OpenAI verliert trotz massiver Investitionen Milliarden
OpenAI, das Unternehmen hinter dem beliebten ChatGPT, steht vor ernsthaften finanziellen Problemen, die den gesamten Sektor der künstlichen Intelligenz gefährden könnten. Obwohl das Unternehmen seit der Einführung von ChatGPT vor zweieinhalb Jahren mindestens 60,9 Milliarden US-Dollar an privater Finanzierung erhalten hat, verliert es jedes Jahr Milliarden von Dollar. Laut MSNBC beliefen sich seine Verluste im Jahr 2024 auf rund 5 Milliarden US-Dollar.
Ironischerweise beunruhigt dieser astronomische Verlust die Führung von OpenAI keineswegs. Sie hofft, bis 2029 einen Jahresumsatz von 125 Milliarden US-Dollar zu erzielen. Die Kluft zwischen den ehrgeizigen Plänen und der tatsächlichen finanziellen Lage des Unternehmens offenbart, was der Technologiekritiker Ed Zitron als „Subprime-KI-Krise“ bezeichnet.
Parallele zum Hypothekencrash von 2007
Zitron weist in seiner Analyse auf beunruhigende Ähnlichkeiten mit dem Subprime-Hypothekencrash von 2007 hin, der die Große Rezession auslöste. So wie Banken damals weitaus mehr Kredite vergaben, als realistischerweise zurückgezahlt werden konnten, investiert die Wall Street heute Milliarden von Dollar in der Hoffnung, dass der Wert von OpenAI wie durch ein Wunder weiter steigen wird.
Laut MSNBC wird ChatGPT derzeit mit etwa dem 30-Fachen seines Umsatzes bewertet – ein erstaunlicher Vertrauensvorschuss. Wie Zitron anmerkt, beruht diese Vorstellung nicht auf einer soliden Finanzanalyse, sondern vielmehr auf einem Anflug von „magischem Denken“.
„Ich vermute, dass sich eine Art Subprime-KI-Krise zusammenbraut“, schrieb Zitron, „bei der fast die gesamte Technologiebranche auf eine Technologie gesetzt hat, die zu einem stark reduzierten Preis verkauft wird, hochgradig zentralisiert ist und von großen Technologieunternehmen subventioniert wird. Was passiert, wenn die gesamte Technologiebranche vom Erfolg einer Software abhängt, die nur Geld verliert und keinen allzu großen Wert schafft?“
Kettenreaktion aus Preiserhöhungen und Entlassungen
Die Antwort auf Zitrons rhetorische Frage zeigt sich bereits in Form von Massenentlassungen, Preiserhöhungen und einer Verschlechterung der Qualität von Software, deren Infrastruktur auf Unternehmen wie OpenAI und Anthropic angewiesen ist.
Ein Beispiel dafür ist das Unternehmen Anysphere, das Cursor betreibt – einen „KI-Codegenerator“, der auf der Infrastruktur des großen Sprachmodells (LLM) von Anthropic basiert. Obwohl das Unternehmen im Juni fast 1 Milliarde US-Dollar an Finanzmitteln erhielt, führte es kürzlich massive Preiserhöhungen für seine Nutzer ein.
Dies empörte die treue Nutzerschaft aus Softwareingenieuren und Programmierern. Nach der Preiserhöhung strömten sie in großer Zahl in die sozialen Medien, um ihrer Frustration Ausdruck zu verleihen, und überschwemmten Reddit mit Beiträgen unter Überschriften wie „Cursor: Mehr bezahlen, weniger bekommen und nicht fragen, wie es funktioniert“ und „Das neue Preismodell von Cursor ist absoluter Müll“.
Laut Zitrons Analyse „geht Anysphere trotz einer Finanzierung von 900 Millionen US-Dollar das Geld aus, oder glaubt zumindest, dass eine Fortsetzung des Geschäftsbetriebs auf dieselbe Weise wie noch vor weniger als einem Monat dazu führen würde“.
Das Problem reicht bis an die Grundlagen
Verfolgt man den Geldfluss zurück, offenbart sich die wahre Ursache der Ratenbegrenzungen: der Druck, den Anthropics eigene jüngste Preiserhöhung auf Anysphere ausübt – die erste ihrer Art und ein schlechtes Vorzeichen für die Zukunft.
Was OpenAI betrifft, ist schwer zu erkennen, woher die Einnahmen sonst kommen sollten, wenn nicht aus Preiserhöhungen. ChatGPT kann bereits 800 Millionen wöchentlich aktive Nutzer vorweisen oder, wie CEO Sam Altman es ausdrückt, „etwa 10 Prozent der Welt“. Die überwiegende Mehrheit von ihnen nutzt den Dienst kostenlos, und es ist schwer vorstellbar, dass sie besonders erfreut wären, wenn ihr bevorzugter Chatbot plötzlich hinter einer Bezahlschranke verschwände.
Ein Beleg dafür ist, dass OpenAI kürzlich eine ähnliche Preiserhöhung wie Anthropic eingeführt hat und Unternehmen, die bereit sind, mehr zu zahlen, eine „bevorzugte Verarbeitung“ anbietet. Gewöhnliche Nutzer haben bereits willkürliche Beschränkungen durch OpenAI erlebt, etwa im Mai, als das Unternehmen die Bildanfragen an ChatGPT begrenzte, weil seine GPUs unter der Last der riesigen Nutzerschaft „schmolzen“.
Düstere Zukunftsaussichten
Für die Zukunft stellt sich nicht die Frage, „ob“ die Preise in die Stratosphäre steigen werden, sondern wer den Anfang macht und wann. Zitron fasst es prägnant zusammen: „Es gibt keine Möglichkeit, wie diese Situation zu einem Wachstum führen könnte, das Anthropic und OpenAI zu profitablen, nachhaltigen Unternehmen machen würde, und [dies] wird sich langfristig gegenteilig auf ihre Einnahmen auswirken.“
Die Situation ist umso beunruhigender, als auch andere Branchenexperten ähnliche Bedenken äußern. Neben Zitrons Kritik warnen weitere Analysten vor der mangelnden Nachhaltigkeit des derzeitigen Geschäftsmodells. Sie weisen darauf hin, dass der gesamte Sektor der generativen KI höchst unrentabel ist und massiv durch Investitionen großer Technologieunternehmen subventioniert wird. Die finanziellen Probleme von OpenAI sind daher kein Einzelfall, sondern möglicherweise ein Vorbote einer größeren Krise im Bereich der künstlichen Intelligenz, die weitreichende Folgen für den gesamten Technologiesektor haben könnte.



