Die Beziehung zwischen Microsoft und OpenAI galt bis vor Kurzem noch als Beispiel dafür, wie ein großer Konzern und ein ambitioniertes Startup in vollkommener Harmonie zusammenarbeiten können. Nun sieht es jedoch so aus, als könnten die Unternehmen sogar vor Gericht landen. Der Grund soll angeblich ein Regelverstoß seitens OpenAI sein.
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Als das Startup OpenAI seine Tätigkeit aufnahm, investierte Microsoft eine Milliarde Dollar in das Unternehmen und legte im Jahr 2023 weitere zehn Milliarden nach. Als Investor verlangte das Unternehmen jedoch die Zusicherung, dass Azure zum exklusiven Cloud-Anbieter für die KI-Modelle von OpenAI werden würde.
Und OpenAI stimmte zu. Warum auch nicht? OpenAI erhielt Kapital und Infrastruktur, Microsoft wiederum Zugang zu den fortschrittlichsten KI-Modellen der Welt. Doch dank GPT begann sich die Situation schon bald zu verändern. OpenAI gab nämlich nach und nach seine Rolle als Schützling von Microsoft auf und wuchs zu einem riesigen Unternehmen heran, dessen Wert sich auf mehrere Hundert Milliarden Dollar beläuft. Daher begann es, eigene Pläne zu schmieden und nach neuen Partnern zu suchen.
Der Dritte im Bunde: Amazon und ein 50-Milliarden-Deal
Die gesamte Situation eskalierte im Februar 2026, als OpenAI eine Vereinbarung mit Amazon im Wert von 50 Milliarden Dollar bekannt gab. OpenAI entschied sich kurzerhand, seinen neuen Dienst OpenAI Frontier (eine Unternehmensplattform, mit der Firmen Teams von KI-Agenten systemübergreifend aufbauen und einsetzen können) auf den Servern von Amazon zu betreiben.
Und genau das missfiel Microsoft. Der Vertrag mit Microsoft sieht nämlich vor, dass der Zugang zu den Modellen von OpenAI ausschließlich über Azure bereitgestellt werden darf. Die Nutzung von Amazon Web Services für Frontier verstößt nach Ansicht von Microsoft direkt gegen dieses Prinzip.
Das Wortspiel mit stateless und stateful
OpenAI weigert sich selbstverständlich einzugestehen, dass es sich um einen Verstoß gegen die Vereinbarung handelt. Genau deshalb dreht sich der Streit technisch gesehen um ein kleines Detail: den Unterschied zwischen den Begriffen „stateless“ und „stateful“. Und was bedeutet das in diesem Zusammenhang?
Obwohl es den Anschein haben mag, dass Ihr gewöhnlicher Chatbot Sie kennt, arbeitet er als stateless-Umgebung. Das bedeutet, dass er jedes Mal die gesamte Konversation von Anfang an neu verarbeitet. Frontier soll dagegen als „stateful“-Umgebung arbeiten, die sich den Kontext und frühere Arbeitsschritte merkt. Und genau diese „stateful“-Architektur des Modells fällt laut OpenAI nicht unter die Vereinbarung mit Microsoft. Das Unternehmen verstößt technisch gesehen also nicht gegen die Regeln.
Microsoft ist damit jedoch nicht einverstanden. Selbst Amazon Web Services, wo Frontier betrieben werden soll, hat seine Mitarbeiter intern angewiesen, anzugeben, dass AWS Frontier lediglich antreibt, nicht aber den Zugang dazu ermöglicht. Das zeigt, dass man sich auch aufseiten von Amazon der Brisanz der gesamten Situation bewusst ist.
Lohnt sich ein Gerichtsverfahren?
Nach Angaben der Zeitung Financial Times erklärte eine mit Microsofts Position vertraute Quelle, man wisse genau, was im Vertrag stehe. Und sollte er verletzt werden, werde man Klage einreichen. Dennoch ist die Situation kompliziert. Ein Gerichtsverfahren wäre für beide Seiten unangenehm.
Microsoft sieht sich nämlich in den USA, Großbritannien und der EU wegen seiner Geschäftspraktiken rund um Azure mit regulatorischen Untersuchungen konfrontiert, während OpenAI einen Börsengang vorbereitet und seine Aktien öffentlich anbieten will. Ein Gerichtsverfahren würde jedoch ein schlechtes Licht auf das Unternehmen werfen.
Ob die ganze Angelegenheit nun vor Gericht oder am Verhandlungstisch endet, eines ist klar: Die goldenen Zeiten der Freundschaft zwischen Microsoft und OpenAI sind offenbar unwiderruflich vorbei.
Quellen: The Reuters, Futurism, Outlook Business, UC Today



