Die Wall Street verschärft den Druck. KI-Firmen müssen jetzt beweisen, dass sie Geld verdienen – sonst droht der Absturz

Die Wall Street verschärft den Druck. KI-Firmen müssen jetzt beweisen, dass sie Geld verdienen – sonst droht der Absturz

Ondřej Barták
Ondřej Barták
Unternehmer und Programmierer
14. 7. 2026
4 Minuten Lesezeit
Die Wall Street verschärft den Druck. KI-Firmen müssen jetzt beweisen, dass sie Geld verdienen – sonst droht der Absturz

Der Markt für Aktien mit Bezug zu künstlicher Intelligenz tritt in eine neue Phase ein. Die Investoren an der Wall Street belohnen nicht mehr jedes Unternehmen, das lediglich ankündigt, Geld in KI zu stecken. Jetzt wollen sie positive Zahlen sehen. Und die Berichtssaison, die diese Woche beginnt, soll zeigen, ob der bisherige Wettlauf unter der zunehmend nervösen Oberfläche tatsächlich auf einem soliden Fundament steht.

Bis vor Kurzem galt noch eine einfache Regel. Wer Geld für künstliche Intelligenz ausgab, dessen Aktien stiegen. Wir haben eine Phase durchlaufen, in der jeder belohnt wurde, der in KI investierte, doch nun wird der Markt wählerischer. Dieser Wandel macht sich auch bei den Indizes bemerkbar. Der S&P 500 legte vergangene Woche um weniger als ein Prozent zu. Der Nasdaq schwankte hin und her, wobei die Chiphersteller im Mittelpunkt des Geschehens standen. Analysten sprechen von ziemlich heftigen Bewegungen und erwarten, dass gerade die Unternehmensergebnisse für das kommende Quartal zeigen werden, wohin sich die gesamte Branche entwickelt.

Analysten suchen nach dem nächsten Impuls

Die Frage, die sich derzeit wohl alle an der Wall Street stellen, lautet: Was wird der nächste Impuls sein? Das Wachstum der vergangenen Jahre wurde vor allem von Stimmung und Begeisterung getragen. Damit die hohen Aktienkurse der Technologieunternehmen auch weiterhin gerechtfertigt sind, benötigen Analysten Belege dafür, dass sich die Investitionen in künstliche Intelligenz in tatsächlichen Umsätzen und Gewinnen niederschlagen.

Analysten beobachten konkrete Kennzahlen. Margen, Umsatzwachstum und Wachstum des freien Cashflows. Gerade diese werden ihrer Ansicht nach erkennen lassen, ob der gesamte KI-Zyklus nachhaltig ist oder auf einem schwachen Fundament steht.

Die Hoffnungen ruhen auf den großen Betreibern von Rechenzentren, den sogenannten Hyperscalern. Die Wall Street erwartet, dass sie in dieser Berichtssaison erneut ihr Bekenntnis zu Investitionen in KI bekräftigen werden. Das könnte den Herstellern von Chips und der dazugehörigen Ausrüstung helfen. Die Ausgaben eines Unternehmens sind die Umsätze und Gewinne eines anderen.

Investoren beginnen auszuwählen

Das Marktverhalten hat sich deutlich verändert. Unternehmen aus dem Umfeld der sogenannten „Magnificent Seven“ und Chiphersteller sind seit Ende Juni abwechselnd gefallen und wieder gestiegen, während die Investoren alle Seiten des KI-Geschäfts genau unter die Lupe nehmen. Ein Fonds, der die Magnificent Seven abbildet, ist in dieser Zeit um acht Prozent gestiegen. Der übrige S&P 500 ohne diese sieben Unternehmen stagnierte hingegen praktisch. Und der Philadelphia Semiconductor Index fiel um zwölf Prozent.

Ein Signal dafür, dass die Begeisterung nicht verschwunden ist, kam am Freitag. Der Speicherchiphersteller SK Hynix debütierte an der Nasdaq, und seine Aktien sprangen sofort um vierzehn Prozent nach oben. Damit erhielten Investoren eine Möglichkeit, auch außerhalb des US-Giganten Micron auf Speicherchips zu setzen. Dessen Aktie ist in diesem Jahr um mehr als 250 Prozent gestiegen, hat in den vergangenen Wochen jedoch erhebliche Schwankungen erlebt.

Wenn Micron erneut meldet, dass das Unternehmen die Nachfrage nicht decken kann, wer wird davon profitieren? Den Analysten zufolge gerade SK Hynix. Bei Speicherchips sehen sie mehr Spielraum. Nicht alle sind vorsichtig. Analysten von Yardeni Research bezeichneten die jüngste Schwäche der Halbleiteraktien als Kaufgelegenheit. Ihr kräftiger Anstieg in den vergangenen drei Jahren war ihrer Ansicht nach durch die Gewinne dieser Unternehmen solide untermauert.

Wer keine Rendite vorweisen kann, wird abstürzen

Die Realität ist härter, als es scheint. Ein wählerischerer Markt bedeutet, dass Unternehmen unter Druck geraten, die nicht klar belegen können, welchen Nutzen ihnen das in KI gesteckte Geld gebracht hat. Und das selbst dann, wenn sie zum Technologiesektor gehören, der insgesamt stark zulegt.

Analysten der Bank UBS beschreiben, wie sich der Schwerpunkt der Aufmerksamkeit verlagert. Die Investoren interessieren sich allmählich nicht mehr nur für das Wachstum in den kommenden Monaten, sondern befassen sich zunehmend mit der Frage, ob die Unternehmen ihre hohen Ausgaben auch nach 2027 aufrechterhalten können. Damit werden die Streuung der Anlagen und die sorgfältige Auswahl einzelner Aktien an Bedeutung gewinnen.

UBS empfiehlt, sich an die sogenannten Spitzhacken und Schaufeln des gesamten KI-Ausbaus zu halten. Also an Ausrüstung für die Halbleiterfertigung, Chiphersteller und die Recheninfrastruktur rund um Prozessoren und Speicher. Zugleich sieht die Bank auch in defensiveren Bereichen Wert, etwa bei Zahlungsnetzwerken und Fonds, die Rechenzentren besitzen. Die Experten fügen hinzu, dass es sich lohnt, auch weitere langfristige Trends zu beobachten, beispielsweise Energie und Rohstoffe oder Langlebigkeit, oder einen Teil der direkten Aktienanlagen durch Strategien zu ersetzen, die das investierte Kapital schützen.

Quelle: finance.yahoo.com

Kategorie:KI
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