Das französische Unternehmen Mistral und das saudi-arabische Unternehmen HUMAIN haben eine Zusammenarbeit im Umfang von Hunderten Millionen Euro angekündigt. Die Vereinbarung deckt gleichzeitig drei Bereiche ab: Recheninfrastruktur, die Entwicklung fortschrittlicher Modelle und die Bereitstellung fertiger Lösungen in Saudi-Arabien und den umliegenden Ländern. Als erste Themen haben beide Seiten Cybersicherheit und Sprachtechnologien ausgewählt. Darüber hinaus wollen sie gemeinsam Spitzenmodelle entwickeln, die Arabisch hervorragend beherrschen.
Details der Zusammenarbeit
Die Ankündigung umfasst mehrere eigenständige Teile, die jeweils ein unterschiedliches Tempo haben. Am konkretesten ist die Entwicklung und Lokalisierung von Modellen, für die die Unternehmen bereits die ersten beiden Bereiche benannt haben. An Cybersicherheit und Sprachtechnologien schließt sich ein ehrgeizigerer Plan an: Spitzenmodelle, die auf Arabisch gut funktionieren und der gesamten Region dienen sollen. Der zweite Teil betrifft die Hardware. Laut der Ankündigung wird Mistral prüfen, ob das Unternehmen für den wachsenden lokalen Bedarf die von HUMAIN errichteten Rechenzentren nutzen könnte. Vorerst handelt es sich um eine Prüfung und nicht um einen unterzeichneten Vertrag über den Kauf von Rechenkapazität.
Der dritte Teil ist geschäftlicher Natur. Beide Unternehmen wollen ein gemeinsames Vorgehen auf dem saudi-arabischen Markt vorbereiten und sich dabei auf Branchen konzentrieren, in denen strenge Regeln für den Umgang mit Daten gelten. Mistral und HUMAIN nennen in der Ankündigung Finanzdienstleistungen, industrielle Fertigung, Telekommunikation, Cybersicherheit und öffentliche Verwaltung. Gerade in diesen Bereichen dürfen Kunden ihrer Ansicht nach keine Abstriche bei Sicherheit, Compliance, Resilienz und eigenständiger Betriebsführung machen.
Was souveräne KI bedeutet
Der vollständige Wortlaut der Ankündigung basiert auf dem Begriff der souveränen KI, den Mistral ausführlich erläutert. Darunter versteht man eine Anordnung, bei der Daten, Rechenleistung, die eigentliche Intelligenz und auch der Betrieb in den Händen des Kunden bleiben. In der Praxis bedeutet dies vier Dinge. Die Daten verlassen nicht die Grenzen, die der Kunde selbst festlegt. Die Modelle können angepasst und in Besitz genommen werden, weil ihre Gewichtungen offen sind. Training und Betrieb laufen auf der Infrastruktur und in dem Land, das der Kunde auswählt. Und vor allem bleibt der gesamte Lernzyklus innerhalb der Organisation, anstatt dass das Unternehmen ihn einer fremden Plattform überlässt und die Kontrolle darüber verliert.
Dieses Argument führt Mistral schon seit Langem an, weil es das wichtigste Unterscheidungsmerkmal gegenüber den amerikanischen Wettbewerbern darstellt. Offener Quellcode ist die Voraussetzung dafür, dass eine Bank oder ein Ministerium ein Modell in die eigene Umgebung übernehmen und nach den eigenen Vorstellungen weiter damit arbeiten kann.
Was Mistral von der Vereinbarung hat
Das Pariser Unternehmen baut unter dem Namen Mistral Compute seine eigene Recheninfrastruktur auf, und die saudi-arabische Zusammenarbeit führt es weiter nach Osten. Bisher stützte sich Mistral auf europäische und amerikanische Kapazitäten. Der Zugang zu saudi-arabischen Servern verschafft dem Unternehmen zusätzlichen Raum, in dem es Modelle trainieren und Kunden bedienen kann, ohne auf den Ausbau in Europa warten zu müssen.
