Zunächst kündigte Meta eine Ausweitung der Zusammenarbeit mit Nvidia und den Einsatz von Millionen seiner Prozessoren an. Und dann, kaum sieben Tage später, folgte der nächste Vertrag. Meta und AMD haben eine mehrjährige Vereinbarung über den Einsatz von AMD Instinct GPUs mit einer Leistung von bis zu 6 Gigawatt für die KI-Infrastruktur unterzeichnet. Zuckerberg will nicht von einem einzigen Chiplieferanten abhängig sein.
Details der Vereinbarung
Die Zahl von 6 Gigawatt klingt abstrakt, doch setzen wir sie in einen Kontext. Der Analyst Ben Bajarin von Creative Strategies schätzt, dass die Vereinbarung einen Wert von mehreren zehn Milliarden Dollar hat und ihre vollständige Umsetzung mindestens vier Jahre dauern wird. Es handelt sich um die größte KI-Chipvereinbarung in der Geschichte von AMD.
Die ersten GPU-Lieferungen beginnen in der zweiten Hälfte des Jahres 2026. Dabei wird es sich um maßgeschneiderte Chips auf Basis der Architektur AMD Instinct MI450 handeln, die speziell für die Workloads von Meta optimiert sind. Die Server werden auf der Rack-Scale-Architektur AMD Helios laufen, die beide Unternehmen gemeinsam im Rahmen des Open Compute Project entwickelt haben. Neben den GPUs wird Meta auch AMD EPYC-Prozessoren der 6. Generation mit den Codenamen „Venice“ und „Verano“ einsetzen.
Teil der Vereinbarung ist auch ein interessantes Finanzinstrument: AMD hat Meta das Recht zum Erwerb von bis zu 160 Millionen Aktien eingeräumt, was etwa 10 % des Unternehmens entspricht.
Warum Meta auf AMD und nicht nur auf Nvidia setzt
Nvidia hält rund 90 % des Marktes für KI-Chips, und sein Börsenwert übersteigt 4,6 Billionen Dollar. AMD wird dagegen mit rund 320 Milliarden Dollar bewertet. Dennoch baut Meta bewusst das auf, was das Unternehmen selbst als „portfolio-based approach“ bezeichnet, also einen Ansatz mit einem diversifizierten Lieferantenportfolio. Mark Zuckerberg brachte es unverblümt auf den Punkt: „Dies ist ein wichtiger Schritt für Meta, da wir unsere Rechenkapazitäten diversifizieren. Ich gehe davon aus, dass AMD über viele Jahre hinweg ein wichtiger Partner sein wird.“
Meta will nämlich nicht in eine Situation geraten, in der seine gesamte KI-Strategie von einem einzigen Lieferanten abhängt. Das Unternehmen entwickelt eigene MTIA-Chips (Meta Training and Inference Accelerator), verhandelt mit Google über den Einsatz seiner TPU-Prozessoren und fügt nun AMD als weiteren Partner zum Gesamtbild hinzu. Je mehr Quellen für Rechenleistung zur Verfügung stehen, desto größer sind die Flexibilität und Widerstandsfähigkeit der gesamten Infrastruktur.
AMD endlich im Rampenlicht
Für AMD ist diese Vereinbarung ein Meilenstein. Lisa Su, die Chefin von AMD, bezeichnete sie als eine der „transformativsten Vereinbarungen“ in der Geschichte des Unternehmens. Die AMD-Aktie stieg nach der Ankündigung um 7 %. Und das ist kein Wunder. AMD hatte im Oktober 2025 eine ähnliche Vereinbarung mit OpenAI geschlossen, bei der ebenfalls ein Bezugsrecht für 160 Millionen Aktien vorgesehen war. Damals begann man, AMD als tragfähige Alternative zu Nvidia zu betrachten. Die Vereinbarung mit Meta bestätigt dieses Bild und geht noch einen Schritt weiter.
Helios, das Rack-Scale-System von AMD, stellt die erste echte großformatige Konkurrenz zu den Nvidia-Grace-Blackwell-Systemen dar, nach denen seit 2024 eine enorme Nachfrage besteht. Und besonders interessant ist: Meta erhält maßgeschneiderte GPUs, die an seine Anforderungen angepasst sind. Der Analyst Bajarin weist darauf hin, dass wir so etwas bei Nvidia bislang nicht sehen. Gerade diese Flexibilität könnte AMD dabei helfen, weitere Großaufträge zu gewinnen.
Milliardeninvestitionen in KI
Meta plant, in diesem Jahr bis zu 135 Milliarden Dollar für Investitionen auszugeben. Das Unternehmen baut 30 Rechenzentren, von denen 26 in den USA entstehen werden. Und AMD steht im Zentrum all dessen. Die Zusammenarbeit umfasst die Abstimmung der Entwicklungspläne für Chips, Systeme und Software. Beide Unternehmen werden gemeinsam Hardware und Software entwickeln, damit diese exakt ineinandergreifen. ROCm-Software, EPYC-Prozessoren, Instinct-GPUs und die Helios-Architektur bilden zusammen ein Ökosystem, das Meta ermöglichen soll, schneller als alle anderen Innovationen voranzutreiben.
Man kann sagen, dass AMD auf das richtige Pferd gesetzt hat. Und Meta hat auf AMD gesetzt. Wer am Ende stärker davon profitieren wird? Das wird die Zeit zeigen.



