Wenn von künstlicher Intelligenz die Rede ist, fallen häufig große Namen aus der Tech-Welt. Einer von ihnen ist Eric Schmidt, der Google von 2001 bis 2015 als CEO leitete. Nun befürchtet Schmidt, dass die meisten Regierungen weltweit beginnen werden, chinesische KI-Modelle zu nutzen – vor allem wegen des Preises. Im Podcast "Moonshots" erklärte er, warum ihn das beunruhigt. Ihm zufolge sind die größten Modelle in den USA geschlossen (Closed Source), was bedeutet, dass ihr Code nicht frei verfügbar ist, während die größten Modelle in China offen sind (Open Source), also für alle kostenlos.
Schmidt betrachtet dies als geopolitisches Problem. "Open Source ist kostenlos, geschlossene Modelle sind es nicht", sagte er. Länder, die nicht so viel Geld haben wie westliche Staaten, werden seiner Ansicht nach daher bei chinesischen Modellen landen – nicht, weil diese besser wären, sondern weil sie nichts kosten. Das könnte zu einer Situation führen, in der Geld und Einfluss in Richtung China abwandern. Schmidt ist derzeit Gründungspartner bei Innovation Endeavours, einem Risikokapitalfonds, und leitet das auf Luft- und Raumfahrt spezialisierte Startup Relativity Space. Sein Vermögen wird auf fast 50 Milliarden Dollar geschätzt.
Beliebtheit chinesischer Modelle
In diesem Jahr wird viel über chinesische Modelle wie DeepSeek oder Qwen3 von Alibaba gesprochen. Diese Modelle haben an Beliebtheit gewonnen, werfen jedoch Fragen zum Datenschutz, zur nationalen Sicherheit und dazu auf, ob die USA ihren Vorsprung verlieren. Schmidt warnt davor, dass Länder, die sich für diese offenen Modelle entscheiden, in eine Abhängigkeit geraten könnten. Befürworter offener Modelle argumentieren, dass sie eine schnelle technologische Entwicklung ermöglichen, da jeder den Code verändern und weiterverbreiten kann. Diejenigen, die geschlossene Modelle bevorzugen, führen dagegen an, dass diese sicherer seien, weil der Code privat bleibt.
Das Thema der "souveränen künstlichen Intelligenz" (Sovereign AI) taucht derzeit in Debatten zwischen Tech-Führungskräften und Politikern auf. Dabei geht es darum, dass Länder die Kontrolle über ihre Technologien, Daten und Infrastruktur behalten. Schmidt ist nicht der Einzige, der darauf hinweist. Jensen Huang, der Chef von Nvidia, sagte beispielsweise auf einem Regierungsgipfel in Dubai, dass er, wenn er ein Entwicklungsland führen würde, als Erstes die Sprache und Kultur dieses Landes in ein eigenes großes Sprachmodell (LLM) integrieren würde.
KI und ihre Auswirkungen auf die Wirtschaft laut Arthur Mensch
Arthur Mensch, CEO des französischen Startups Mistral, äußerte sich zu diesem Thema im A16z-Podcast. Seiner Ansicht nach wird künstliche Intelligenz das Bruttoinlandsprodukt (BIP) jedes Landes in den kommenden Jahren im zweistelligen Prozentbereich beeinflussen. Mensch betont, dass Länder ihre eigene KI-Infrastruktur aufbauen müssen, um zu verhindern, dass ihr Geld anderswohin abfließt.
Er vergleicht dies mit der Einführung der Elektrizität vor 100 Jahren: "Wenn man damals keine Kraftwerke baute, stellte man sich darauf ein, Strom von den Nachbarn zu kaufen, was letztlich nicht ideal ist, weil dadurch eine Abhängigkeit entsteht." Mensch fügt hinzu, dass künstliche Intelligenz außerdem eine Technologie sei, die Inhalte produziert und die Werte und Kultur eines Landes vermitteln könne. Daher erfordere sie ein noch größeres Engagement als die Elektrizität. Mistral, das Mensch 2023 gemeinsam mit ehemaligen Forschern von DeepMind und Meta gründete, entwickelt große Sprachmodelle und brachte den Chatbot "Le Chat" auf den Markt. Das Unternehmen konkurriert mit Firmen wie OpenAI, Anthropic oder DeepSeek und behauptet, dass seine Modelle schneller laufen als die der Konkurrenz.
Mistral ist eines der wertvollsten Startups Europas – im Juni wurde das Unternehmen mit 6,2 Milliarden Dollar bewertet. Mensch plant, das Unternehmen an die Börse zu bringen, anstatt es zu verkaufen. Er setzt sich nachdrücklich für offene Modelle ein und sagt, dass sich der Fortschritt zwischen 2010 und 2020 beschleunigt habe, weil Labore auf der Arbeit anderer aufbauten. "Mit den ersten großen Sprachmodellen von OpenAI ist das ein wenig verloren gegangen", erklärte er. Seiner Ansicht nach hat das chinesische Modell von DeepSeek die Welt der offenen Modelle gestärkt.

Warum ist es wichtig, eigene KI-Systeme aufzubauen?
Mensch und Huang sind sich einig, dass jedes Land eine nationale Strategie für künstliche Intelligenz benötigt, da sie in vielen Bereichen eingesetzt werden wird – von öffentlichen Dienstleistungen über die Landwirtschaft bis hin zur Verteidigung. Huang sagte Regierungsvertretern direkt, dass Länder eigene Fähigkeiten aufbauen sollten, um Abhängigkeiten zu vermeiden. Mensch sieht in künstlicher Intelligenz etwas, das die Wirtschaft ähnlich wie die Elektrizität verändern wird, jedoch mit einem stärkeren Fokus auf kulturelle Aspekte.
Schmidts Warnung unterstreicht, dass die Entscheidung zwischen offenen und geschlossenen Modellen nicht nur technischer Natur ist, sondern auch ganze Volkswirtschaften beeinflusst. Länder, die sich für eine günstige chinesische Lösung entscheiden, könnten die Kontrolle über ihre Daten und Innovationen verlieren. Das Thema betrifft alle – von großen Unternehmen bis hin zu kleinen Staaten, die mit der Welt Schritt halten wollen.
Quellen: businessinsider.com und benzatine.com