Neben der technischen Infrastruktur erschließt sich das Unternehmen auch einen Markt. HUMAIN kennt die lokalen Kunden und weiß, wie in Saudi-Arabien Geschäfte mit dem Staat und großen Konzernen abgeschlossen werden. Dadurch muss sich Mistral nicht allein durch die Region kämpfen. Das gemeinsame geschäftliche Vorgehen wird in der Ankündigung als Plan aufgeführt, seine konkrete Ausgestaltung wird also später folgen. Der dritte Vorteil ist die Sprache selbst. Modelle, die Arabisch hervorragend beherrschen, sind für Mistral nicht nur in Riad von Nutzen. Sie eröffnen dem Unternehmen den arabischsprachigen Markt, auf dem dieser europäische Anbieter bislang praktisch keine Position hat.
Was HUMAIN von der Vereinbarung hat
Das saudi-arabische Unternehmen positioniert sich als Anbieter, der die gesamte Wertschöpfungskette von Rechenzentren bis hin zu fertigen Lösungen abdecken kann. Es beschreibt vier zentrale Säulen: Rechenzentren der nächsten Generation, leistungsfähige Infrastruktur mit Cloud-Plattformen, fortschrittliche Modelle einschließlich großer, in der arabischen Welt entwickelter Sprachmodelle für Arabisch und schließlich Produkte für einzelne Branchen.
Gerade bei den Modellen kommt ihm der europäische Partner gelegen. Dank Mistral erhält HUMAIN das Know-how eines Entwicklers, der Modelle mit offenem Quellcode veröffentlicht und sie an große Unternehmen in Europa liefern kann. Damit ergänzt es Pläne, die bislang vor allem nach dem Bau von Hallen und dem Kauf von Chips aussahen, um die Inhalte, die in diesen Hallen ausgeführt werden sollen. Ein weiterer Vorteil ist die Sicherung der Nachfrage. Sollte Mistral die saudi-arabischen Kapazitäten tatsächlich nutzen, gewinnt HUMAIN einen wichtigen Kunden für die Infrastruktur, die das Unternehmen derzeit errichtet.
Das saudi-arabische Unternehmen weitete im vergangenen November seine Zusammenarbeit mit Nvidia aus. Diese umfasst den Plan, innerhalb von drei Jahren bis zu sechzigtausend der neuesten Systeme einzusetzen, darunter GB300-Plattformen. Zur gleichen Zeit schloss es mit xAI einen Vertrag über ein Rechenzentrum, dessen Grundlage eine Anlage mit einer Leistung von mehr als fünfhundert Megawatt bildet, und vereinbarte mit Amazon Web Services die Verwaltung von bis zu einhundertfünfzigtausend Grafikkarten in einer eigens für künstliche Intelligenz vorgesehenen Zone in Riad.
Mistral baut auch in Europa Kapazitäten auf
Die saudi-arabische Vereinbarung knüpft an zwei europäische Schritte der vergangenen Wochen an. Im Laufe dieses Sommers weitete Mistral seine Zusammenarbeit mit Microsoft aus, um die Rechenkapazität in Europa zu stärken. Anfang August stellte das Unternehmen dann die European Compute Units vor, ein Modell, das langfristige Aufträge großer Unternehmen so bündeln soll, dass die für Europa erforderliche Infrastruktur tatsächlich aufgebaut wird und im internationalen Wettbewerb bestehen kann.
Das Unternehmen erklärt, dass die Ausweitung des Zugangs zu lokaler Infrastruktur für es in den vergangenen Wochen ein wichtiges Thema gewesen sei. Aus dieser Perspektive stellt die saudi-arabische Vereinbarung einen weiteren Schritt dar, lediglich auf einem anderen Kontinent.
Quellen: finance.yahoo.com und prnewswire.com



