Microsoft öffnet die Tür zu kostenpflichtigen KI-Inhalten

Microsoft öffnet die Tür zu kostenpflichtigen KI-Inhalten

Ondřej Barták
Ondřej Barták
Unternehmer und Programmierer
25. 9. 2025
3 Minuten Lesezeit
Microsoft öffnet die Tür zu kostenpflichtigen KI-Inhalten

Microsoft öffnet die Tür zu kostenpflichtigen Inhalten in der KI

Microsoft hat gerade Pläne zur Schaffung eines speziellen Marktplatzes vorgestellt, auf dem Verlage für ihre in künstlicher Intelligenz verwendeten Inhalte bezahlt werden können. Dieses Projekt mit dem Namen Marktplatz für Verlagsinhalte (Publisher Content Marketplace, PCM) startet als Pilotprogramm mit ausgewählten US-amerikanischen Verlagen. Ziel ist es, ein zweiseitiges System zu schaffen, in dem KI-Tools Inhalte von Verlagen kaufen und sie für jede Nutzung bezahlen. Das erste derartige Tool wird Microsofts Assistent Copilot sein, der bereits jetzt Antworten auf Grundlage verschiedener Quellen generiert.

Nach Informationen aus den laufenden Gesprächen mit Verlagen versucht Microsoft, ein seit Langem bestehendes Problem der Medienbranche zu lösen, bei dem KI deren Inhalte nutzt. Verlage erleben häufig, wie ihre Artikel und Daten ohne jegliche Vergütung in KI-Modellen landen. PCM soll dies ändern, indem es einen transparenten Zahlungsmechanismus bietet. Das Unternehmen kündigte dies vergangene Woche bei einem nicht öffentlichen Partner Summit in Monaco an und vermittelte dabei eine klare Botschaft: „Sie verdienen eine Vergütung für die Qualität Ihres geistigen Eigentums.“ Dies fand bei den Teilnehmern Anklang, da es in direktem Gegensatz zur Haltung anderer Technologiegiganten steht.

Das Pilotprogramm und seine Details

Die Pilotversion von PCM umfasst nur eine begrenzte Anzahl von Verlagen, die über die Pläne informiert wurden. Microsoft möchte gemeinsam mit ihnen Tools, Regeln und Preismodelle entwickeln, damit das System reibungslos funktioniert. Copilot wird der erste „Käufer“ auf dieser Plattform sein – wenn der Assistent Inhalte eines Verlags in einer Antwort verwendet, erhält dieser eine Vergütung. Künftig plant Microsoft, weitere KI-Produkte hinzuzufügen, was das Angebot erweitern und mehr Inhaltsanbieter anziehen würde.

Der Zeitplan für den Start des Pilotprogramms steht noch nicht genau fest, doch die Gespräche laufen intensiv. Dieser Ansatz unterscheidet sich von üblichen Lizenzvereinbarungen, bei denen Verlage einmalige Zahlungen für den Zugang zu Archiven erhalten. PCM setzt stattdessen auf wiederkehrende Zahlungen entsprechend der tatsächlichen Nutzung, wodurch stabile Einnahmen für Medienunternehmen entstehen könnten. Bereits 2024 experimentierte Microsoft beispielsweise im Projekt Copilot Daily mit ähnlichen Partnern und sammelte dort Nachrichten und Wetterinformationen von Anbietern wie Reuters, Axel Springer, Hearst Magazines, USA Today Network und Financial Times.

Der Kampf um Inhalte vs. Lizenzrechte

Diese Haltung von Microsoft ist willkommen, da Verlage mit Technologieunternehmen um Urheberrechte kämpfen. Microsoft sieht sich Klagen großer Akteure wie der New York Times und anderer Zeitungen gegenüber, die dem Unternehmen Urheberrechtsverletzungen beim Training von KI-Modellen vorwerfen. Diese Gerichtsverfahren, die auch OpenAI betreffen, dessen größter Investor Microsoft ist, unterstreichen die Notwendigkeit neuer Kooperationsmodelle. PCM könnte die Antwort darauf sein – eine Plattform, die Zustimmung, Kontrolle und Vergütung für die Nutzung von Inhalten gewährleistet.

Andere Giganten hinken bislang hinterher. Google, das die Internetsuche dominiert, hat nur wenige Vereinbarungen mit Verlagen abgeschlossen und zeigt kein Interesse an einem Marktplatz. Meta hat die Gespräche über KI-Lizenzen kürzlich intensiviert, aber weder ein ähnliches System eingeführt noch vorgeschlagen. Kleinere Start-ups wie ProRata.ai oder TollBit versuchen, eigene Marktplätze aufzubauen, doch ohne große Technologieunternehmen fehlt es ihnen sowohl an genügend Käufern als auch an Inhalten. Copilot verzeichnet zwar weniger Zugriffe als ChatGPT, doch Microsofts Stärke liegt in seinen Unternehmenskunden über Microsoft 365 und Azure, wodurch Millionen von Nutzern erreicht werden.

Auswirkungen auf Verlage

Für Verlage stellt PCM eine Chance auf ein nachhaltiges Geschäftsmodell in der KI-Welt dar. Anstatt ihre Daten passiv scrapen zu lassen, könnten sie ihre Inhalte aktiv verkaufen und kontrollieren, wie sie verwendet werden. Microsofts Entscheidung vertieft seine Beziehungen zu den Medien, insbesondere nach der Neustrukturierung der Zusammenarbeit mit OpenAI, das zuvor die Lizenzverhandlungen geführt hatte. Sollte das Pilotprogramm erfolgreich sein, könnte es auch Google zum Handeln zwingen – Verlage warten seit Langem auf ein System, in dem die großen Plattformen fair agieren.

Im September 2025 erschien die neue Version des Microsoft Publisher Agreement 8.0, die Angebote auf dem kommerziellen Microsoft-Marktplatz betrifft und für PCM relevante Details enthalten könnte. Diese Entwicklung zeigt, dass Microsoft in KI nicht nur ein Werkzeug, sondern auch eine Chance für eine faire Partnerschaft im Bereich der Inhalte sieht.

Kategorie:KI
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