Die Aktien des chinesischen Start-ups MiniMax, das erst am 9. Januar dieses Jahres an die Börse ging, schossen um 400 Prozent in die Höhe. Das Unternehmen, das erst im Dezember 2021 gegründet wurde, spielt plötzlich in einer Liga mit etablierten chinesischen Internetgiganten wie JD.com oder Kuaishou. Wie kam es dazu?
Was unterscheidet MiniMax von der Konkurrenz?
MiniMax ist ein Unternehmen aus Shanghai, das sich auf die Entwicklung sogenannter multimodaler künstlicher Intelligenzen konzentriert. Das bedeutet, dass seine Modelle nicht nur Text verstehen, sondern zugleich auch Bilder, Ton und Videos verarbeiten. Genau das ist ihr größter Vorteil gegenüber Konkurrenten, die sich beispielsweise nur auf Textmodelle konzentrieren.
Das Unternehmen steht hinter einer ganzen Reihe von Produkten. Talkie ist eine App für internationale Märkte, in der Nutzer mit KI-Avataren berühmter Persönlichkeiten chatten können, von Donald Trump über Taylor Swift bis hin zu Elon Musk. Im Juli 2024 gehörte Talkie mit rund 11 Millionen monatlich aktiven Nutzern zu den am häufigsten heruntergeladenen Unterhaltungs-Apps in den USA. Für den chinesischen Markt gibt es unter dem Namen Xing Ye ein entsprechendes Pendant.
Ein weiteres Kernprodukt ist Hailuo AI, eine Plattform zur Generierung von Texten, Musik und Videos. Seit September 2024 bietet sie das Modell video-01 an, das aus einer Textbeschreibung ein Video erstellt. Hailuo wurde auf der Distributionsplattform OpenRouter dank seines niedrigen Preises und seiner kompakten Größe zum beliebtesten Modell der Woche.
MiniMax entwickelt außerdem Speech, ein Sprachmodell, das mehr als 30 Sprachen unterstützt, sowie MiniMax Music 2.5 zur Generierung von Musik. Das neueste Sprachmodell M2.5, das im Februar 2026 veröffentlicht wurde, beherrscht sowohl das Schreiben von Code als auch komplexe Schlussfolgerungen und kann sich in mancher Hinsicht mit Anthropics Modell Claude Opus 4.6 messen. Bald soll zudem das Modell M3 erscheinen.
Rasantes Umsatzwachstum und Börsengang in Hongkong
Die Zahlen für 2025 sind beeindruckend. Der Umsatz stieg um 159 Prozent auf 79 Millionen US-Dollar, während Analysten lediglich 71 Millionen erwartet hatten. Mehr als 70 Prozent der Einnahmen stammten aus Auslandsmärkten außerhalb Chinas. Das Segment der Verbraucherabonnements wuchs um 143 Prozent, die Dienstleistungen für Unternehmen und Entwickler entwickelten sich ähnlich.
Im Januar 2026 ging MiniMax an die Hongkonger Börse und nahm mehr als 600 Millionen US-Dollar ein. Der Marktwert des Unternehmens übersteigt heute 33 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Das Unternehmen beschäftigt mehr als 200 Mitarbeiter und bedient mit seinen Verbraucherprodukten über 236 Millionen Nutzer.
Natürlich ist nicht alles rosig. MiniMax schreibt weiterhin Verluste. Der Nettoverlust für 2025 belief sich auf 1,87 Milliarden US-Dollar, gegenüber 465 Millionen im Vorjahr. Der Großteil des Verlusts ist jedoch auf Wertänderungen bei Finanzinstrumenten zurückzuführen und nicht auf die operative Tätigkeit. Die Investoren wissen das und richten ihren Blick bewusst auf etwas anderes: das Wachstumspotenzial.
Vermögen des Gründers überstieg über Nacht 7 Milliarden US-Dollar
Hinter MiniMax steht Yan Junjie, der 37-jährige Gründer, Vorsitzende und CEO. Gemeinsam mit ihm gründeten Yang Bin und Zhou Yucong das Unternehmen im Jahr 2021; alle drei waren zuvor Forscher im Bereich Computer Vision bei SenseTime. Nach der Veröffentlichung der Ergebnisse für 2025 sprang Yans Vermögen auf 7,8 Milliarden US-Dollar und damit auf mehr als das Doppelte seines Werts vor dem Börsengang. Erst beim Börsengang im Januar 2026 war er zum Milliardär geworden. Das Tempo, mit dem sein Vermögen wächst, ist schwindelerregend.
Yan blickt optimistisch auf die Zukunft der KI. „Die Nachfrage auf unserer Plattform wird völlig neue Dimensionen erreichen“, sagte er bei der Veröffentlichung der Ergebnisse. Er glaubt, dass sich künstliche Intelligenz schrittweise von einem Werkzeug zu einem „Kollegen auf Augenhöhe“ entwickeln wird. Zu den Bereichen, in denen er die größten Chancen sieht, gehören das Schreiben von Code, Büroproduktivität und die Generierung von Videos.
Globale Ambitionen und rechtliche Probleme
MiniMax will nicht nur ein chinesisches Unternehmen bleiben. Das Ziel besteht darin, eine globale KI-Plattform zu werden. Zu den neuen Kunden gehört beispielsweise die Produktivitätssoftware Notion von Ivan Zhao, die das Modell M2.5 für ihre KI-Agenten nutzt.
Doch die globale Expansion bringt auch Komplikationen mit sich. Im September 2025 reichten Disney, Universal und Warner Bros. Discovery eine Urheberrechtsklage ein, konkret weil Hailuo AI angeblich ihre geschützten Figuren nachahmt. Und im Februar 2026 beschuldigte Anthropic MiniMax gemeinsam mit weiteren chinesischen Unternehmen, mithilfe Tausender gefälschter Konten mehr als 16 Millionen Interaktionen mit dem Modell Claude generiert zu haben, um dessen Wissen in die eigenen Modelle zu „destillieren“.
Kann ein Unternehmen mit einem solchen Wachstumstempo und derart großen Ambitionen diese Hindernisse überwinden? Die chinesische KI-Welt bewegt sich mit einer Geschwindigkeit, die den Rest der Welt dazu zwingt, seine Annahmen neu zu überdenken.
Quelle: techinasia.com



