Zugang zum experimentellen Projekt Genie, das interaktive Spielwelten aus Texteingaben oder Bildern erstellen kann, gewährt Google DeepMind. Nutzer können sich eine einzigartige 3D-Umgebung generieren lassen, in der sie sich mithilfe einer individuellen Figur aus der Ego- oder Third-Person-Perspektive bewegen.
Wie funktioniert Projekt Genie?
Projekt Genie ist ein experimenteller Forschungsprototyp, der eine Kombination aus dem Modell Genie 3, dem Generator Nano Banana Pro und Gemini nutzt. Das System ermöglicht es Nutzern, über eine Webanwendung eigene interaktive Welten zu erstellen, zu erkunden und neu zu gestalten.
Die Erstellung einer Welt erfolgt in vier einfachen Schritten. Zunächst beschreibt der Nutzer die Welt mithilfe einer Texteingabe oder lädt ein Bild als Referenz hoch. Genie 3 generiert den weiteren Weg in Echtzeit auf Grundlage der Aktionen, die der Nutzer ausführt. Das System kann Physik und Interaktionen für dynamische Welten simulieren.
Diego Rivas, Produktmanager bei Google DeepMind, hat diese Technologie gemeinsam mit Elliott Breece von Google Labs und Suz Chambers vom Google Creative Lab als wichtigen Schritt auf dem Weg zur allgemeinen künstlichen Intelligenz vorgestellt.
Drei Hauptfunktionen der Plattform
World Sketching (Weltskizze) ermöglicht es Nutzern, mithilfe von Text sowie generierten oder hochgeladenen Bildern lebendige, sich erweiternde Umgebungen zu erschaffen. Nutzer können eine eigene Figur und Welt erstellen sowie die Art der Erkundung festlegen – vom Gehen über das Fahren bis hin zum Fliegen. Für eine präzisere Kontrolle ist Nano Banana Pro integriert, das eine Vorschau der Welt und deren Bearbeitung vor dem Betreten ermöglicht.
World Exploration (Welterkundung) bietet eine navigierbare Umgebung, die darauf wartet, erkundet zu werden. Während sich der Nutzer bewegt, generiert Projekt Genie den weiteren Weg in Echtzeit mit 24 Bildern pro Sekunde. Nutzer können beim Durchqueren der Welt außerdem die Kamera mithilfe der WASD-Steuerung anpassen.
World Remixing (Neugestaltung von Welten) ermöglicht es, bestehende Welten auf Grundlage ihrer Eingaben in neue Interpretationen zu verwandeln. Nutzer können kuratierte Welten in der Galerie erkunden oder sie als Inspiration verwenden. Anschließend lassen sich Videos der erstellten Welten und Erkundungen herunterladen.
Was funktioniert und was nicht
Laut TechCrunch, das Projekt Genie getestet hat, zeichnet sich das System vor allem bei der Erstellung fantasievoller Welten aus, die beispielsweise wie aus Knetmasse geformt oder mit Wasserfarben gemalt wirken. Die erste von der Redaktion erstellte Welt war ein Schloss in den Wolken aus Marshmallows mit einem Fluss aus Schokoladensoße und Bäumen aus Süßigkeiten – alles im Claymation-Stil.
Die Modelle überzeugen bei der Erstellung von Welten auf Grundlage künstlerischer Vorgaben, etwa unter Verwendung von Wasserfarben, eines Anime-Stils oder einer klassischen Cartoon-Ästhetik. Fotorealistische Szenen wirken jedoch künstlich und steril. Als die Redaktion ein Foto ihres Büros bereitstellte, erstellte das System eine Welt mit ähnlichen Möbeln, die jedoch anders angeordnet waren und digital sowie steril wirkten.
Shlomi Fruchter, Forschungsdirektor bei DeepMind, räumte ein, dass es sich um einen frühen Prototyp mit zahlreichen Einschränkungen handelt. Figuren gehen gelegentlich durch Wände, und die Tastatursteuerung ist nicht immer zuverlässig. Die Navigation mit den Pfeiltasten zum Umschauen, der Leertaste zum Springen und den WASD-Tasten zur Fortbewegung reagierte häufig nicht oder schickte die Nutzer in die falsche Richtung.
Einschränkungen und Sicherheitsmaßnahmen
Als Reaktion auf die Rechtsstreitigkeiten mit Disney im vergangenen Jahr hat Google strenge Filter gegen Urheberrechtsverletzungen eingeführt. Nutzer können keine Welten mit Filmhelden oder Inhalten generieren, die geschützten Figuren ähneln. Auch Welten mit Meerjungfrauen oder Eisköniginnen, die an Disney-Figuren erinnern könnten, lassen sich nicht erstellen.
Google erlaubt Nutzern, sich nur 60 Sekunden lang in der generierten Welt aufzuhalten, was das Unternehmen mit dem enormen Rechenaufwand begründet. „Wenn Sie das System nutzen, gibt es irgendwo einen Chip, der ausschließlich Ihnen gehört und Ihrer Sitzung gewidmet ist“, erklärte Fruchter. Eine Verlängerung über 60 Sekunden hinaus würde den zusätzlichen Nutzen der Tests verringern und die Zahl der Nutzer begrenzen, die das System ausprobieren können.
Die Zukunft der Weltmodelle
Die Entwickler betrachten diese „Weltmodelle“ als entscheidenden Schritt auf dem Weg zur allgemeinen künstlichen Intelligenz. In naher Zukunft soll sich das Projekt jedoch vor allem auf die Unterhaltungsindustrie und das Training von Robotern in Simulationen konzentrieren. Anders als statische 3D-Bilder generiert Genie 3 den weiteren Weg in Echtzeit, während sich der Nutzer bewegt und mit der Welt interagiert.
Der Zugang zu Projekt Genie wird seit dem 29. Januar 2026 schrittweise für Abonnenten von Google AI Ultra in den USA (ab 18 Jahren) zu einem Preis von 6.250 Kč pro Monat freigeschaltet; eine Ausweitung auf weitere Regionen ist geplant. Einige der im August angekündigten Funktionen des Modells Genie 3, etwa Ereignisse, die während der Erkundung die Welt verändern, sind in diesem Prototyp bislang nicht enthalten.
Die Forscher von DeepMind kommunizieren offen den experimentellen Charakter des Tools und arbeiten daran, den Realismus der Welten und die Interaktionsmöglichkeiten zu verbessern sowie den Nutzern mehr Kontrolle über Aktionen und Umgebung zu geben.



