Noch vor wenigen Tagen ging Donald Trump scharf gegen das KI-Unternehmen Anthropic vor. Jetzt hat er seine Haltung geändert. In einem Interview für die Sendung The Axios Show räumte der US-Präsident ein, dass er das Unternehmen möglicherweise als Bedrohung für die nationale Sicherheit angesehen habe. Allerdings angeblich nur bis vor Kurzem. „Nun, jetzt nicht, aber vor einer Woche vielleicht“, antwortete Trump auf die Frage, ob er Anthropic oder dessen Chef Dario Amodei als Gefahr für den Staat betrachte.
Wie geriet ein derart einflussreiches Unternehmen überhaupt ins Visier der Regierung? Auslöser war ein Streit über den Zugang von Ausländern zu den fortschrittlichsten Modellen von Anthropic, Fable 5 und Mythos 5. Trump wies das Unternehmen an, ausländischen Nutzern den Zugang zu sperren. Anthropic schaltete die Modelle kurzerhand für alle ab.
Axios zufolge stand am Anfang der ganzen Angelegenheit ein beunruhigender Fund. Amazon verfasste einen Bericht über eine Sicherheitslücke und übergab ihn dem Weißen Haus. Dieses wandte sich damit an die Führung von Anthropic, hatte jedoch das Gefühl, vom Unternehmen abgewiesen worden zu sein, woraufhin harte Maßnahmen folgten. Das Handelsministerium verhängte umfassende Exportbeschränkungen gegen das Unternehmen.
Versöhnlicherer Ton nach dem G7-Gipfel
Die Beziehungen scheinen sich jedoch allmählich zu verbessern. Trump und weitere G7-Staats- und Regierungschefs trafen sich auf dem Gipfel in Frankreich mit den Chefs von Technologieunternehmen. Unter ihnen war auch Amodei. Und der Präsident nahm aus dem Treffen einen recht positiven Eindruck mit. Er bezeichnete Amodei als „nett“ und „klug“. Besonders würdigte er, wie schnell das Unternehmen auf die Anordnung zu den Exportbeschränkungen reagiert hatte. „Er hat sehr schnell auf uns reagiert, denn das ist eine enorme Verantwortung“, sagte Trump. „Dafür kommen Menschen sofort ins Gefängnis. Damit darf man nicht spielen. Und er hat meiner Ansicht nach sehr verantwortungsvoll reagiert.“
Bedeutet das, dass Anthropic aus dem Schneider ist? So eindeutig ist es nicht. Trump schloss nicht aus, gegen das Unternehmen von außerordentlichen Befugnissen nach dem Defense Production Act Gebrauch zu machen, mit denen das Pentagon zuvor gedroht hatte. „Ich habe die Macht, viele Dinge einzusetzen“, sagte Trump über dieses Gesetz. „Aber ich bin mir nicht sicher, ob ich das tun muss.“
Der Präsident verriet zugleich, wer überhaupt auf Anthropic aufmerksam gemacht hatte. „Es war ein Konkurrent und Miteigentümer, der Anthropic gemeldet hat. Ihnen gefiel nicht, was das Unternehmen tat. Sie waren sehr besorgt“, sagte er über die von Amazon geäußerten Bedenken.
Das Wettrennen mit China hat Vorrang
Warum hat Trump das Unternehmen nicht vollständig geschlossen? Das Rennen um die Vorherrschaft bei künstlicher Intelligenz wiegt in seinen Augen schwerer als politische Auseinandersetzungen. Seiner Ansicht nach lassen die Vereinigten Staaten China weit hinter sich. „Ich war mit Präsident Xi Jinping zusammen. Wir haben darüber gesprochen. Wir schlagen China mit großem Abstand“, erklärte Trump. „Das Gute überwiegt das Schlechte bei Weitem. Das Schlechte werden wir finden und stoppen.“
Anthropic selbst äußerte sich versöhnlich. „Wir sind der Regierung dankbar für die fortgesetzte Zusammenarbeit bei dem Bemühen, diese Angelegenheit so schnell wie möglich zu lösen“, erklärte das Unternehmen in einer Stellungnahme. Es betonte das gemeinsame Ziel, kritische Infrastruktur zu schützen und den amerikanischen Vorsprung bei künstlicher Intelligenz zu sichern.
Beide Seiten arbeiten den verfügbaren Informationen zufolge nun an Regeln, anhand derer Versuche zur Umgehung der KI-Sicherheitsvorkehrungen bewertet werden können.



