64 Millionen Nutzer reichen nicht: Musk verschanzte sich für den Sommer bei xAI und plant, die Welt zu erobern
Die Bekanntheit der künstlichen Intelligenz xAI von Elon Musk beruht nicht nur auf hervorragenden Ergebnissen in Vergleichstests, sondern auch auf den Kontroversen, die sie begleiten. So verbrachte Musk den gesamten diesjährigen Sommer in seinem Unternehmen xAI in Palo Alto, wo er versuchte, es auf ein neues Niveau zu heben. Daraus wird deutlich, dass er den Wettlauf um den ersten Platz in der Welt der künstlichen Intelligenz wirklich ernst nimmt.
Der Versuch, GPT zu übertreffen
Elon Musk gründete das Unternehmen xAI im Frühjahr 2023 mit Experten, die zuvor für Google DeepMind, OpenAI oder Musks Tesla gearbeitet hatten. Zu Beginn bestand die Führung aus insgesamt 11 Personen, und das Ziel war klar: einen Chatbot zu entwickeln, der nicht nur hervorragende Ergebnisse in Vergleichstests erzielt, sondern auch nicht so „ideologisch liberal“ wie ChatGPT ist.
Der Bau des Rechenzentrums kostete Milliarden Dollar, und die Entwicklung des Chatbots Grok war auf einem sehr guten Weg. Elon Musk beschloss, innerhalb von 100 Tagen 100 Entwickler einzustellen, und bereits im Februar 2025 wurde der Chatbot zu einem der besten im Bereich der künstlichen Intelligenz.
Die ersten Probleme traten jedoch im Mai desselben Jahres auf, als Musk Grok noch immer für zu woke hielt und einer der Entwickler den Code veränderte. Dies führte zu einem Skandal, bei dem der Chat über einen „Völkermord an Weißen“ in Südafrika sprach, obwohl er nach nichts Derartigem gefragt worden war.
Grok wurde trotz seiner Schwierigkeiten zu einem beliebten Chatbot mit mehr als 60 Millionen Nutzern pro Monat, konnte jedoch die Position von ChatGPT nicht gefährden, das von rund 700 Millionen Nutzern pro Woche besucht wird. Gerade die starke Konkurrenz und die Probleme mit einigen Aussagen des Chats brachten Elon Musk dazu, sich den gesamten Sommer über voll und ganz xAI zu widmen und das Unternehmen im Bereich der künstlichen Intelligenz auf ein völlig neues Niveau zu heben.
Umstrukturierung des Unternehmens und Abkehr von der Wissenschaft
Nach Aussagen von Mitarbeitern, die der Zeitung The New York Times vorliegen, verdoppelte Elon Musk gerade während des Sommers seine Anstrengungen, widmete xAI den überwiegenden Teil seiner Zeit und übernachtete sogar im Büro.
Neben seinen verstärkten Bemühungen leitete er jedoch auch eine chaotische Umstrukturierung des gesamten Unternehmens ein und entließ zahlreiche Forschungsexperten. Weitere Fachleute folgten ihnen zudem aus eigenem Entschluss, weil sie sich mit der neuen Ausrichtung des Unternehmens xAI nicht identifizieren konnten. Einigen von ihnen zufolge hat sich die neue Richtung von xAI vollständig von Wissenschaft und Forschung entfernt (was bei der Entwicklung von KI das Hauptziel sein sollte) und richtet sich stattdessen eher an ein Massenpublikum.

SuperGrok Heavy und weitere ethische Probleme
Im Juli kam es zudem zu einer weiteren Aktualisierung des Codes und damit auch zu weiteren Problemen. Grok machte nämlich mehrere antisemitische Bemerkungen und verherrlichte Adolf Hitler.
Weitere Änderungen und die Arbeit an xAI brachten der Öffentlichkeit später jedoch ein Ergebnis. Dabei handelte es sich um das neue KI-Modell SuperGrok AI, das in Vergleichstests sofort Spitzenplätze belegte. Darüber hinaus stellte das Unternehmen aber auch eine Art „KI-Begleiter“ vor, die von den Hauptfiguren der Romane Fifty Shades of Grey oder Twilight inspiriert sind und für unterhaltsame Gespräche sowie das Knüpfen romantischer Beziehungen gedacht sind.
Gerade die problematischen Aussagen und die Entwicklung romantischer KI-Begleiter haben xAI nach Ansicht einiger Forscher von seiner ursprünglichen wissenschaftlichen Mission abgebracht, und genau zu diesem Zeitpunkt beschlossen einige von ihnen, das Unternehmen zu verlassen. Die Arbeit an der Verbesserung von xAI wurde jedoch mit derselben Intensität bis zum Herbst fortgesetzt.
Neue Projekte, die die künftige Richtung der KI bestimmen sollen
Die intensiven Bemühungen gipfelten am vergangenen Mittwoch, als Musk während seiner öffentlichen Präsentation die Vision vorstellte, in welche Richtung sich xAI entwickeln soll. Neben der Erklärung, dass die Hauptaufgabe der KI darin bestehe, die Wahrheit zu suchen und ihr nicht das Lügen beizubringen, kündigte er auch die Entwicklung zweier großer neuer Projekte an.
Eines davon soll Macrohard sein, also ein direkter Konkurrent von Microsoft, der dessen Softwarebetrieb mithilfe von KI simulieren soll, sowie Baby Grok, also eine sichere KI für Kinder im Alter von 2 bis 12 Jahren.
Musks Sommer bei xAI brachte Kontroversen, unerwartete Veränderungen innerhalb des Unternehmens, aber auch bedeutende Neuerungen und Erfolge. Daher ist klar, dass Musk seine Ambitionen im Bereich der KI ernst meint und es sich definitiv lohnt, zu verfolgen, in welche Richtung sich xAI künftig entwickeln wird.
Quellen: The New York Times, Bussiness Insider, The Times of India



