Künstliche Intelligenz verbraucht Unmengen an Energie. Das weiß auch Elon Musk mit seinem Unternehmen xAI. Deshalb hat er kurzerhand beschlossen, seinen Strom selbst zu erzeugen. Selbst um den Preis, dass die Stadt Southaven in Mississippi die ökologischen Folgen und Gesundheitsrisiken tragen muss.
Strategische Lage des Kraftwerks
Die ganze Geschichte spielt sich an zwei Orten ab, die nur wenige Autominuten voneinander entfernt auf gegenüberliegenden Seiten der Staatsgrenze liegen. In Memphis in Tennessee befinden sich riesige Rechenzentren von xAI. Dabei handelt es sich um Colossus 1 und Colossus 2, gewaltige Gebäude voller Server und Chips, auf denen der KI-Chatbot Grok läuft.
Doch diese Rechenzentren verbrauchen so viel Strom, dass das öffentliche Netz schlicht nicht ausreicht. Deshalb beschloss xAI, eine eigene Energiequelle zu errichten, und zwar gleich hinter der Staatsgrenze im benachbarten Southaven in Mississippi. Und hier beginnt das Problem.
Die Turbinen kamen ohne Vorwarnung und Genehmigung
Nach Angaben von Einwohnern Southavens, die von der Zeitung NBC News befragt wurden, tauchten die ersten 18 Erdgasturbinen praktisch über Nacht in der Stadt auf und wurden ohne Vorwarnung rund um die Uhr in Betrieb genommen. Die Bewohner der angrenzenden Gebiete waren dadurch täglich einem unangenehmen Lärm ausgesetzt, der an eine Start- und Landebahn erinnert.
Es ist anzumerken, dass das Unternehmen diese Turbinen ohne eine einzige bundesrechtliche Genehmigung in Betrieb nahm. Als Begründung führte es an, dass es sich lediglich um eine vorübergehende Lösung handle, für die keine Genehmigung erforderlich sei. Und es ist nicht das erste Mal. Genau dasselbe Vorgehen wählte das Unternehmen bereits 2024 in Memphis. Vielleicht versuchte es deshalb nun in einem anderen Bundesstaat.
Vom Provisorium zum dauerhaften Kraftwerk
Im Dezember kamen zu den 18 Turbinen weitere 9 hinzu. Zu diesem Zeitpunkt kündigte xAI bereits an, diese provisorische Lösung durch etwas Dauerhaftes ersetzen zu wollen. Das Unternehmen beantragte daher die Genehmigung zur Installation von 41 fest installierten Methangasturbinen direkt in Southaven.
Umweltexperten wiesen jedoch nicht nur auf die gesundheitlichen und ökologischen Risiken hin, sondern auch darauf, dass es sich dabei um eines der größten fossilen Kraftwerke im gesamten Bundesstaat Mississippi handeln würde. Dies erkennen jedoch offenbar nur die Einwohner vor Ort an, nicht aber die übergeordneten Behörden.
Zum Kraftwerk kommt auch ein Rechenzentrum
Obwohl der Bau eines neuen Kraftwerks bereits wie der größte Albtraum erscheinen könnte, legte Elon Musk noch eins drauf. Im Gebäude eines ehemaligen Logistiklagers in der Stadt Southaven plant er, ein neues, drittes Rechenzentrum mit dem Namen Macrohardrr zu errichten. Der Name dieses Rechenzentrums soll eine Anspielung auf den Konkurrenten Microsoft sein.
Luftverschmutzung, Lärm und die Parodie einer Schallschutzwand
Die Einwohner vor Ort waren mit der gesamten Angelegenheit nicht einverstanden, und ihr Widerstand war mehr als nur ein formeller Protest. Auch Experten aus verschiedenen Fachgebieten schalteten sich ein. Eine Untersuchung von Wissenschaftlern der University of Tennessee belegte beispielsweise, dass der Betrieb der Turbinen zur Verschlechterung der Luftqualität in der gesamten Region beiträgt. Dies bestätigt auch die American Lung Association, die den Bezirken mit Rechenzentren und Turbinen für ihre Luftverschmutzung die Note „F“ erteilt.
Der Zeitung The Guardian zufolge warnen Umweltorganisationen zudem davor, dass die Generatoren gefährliche Chemikalien wie Formaldehyd und Stickoxide ausstoßen. Diese können nicht nur für Atemwegserkrankungen, sondern auch für Herzinfarkte und bestimmte Krebsarten verantwortlich sein.
Sehr problematisch ist auch der hohe Lärmpegel. Und obwohl xAI für 7 Millionen Dollar eine Schallschutzwand installieren ließ, findet sie bei den Anwohnern wenig Anklang. Ihre Wirkung und Qualität sind den Einwohnern zufolge unzureichend.
Regulierungsbehörden stimmen zu, Einwohner sind empört
Bei einer öffentlichen Anhörung am 17. Februar versammelten sich Hunderte Einwohner in Southaven. Kein einziger der Anwesenden sprach sich für die Unterstützung des Projekts aus. Am 10. März 2026 erteilten die Regulierungsbehörden des Bundesstaates Mississippi jedoch schließlich die Genehmigung für 41 dauerhaft installierte Turbinen. Die entscheidende Abstimmung fand allerdings am Tag der Vorwahlen mehrere Hundert Kilometer von Southaven entfernt statt. Gerade dies erschwerte den am stärksten betroffenen Einwohnern die Teilnahme.
Obwohl die Entscheidung bereits gefallen ist, wollen die Einwohner nicht kampflos aufgeben. Das Southern Environmental Law Center (SELC) plant eine Klage wegen Verstoßes gegen das bundesweite Luftreinhaltegesetz.
Patrick Anderson, leitender Anwalt beim SELC, erklärte zudem gegenüber CNBC, dass die Regulierungsbehörden Musks Ambitionen über die Bedenken der Einwohner stellten, und kritisierte die Genehmigung des Kraftwerks vor einer gründlichen Prüfung seiner Auswirkungen. Der Kampf darum, wessen Interessen Vorrang haben, scheint also gerade erst zu beginnen.



