschließlich über WLAN zu verbinden und Bluetooth zu deaktivieren, um die Risiken zu minimieren.
Quelle: interestingengineering.com



