Schweizer KI-Modell Apertus: Ein offenes mehrsprachiges Modell
Im September 2025 stellten die Institutionen EPFL, ETH Zürich und CSCS ein neues Sprachmodell namens Apertus vor. Dieses Modell ist das erste große offene mehrsprachige System aus der Schweiz, das den Schwerpunkt auf Transparenz und Vielfalt in der generativen künstlichen Intelligenz legt. Der Name Apertus stammt vom lateinischen Wort für „offen“, was sein Wesen genau beschreibt – der gesamte Entwicklungsprozess, einschließlich Architektur, Modellgewichten, Trainingsdaten und Trainingsrezepten, ist vollständig zugänglich und dokumentiert. Entwickler und Organisationen können es als Grundlage für eigene Anwendungen wie Chatbots, Übersetzungssysteme oder Bildungswerkzeuge nutzen.
Das Modell Apertus entstand im Rahmen der Swiss AI Initiative, die von der EPFL und der ETH Zürich geleitet wird. Daran arbeiteten Forschende, Ingenieure und Studierende aus der ganzen Schweiz gemeinsam unter Nutzung der Infrastruktur des CSCS. Finanziert wurde das Projekt durch eine Investition von mehr als 10 Millionen GPU-Stunden auf dem CSCS-Supercomputer Alps sowie durch die Unterstützung des ETH-Rats, der den ETH-Bereich beaufsichtigt, zu dem die ETH Zürich, die EPFL, die WSL, das PSI, die Empa und die Eawag gehören. Hinzu kamen Beiträge strategischer Partner, insbesondere von Swisscom als größtem Schweizer Telekommunikationsanbieter.
Technische Details und Training
Apertus ist in zwei Größen erhältlich: mit 8 Milliarden Parametern und mit 70 Milliarden Parametern. Die kleinere Version eignet sich eher für den individuellen Einsatz, während die größere robustere Möglichkeiten bietet. Das Training erfolgte mit 15 Billionen Token in mehr als 1000 Sprachen, wobei 40 % der Daten nicht auf Englisch vorliegen. Zu den unterstützten Sprachen zählen Schweizerdeutsch, Rätoromanisch und viele weitere, die in ähnlichen Modellen bislang vernachlässigt wurden.
Die Entwickler achteten auf die Einhaltung der Schweizer Gesetze zu Datenschutz und Urheberrecht sowie der Transparenzpflichten gemäß dem EU AI Act. Die Trainingsdaten stammen ausschließlich aus öffentlich zugänglichen Quellen, die gefiltert wurden, um Opt-out-Anforderungen von Websites zu berücksichtigen, auch rückwirkend. Personenbezogene Daten und unerwünschte Inhalte wurden noch vor dem eigentlichen Training entfernt. Dieser Ansatz gewährleistet, dass das Modell für verschiedene Anwendungen ethisch und zuverlässig ist.
Laut dem Forscher Imanol Schlag, dem technischen Leiter des Projekts und Wissenschaftler an der ETH Zürich, wurde Apertus zum Wohle der Öffentlichkeit entwickelt. Es ist eines der wenigen vollständig offenen Modelle dieser Größe, das Mehrsprachigkeit, Transparenz und die Einhaltung von Vorschriften als Grundprinzipien betrachtet. Der Vergleich mit dem Modell Llama 3 von Meta unterstreicht seine Wettbewerbsfähigkeit, obwohl der Schwerpunkt eher auf Offenheit als auf direkter Konkurrenz zu proprietären Systemen wie ChatGPT oder Claude liegt.
Verfügbarkeit und Nutzung
Nutzer können Apertus über den strategischen Partner Swisscom beziehen oder es von der Plattform Hugging Face herunterladen, wo es unter einer freizügigen offenen Lizenz veröffentlicht wurde. Diese Lizenz ermöglicht die Nutzung in Bildung, Forschung und kommerziellen Anwendungen. Für Menschen außerhalb der Schweiz ist das Modell auch über die von Joshua Tan geleitete Public AI Inference Utility verfügbar. Seiner Ansicht nach ist Apertus ein führendes öffentliches KI-Modell, das von öffentlichen Institutionen im öffentlichen Interesse geschaffen wurde – ähnlich wie Infrastrukturen vom Typ Straßen oder Stromversorgung.
Die Einrichtung von Apertus ist für Fachleute und erfahrene Nutzer einfach, erfordert jedoch zusätzliche Komponenten wie Server, Cloud-Infrastruktur oder Benutzeroberflächen. Eine erste Gelegenheit zum Testen bieten die Swiss {ai} Weeks, eine Reihe von Hackathons und Veranstaltungen, bei denen Entwickler mit dem Modell experimentieren und Feedback geben können. Swisscom bietet den Teilnehmenden eine spezielle Schnittstelle und ermöglicht seinen Geschäftskunden den Zugriff über seine Schweizer KI-Plattform.
Zusammen mit dem Modell wurden umfangreiche Ressourcen veröffentlicht: Dokumentation, der Quellcode des Trainingsprozesses, Datensätze sowie Modellgewichte einschließlich der Zwischenstände – alles unter einer offenen Lizenz. Die Bedingungen sind auf Hugging Face verfügbar.
Zukunftspläne
Das Entwicklungsteam, dem spezialisierte Ingenieure und Forschende des CSCS, der ETH Zürich und der EPFL angehören, plant, das Modell regelmäßig zu aktualisieren. Laut Martin Jaggi, Professor für maschinelles Lernen an der EPFL und Mitglied des Lenkungsausschusses der Swiss AI Initiative, soll Apertus als Vorbild für ein vertrauenswürdiges, souveränes und inklusives KI-Modell dienen. Thomas Schulthess, Direktor des CSCS und Professor an der ETH Zürich, sieht in Apertus ein Instrument zur Stärkung der KI-Expertise in Forschung, Gesellschaft und Industrie.
Daniel Dobos, Forschungsdirektor von Swisscom, betont den Stolz auf die Bereitstellung dieses Modells auf der Schweizer KI-Plattform, wodurch ein sicheres und verantwortungsvolles Ökosystem gefördert wird. Antoine Bosselut, Professor und Leiter des Labors für natürliche Sprachverarbeitung an der EPFL, beschreibt die Veröffentlichung von Apertus als Beginn des Weges zu einer offenen, vertrauenswürdigen und souveränen KI zum Wohle der Öffentlichkeit weltweit.

Künftige Versionen sollen die Modellfamilie erweitern, die Effizienz verbessern und Spezialisierungen für Bereiche wie Recht, Klima, Gesundheit oder Bildung ergänzen, wobei hohe Transparenzstandards beibehalten werden. Die Initiative Swiss {ai} Weeks, unterstützt vom EPFL AI Center, ETH AI Center, Swisscom, Impact Hub Switzerland, Kickstart Innovation, Panter und Wildcard Media, bringt Forschende, Entwickler, Unternehmer und Bürger in ihrem Engagement für eine ethische und offene KI zusammen.
Quelle: ethz.ch



