Mark Zuckerberg schläft nicht, auch wenn es vielleicht so wirkt. Während andere Technologieunternehmen ihre KI-Strategien verfeinern, kündigte Meta im März 2026 die Gründung einer völlig neuen, auf angewandte künstliche Intelligenz ausgerichteten Engineering-Organisation an. Das Ziel? Aufbau dessen, was intern als „Datenmotor“ (Data Engine) bezeichnet wird, der die Entwicklung und Verbesserung von KI-Modellen beschleunigen soll. Und der gesamte Plan ist zumindest interessant.
Details zum neuen Team
An die Spitze der neuen Organisation setzte Zuckerberg Maher Saba, Vizepräsident der Sparte Reality Labs, die für Metaverse-Produkte und intelligente Brillen mit künstlicher Intelligenz verantwortlich ist. Saba wird direkt Technologiechef Andrew Bosworth unterstellt sein, einem der engsten Mitarbeiter Zuckerbergs.
Die neue Gruppe wird eng mit den Meta Superintelligence Labs zusammenarbeiten, einem Forschungslabor, das Meta im vergangenen Sommer gegründet hat. Geleitet wird es von Alexandr Wang, dem ehemaligen Chef des Unternehmens Scale AI. Wang wurde zu einer der Schlüsselfiguren in Metas KI-Strategie, nachdem er im Juni 2025 zum Unternehmen gekommen war.
Saba schrieb in einem internen Memorandum, das zuerst vom Wall Street Journal veröffentlicht wurde, unmissverständlich: „Bei der Entwicklung hervorragender Modelle geht es nicht nur um Forscher und Rechenleistung. Dafür braucht es reale Daten, Feedback und Bewertungen.“ Genau darauf wird sich das neue Team konzentrieren.
Zwei Teams mit klar verteilten Aufgaben
Die neue Organisation besteht aus zwei eigenständigen Gruppen mit unterschiedlichen Aufgaben:
Das erste Team konzentriert sich auf die Entwicklung von Benutzeroberflächen und internen Tools. Dabei geht es um die Infrastruktur, ohne die das gesamte System nicht funktionieren würde.
Das zweite Team ist für die Datenerfassung, die Erledigung von Aufgaben und die Bewertung der Modellergebnisse zuständig. Diese Daten fließen anschließend zurück an die Forschungsteams, die sie für das weitere Training der KI nutzen.
Das Ergebnis soll eine kontinuierliche Feedbackschleife zwischen der Leistung des Modells und realen Daten aus der Welt sein. Saba beschrieb es ganz einfach: Das Team werde einen „Datenmotor aufbauen, der unseren Modellen hilft, sich schneller zu verbessern“. Das klingt nach einem technischen Detail, tatsächlich handelt es sich jedoch um eines der wichtigsten Glieder in der gesamten KI-Entwicklungskette.
50 Mitarbeiter pro Manager
Hier kommt der wirklich interessante Teil. Die neue Organisation wird mit einer ungewöhnlich flachen Hierarchie und einem Verhältnis von bis zu 50 Mitarbeitern pro Manager arbeiten. Das ist in der Unternehmenswelt eine echte Seltenheit.
Warum? Zuckerberg erklärte dies bei der jüngsten Telefonkonferenz zu den Geschäftsergebnissen mit Investoren. Er sagte, Meta „werte einzelne Fachkräfte auf und gestalte Teams flacher“ und das Unternehmen sehe bereits Projekte, für die früher große Gruppen von Menschen nötig gewesen seien, die nun von einer einzigen talentierten Person abgeschlossen würden. Mit anderen Worten: weniger Chefs, mehr Arbeit.
Einen ähnlichen Ansatz verfolgt übrigens auch Nvidia. CEO Jensen Huang hat mehr als 30 direkte Untergebene, was in der Technologiewelt legendär ist. Meta hat sich davon offenbar inspirieren lassen.
Warum Meta seine KI-Kräfte neu aufstellt
Die gesamte Umstrukturierung erfolgt zu einer Zeit, in der der Wettlauf um die Entwicklung fortschrittlicher künstlicher Intelligenz an Fahrt gewinnt. Meta konkurriert mit OpenAI, Google, Anthropic und anderen. Und Zuckerberg setzt auf eine klare Strategie: die KI-Arbeit auf mehrere spezialisierte Teams zu verteilen, um das Risiko zu senken und die Geschwindigkeit zu erhöhen. Neben Sabas neuem Team und Wangs Forschungslabor arbeitet Meta an neuen Generationen von KI-Modellen, die intern die Codenamen Avocado und Mango tragen. Bosworth wiederum verantwortet die gesamte Technologiestrategie.
Erwähnenswert ist, dass es bei den Meta Superintelligence Labs kürzlich auch Entlassungen gab. Wang schrieb damals in einem internen Brief, dass ein kleineres Team weniger Besprechungen bedeute und jedes Mitglied mehr Verantwortung trage. Von dem rund hundertköpfigen Team verließen nach dem Vesting der Aktien im November nur zwei Forscher das Unternehmen, was darauf hindeutet, dass der Rest der Gruppe stabil und motiviert ist.
Metas künstliche Intelligenz
Zuckerberg schafft organisatorische Redundanz. Wenn ein Team auf ein Hindernis stößt, machen die anderen weiter. Es ist derselbe Ansatz, den Meta bei anderen großen Projekten verfolgt, bei denen das Risiko auf mehrere Führungskräfte verteilt wird, anstatt alles von einer einzigen Person abhängig zu machen.
Saba erwähnte in dem Memorandum außerdem, dass Meta dank der jüngsten Fortschritte im Bereich des bestärkenden Lernens (Reinforcement Learning) und der Post-Training-Techniken die Chance habe, sein Tempo zu erhöhen. Gerade bei diesen Methoden spielen hochwertige Daten und Bewertungen die größte Rolle. Und genau das wird das neue Team liefern.
Man kann sagen, dass Meta nicht mehr darauf vertraut, dass hervorragende Modelle allein durch Forscher und Rechenleistung entstehen. Das Unternehmen setzt darauf, dass der wahre Vorteil in den Daten, im Feedback und in der Geschwindigkeit ihrer Verarbeitung liegt. Ob diese Wette aufgeht, wird die Zeit zeigen. Doch eines ist klar: Zuckerberg nimmt diese Partie sehr ernst.
Quellen: eweek.com und the-decoder.com



