Microsoft, OpenAI und Anthropic investieren Millionen in die KI-Fortbildung von Lehrkräften
In New York wurde am Dienstag eine groß angelegte Initiative angekündigt, die führende Technologieunternehmen mit Lehrergewerkschaften zusammenbringt. Dabei handelt es sich um die Nationale Akademie für das Lehren mit künstlicher Intelligenz (KI), die das Ziel verfolgt, in den kommenden fünf Jahren 400.000 Lehrkräfte vom Kindergarten bis zur 12. Klasse (drittes Jahr der Sekundarstufe II) im Umgang mit künstlicher Intelligenz zu schulen. Dieses mit 23 Millionen Dollar ausgestattete Projekt wird von Microsoft, OpenAI und Anthropic gemeinsam mit der nationalen Amerikanischen Lehrergewerkschaft und der Vereinigten Lehrergewerkschaft von New York unterstützt. Teil der Initiative ist die Entwicklung eines Bildungsprogramms für Lehrkräfte, das sowohl online als auch auf einem physischen Campus in New York verfügbar sein wird.
Schulen, Lehrkräfte und Eltern beschäftigen sich mit der Frage, ob und wie künstliche Intelligenz in den Unterricht integriert werden soll. Lehrkräfte möchten sicherstellen, dass Schülerinnen und Schüler mit einer Technologie umgehen können, die den Arbeitsmarkt bereits verändert, und können künstliche Intelligenz selbst zur Automatisierung von Aufgaben einsetzen, wodurch ihnen mehr Zeit für die Interaktion mit den Lernenden bleibt. Gleichzeitig stellen sich jedoch ethische und praktische Fragen, etwa wo die Grenze zwischen der Förderung und der Beeinträchtigung des Lernens liegt, wenn Schülerinnen und Schüler künstliche Intelligenz als Hilfe bei den Hausaufgaben oder Lehrkräfte sie zur Unterrichtsplanung beziehungsweise zur Korrektur von Arbeiten nutzen.
Herausforderungen im Bildungswesen
Einige Schulen haben den Einsatz künstlicher Intelligenz im Unterricht verboten, während andere sie eingeführt haben. In New York beispielsweise verbot die Bildungsbehörde 2023 die Nutzung von ChatGPT auf schulischen Geräten und in schulischen Netzwerken, hob diese Entscheidung jedoch einige Monate später wieder auf und gründete ein Labor für KI-Richtlinien, um deren Potenzial zu untersuchen.
Die neue Akademie hat sich zum Ziel gesetzt, ein nationales Modell dafür zu schaffen, wie künstliche Intelligenz in den Unterricht und in schulische Abläufe integriert werden kann, ohne den Verwaltungsaufwand zu erhöhen, der Lehrkräfte häufig belastet. Laut einer Erklärung der Präsidentin der Amerikanischen Lehrergewerkschaft, Randi Weingarten: „Künstliche Intelligenz bietet enormes Potenzial, bringt aber auch große Herausforderungen mit sich – und es liegt an uns Lehrkräften, dafür zu sorgen, dass sie den Lernenden und der Gesellschaft dient und nicht umgekehrt. Die Akademie wird ein Ort sein, an dem Lehrkräfte und Schulpersonal nicht nur lernen, wie künstliche Intelligenz funktioniert, sondern auch, wie man sie klug, sicher und ethisch einsetzt.“
Details zum Programm und zur Finanzierung
Das Programm umfasst Workshops, Onlinekurse und Präsenzschulungen, die von Fachleuten für künstliche Intelligenz und Pädagogen konzipiert wurden. Der Unterricht beginnt im Herbst. Microsoft investiert in den kommenden fünf Jahren 12,5 Millionen Dollar in dieses Vorhaben, OpenAI steuert 10 Millionen Dollar bei, davon 2 Millionen in Form von Sachleistungen wie dem Zugang zu Rechenkapazitäten. Anthropic plant, im ersten Jahr 500.000 Dollar und möglicherweise künftig noch mehr zu investieren.
Die Akademie konzentriert sich auf die praktische Anwendung im Unterricht, wobei der Schwerpunkt auf Chancengleichheit und der Stärkung der Rolle der Lehrkräfte liegt. Sie wird Workshops, Onlinekurse, Praxisschulungen und berufliche Weiterbildung anbieten, darunter Fortbildungspunkte, Zertifikate und bevorzugten Zugang zu Werkzeugen der künstlichen Intelligenz. Der Fokus wird auf besonders gefährdeten Schulbezirken liegen, um einen gleichberechtigten Zugang zu Ressourcen sicherzustellen. Die Lehrkräfte werden die Grundlagen der künstlichen Intelligenz, ihren ethischen Einsatz, den Schutz der Privatsphäre der Lernenden und die Vorbereitung auf eine von künstlicher Intelligenz geprägte Wirtschaft erlernen.
Vorteile für Unternehmen
Die an dem Projekt beteiligten Technologieunternehmen werden Rückmeldungen von Lehrkräften erhalten und möglicherweise auch die Gelegenheit bekommen, ihre KI-Werkzeuge Pädagogen und Lernenden im ganzen Land zugänglich zu machen. Ähnliche Partnerschaften haben Unternehmen in der Vergangenheit genutzt – beispielsweise sind Google Chromebooks aufgrund ihrer Beliebtheit an Schulen weit verbreitet.
Laut Chris Lehane, dem Leiter für globale Angelegenheiten bei OpenAI, der bei der Auftaktveranstaltung in New York sprach, werden die Schulungen eine Kombination aus allgemeinen Informationen über die Funktionsweise von KI-Systemen und spezifischen Einweisungen in die Werkzeuge von Microsoft, OpenAI und Anthropic sein. Es besteht zudem Potenzial für die Entwicklung neuer KI-Produkte in Zusammenarbeit mit Lehrkräften. Lehane sagte: „Wie können wir sicherstellen, dass Kinder und Lernende vom Kindergarten bis zur 12. Klasse mit den Fähigkeiten ausgestattet werden, die sie benötigen, um im Zeitalter der Intelligenz erfolgreich zu sein? Und das ist nicht möglich, wenn man es nicht direkt den Lehrkräften an die Hand gibt.“
Langfristige Auswirkungen und Ausweitung
Die Akademie soll als nationales Zentrum für kostenlose KI-Schulungen und die Entwicklung von Lehrplänen dienen und dabei das Wissen von Pädagogen mit den neuesten Technologien verbinden. Die Eröffnung eines Vorzeigecampus in New York ist für Herbst 2025 geplant, anschließend soll eine Ausweitung auf weitere Zentren im ganzen Land erfolgen. Der Fokus auf Chancengleichheit, Zugänglichkeit und messbare Auswirkungen in der Primar- und Sekundarbildung soll gewährleisten, dass künstliche Intelligenz die Rolle der Lehrkräfte als zentrales Element des Unterrichts stärkt, anstatt sie zu ersetzen. Das Programm wird auf Grundlage der Rückmeldungen von Pädagogen und realer Erfahrungen aus dem Unterricht angepasst, mit dem Ziel, bis 2030 mehr als 400.000 Lehrkräfte zu schulen, was etwa einer von zehn Lehrkräften im Land entspricht.



