Umstrittene KI-App 2wai ermöglicht Gespräche mit verstorbenen Angehörigen

Umstrittene KI-App 2wai ermöglicht Gespräche mit verstorbenen Angehörigen

Ondřej Barták
Ondřej Barták
Unternehmer und Programmierer
19. 11. 2025
3 Minuten Lesezeit
Umstrittene KI-App 2wai ermöglicht Gespräche mit verstorbenen Angehörigen

Calum Worthy, ein aus der Disney-Channel-Serie Austin & Ally bekannter Schauspieler, hat eine neue KI-App namens 2wai vorgestellt. Diese Anwendung ermöglicht es Menschen, digitale Avatare ihrer verstorbenen Angehörigen zu erstellen. Dazu muss lediglich zu Lebzeiten der betreffenden Person ein dreiminütiges Video von ihr aufgenommen werden, aus dem die App eine interaktive Version erstellt, mit der man sprechen kann. In der Werbung, die Worthy im sozialen Netzwerk X (ehemals Twitter) geteilt hat, sehen wir eine schwangere Frau, die sich per Telefon mit ihrer Mutter über die Schwangerschaft berät. Am Ende stellt sich heraus, dass die Mutter in Wirklichkeit tot ist und auf dem Bildschirm nur ihr KI-Avatar zu sehen ist. Die Werbung endet mit den Worten: „Mit 2wai können drei Minuten ewig dauern.“ Worthy schrieb zu dem Video: „Was wäre, wenn die geliebten Menschen, die wir verloren haben, Teil unserer Zukunft sein könnten?“ Das Video wurde über 22 Millionen Mal angesehen, erhielt jedoch vor allem Tausende kritische Reaktionen.

Wie funktioniert die Erstellung von Avataren?

Der Vorgang ist so einfach, wie es die Werbung beschreibt. Die Frau filmte ihre Mutter drei Minuten lang, während diese sprach und sich bewegte. Anschließend erstellte die App daraus einen Avatar, der wie die echte Person aussieht und spricht. Dieser Avatar interagiert dann mit der Familie – in der Werbung sehen wir, wie er am Leben teilnimmt, als das Kind geboren wird, heranwächst und später eigene Kinder bekommt. Die Anwendung kann kostenlos heruntergeladen werden, bietet jedoch Premium-Avatare und digitale Gegenstände gegen Bezahlung an. Neben verstorbenen Angehörigen ermöglicht die App auch Gespräche mit historischen Persönlichkeiten wie William Shakespeare, Florence Nightingale, König Heinrich VIII. oder Frida Kahlo. Diese Avatare dienen als interaktive Lehrkräfte für Bildungszwecke. Worthy selbst hat in der App einen digitalen Avatar, der mit seiner Stimme spricht. Zu den weiteren Figuren gehören Luca als persönlicher Koch, Celeste als Astrologin oder Darius als Personal Trainer. Berühmte Persönlichkeiten und Künstler können ihre Avatare hochladen, damit diese rund um die Uhr mit Fans kommunizieren.

Welle der Kritik

In den sozialen Netzwerken verglichen die Menschen die App schnell mit der dystopischen Serie Black Mirror, insbesondere mit der Folge Wiedergänger aus der zweiten Staffel. Darin nutzt Hayley Atwell künstliche Intelligenz, um ihren verstorbenen Freund, gespielt von Domhnall Gleeson, wieder zum Leben zu erwecken. Ein Nutzer schrieb: „Ist das nicht beinahe wortwörtlich eine Folge von Black Mirror?“ Ein anderer fügte hinzu: „Großartige Idee – meine eigenen Erinnerungen an verstorbene Angehörige nach und nach durch KI-Murks zu ersetzen!“ Jemand anderes warnte: „Oh, wie schön, noch eine weitere Möglichkeit für Menschen, den Bezug zur Realität zu verlieren und den normalen Trauerprozess zu vermeiden.“ Kritiker behaupten, die App könne viel Schmerz verursachen, weil sie falsche Hoffnung auf eine Wiedervereinigung mit den Toten wecke, die eine echte Anwesenheit niemals ersetzen könne. Ein Nutzer bezeichnete sie als „objektiv eine der schlimmsten Ideen, die man sich vorstellen kann“ und erhielt dafür über 210.000 Likes. Ein anderer sagte: „Ein ehemaliger Disney-Star erschafft das Schrecklichste, was ich je gesehen habe“, und bekam 139.000 Likes. Jemand bezeichnete die App als „dämonisch, unehrlich und entmenschlichend“ und fügte hinzu, dass er niemals einen eigenen Avatar haben wolle, denn „mein Wert stirbt mit mir. Ich bin kein Avatar.“ Die Menschen befürchten, dass die Anwendung die Trauer anderer aus Profitgründen ausnutzt und eine gesunde Verarbeitung des Verlusts verhindert.

Weitere Einsatzmöglichkeiten der App

Neben persönlichen Avataren richtet sich die Anwendung auch an Prominente. Worthy sagte in einem Interview mit Variety, dass 2wai berühmten Menschen die Kontrolle zurückgebe, sodass sie „bedeutungsvolle Beziehungen zu Fans auf der ganzen Welt“ pflegen könnten. Die App ermöglicht es ihnen, rund um die Uhr zu kommunizieren, ohne selbst online sein zu müssen. „Diese Plattform ermöglicht eine persönliche, menschliche Verbindung“, fügte er hinzu. Worthy begann seine Karriere als Kinderschauspieler und spielte Dez in Austin & Ally auf dem Disney Channel. Zuletzt war er in den Serien The Act und American Vandal sowie in der Hulu-Komödie Reboot zu sehen. Die Anwendung verbindet somit Unterhaltung, Bildung und persönliche Erinnerungen, doch ihre Hauptfunktion mit verstorbenen Angehörigen sorgte für den größten Aufruhr.

Quellen: independent.co.uk und forbes.com

Kategorie:KI
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