Warum sollten Firmen wie OpenAI europäische Kreative bezahlen? Mistral-Chef hat eine klare Meinung

Warum sollten Firmen wie OpenAI europäische Kreative bezahlen? Mistral-Chef hat eine klare Meinung

Ondřej Barták
Ondřej Barták
Unternehmer und Programmierer
30. 3. 2026
3 Minuten Lesezeit · 5 Aufrufe
Warum sollten Firmen wie OpenAI europäische Kreative bezahlen? Mistral-Chef hat eine klare Meinung

    Arthur Mensch, Mitbegründer und Chef des französischen Unternehmens Mistral, hat einen Vorschlag in den Ring geworfen, der in der Technologiewelt definitiv nicht unbemerkt geblieben ist. Alle Unternehmen, die in Europa KI-Modelle anbieten, sollten eine Abgabe auf ihre Einnahmen entrichten, weil sie beim Training ihrer Systeme frei online verfügbare Inhalte nutzen. Dazu gehören auch Werke europäischer Kreativer, Journalisten, Schriftsteller oder Musiker. Mensch beschrieb sein Vorhaben in einem Gastbeitrag für die Financial Times.

    Was genau schlägt Mistral vor?

    Die Situation beim Urheberrecht im Bereich der künstlichen Intelligenz zieht sich wie Kaugummi. Große amerikanische und chinesische Technologieunternehmen trainieren ihre Modelle in einem Umfeld, in dem das Urheberrecht entweder nicht existiert oder nicht konsequent durchgesetzt wird. Europäische Unternehmen wie Mistral hingegen agieren in einem fragmentierten rechtlichen Umfeld, das ihnen sowohl das Leben als auch die Geschäftstätigkeit erschwert.

    Das bestehende „Opt-out“-System, also die Möglichkeit für Urheber, die Nutzung ihrer Inhalte zum Training von KI zu untersagen, funktioniert in der Praxis nicht. Geschützte Werke verbreiten sich unkontrolliert im Internet, und kein Mechanismus kann dies zuverlässig verhindern. Das Ergebnis? Die Urheber verteidigen ihre Existenz mit Händen und Füßen, während die KI-Unternehmen rechtlich im Dunkeln tappen. Alle sind unzufrieden, weil diese Vorschriften niemandem dienen.

    Der Vorschlag ist im Kern überraschend einfach. Eine von den Einnahmen abhängige Abgabe würden alle kommerziellen Akteure zahlen, die in Europa KI-Modelle anbieten, unabhängig davon, woher sie stammen. Amerikanische Unternehmen wie OpenAI oder Google würden also nicht verschont. Mensch geht es darum, gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle zu schaffen. Die Einnahmen würden in einen gemeinsamen europäischen Fonds fließen, aus dem neue kreative Werke und die Förderung des Kultursektors finanziert würden. Mistrals Direktorin für Außenbeziehungen, Audrey Herblin-Stoop, erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, dass das Unternehmen einen Satz zwischen 1 und 1,5 % der Einnahmen vorschlägt.

    Im Gegenzug würden die KI-Unternehmen etwas erhalten, wonach sie sich womöglich am meisten sehnen: Rechtssicherheit. Die Abgabe würde sie vor möglichen Klagen wegen der Nutzung von im Internet verfügbaren Inhalten beim Training ihrer Modelle schützen. Bestehende Lizenzverträge würden dabei nicht verschwinden, sondern lediglich durch den Fonds ergänzt.

    Wer wird davon profitieren?

    Mistral tritt in dieser Geschichte mit guten Absichten auf, doch es ist kein Geheimnis, dass dieser Vorschlag dem Unternehmen in die Karten spielt. Das Unternehmen investiert in Europa 4 Milliarden Euro in Infrastruktur für das Training von Modellen auf europäischem Boden. Starke und faire Gesetze könnten es zum natürlichen Marktführer machen, der die Regeln als Erster angenommen hat.

    Das französische Unternehmen ist dabei nicht frei von eigenen Problemen. Das Investigativportal Mediapart beschuldigte Mistral im Februar, beim Training seiner Modelle geschützte Werke verwendet zu haben, darunter Harry Potter und Der kleine Prinz. Mistral wies dies damals mit dem Hinweis zurück, dass es die Opt-out-Mechanismen respektiere, räumte jedoch ein, dass einige Werke im Internet so weit verbreitet seien, dass ihr vollständiger Ausschluss aus den Trainingsdaten sehr schwierig sei.

    Das klingt nicht nach einer idealen Ausgangsposition für jemanden, der anderen erklären will, wie man richtig mit Urheberrechten umgeht. Dennoch trifft Mensch einen empfindlichen Nerv.

    Europa hinkt den USA und China hinterher

    Mensch appelliert in seinem Text an etwas Tiefergehendes als nur an geschäftliche Interessen. Er warnt davor, dass Europa Gefahr läuft, zu einem bloßen Konsumenten von Technologien zu werden, die anderswo entwickelt wurden, mit europäischen Daten trainiert wurden, aber weder europäische Werte noch die sprachliche Vielfalt des Kontinents widerspiegeln. Europa steht tatsächlich vor einer Entscheidung, die nicht nur technologischer, sondern auch kultureller und politischer Natur ist. Wollen wir, dass unsere Literatur, unser Journalismus und unsere Filme die Modelle von Unternehmen speisen, die dafür nichts bezahlen?

    Mensch selbst sagt, sein Vorschlag sei kein endgültiger Plan, sondern ein „Ausgangspunkt für eine Diskussion“. Er lädt Kreative, Rechteinhaber, Politiker und andere Technologieunternehmen an einen Tisch ein. Die EU-Vorschriften aus dem Jahr 2024 verlangen zwar, dass KI-Systeme das Urheberrecht respektieren, doch die konkrete Art ihrer Anwendung auf generative KI bleibt eine offene Frage. Ob dieser Vorschlag die politischen Prozesse in Brüssel übersteht, steht auf einem anderen Blatt.

    Weitere Quelle: aibusiness.com

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