Hanneke Faber, CEO des Unternehmens Logitech, hat einen ungewöhnlichen Weg hinter sich. Ursprünglich stammt sie aus den Niederlanden, wo sie als Turnerin begann. Mit 11 Jahren wechselte sie zum Wasserspringen, weil sie mit einer Körpergröße von 175 cm nicht mehr die idealen Voraussetzungen fürs Turnen hatte. Mit 16 Jahren nahm sie an der Weltmeisterschaft teil und gelangte dank eines amerikanischen Trainers an die Universität Houston, wo sie einen Abschluss und sieben Titel erwarb. Heute sagt sie, dass sie durch die Sprünge vom 10-Meter-Turm eine Kombination aus Mut und Disziplin gelernt habe, die ihr im Geschäftsleben helfe – eine Präsentation vor dem Verwaltungsrat sei nichts im Vergleich zu einem Sprung mit einem doppelten Rückwärtssalto.
Logitech hat Faber zufolge ein klares Ziel: das menschliche Potenzial bei der Arbeit und in der Freizeit zu erweitern. Das Unternehmen begann mit der Computermaus, die "das Haus gebaut hat", und ist heute der weltweit größte Hersteller von Computermäusen. Ein Drittel des Geschäfts entfällt auf Gaming, ein weiterer Teil auf Videokonferenzen, bei denen Logitech weltweit führend ist. Die Produkte werden mit großem Augenmerk auf Design entwickelt, das Team umfasst 300 Designer, und sie stecken voller Software und künstlicher Intelligenz (KI). Faber betont, dass Hardware im KI-Zeitalter wieder "sexy" sei, denn KI brauche Augen, Ohren und Hände – Kameras, Headsets, Mäuse und Tastaturen, die Daten erfassen, um besser zu funktionieren.
Produktentwicklung bei Logitech
Die Designer von Logitech konzentrieren sich auf die Nutzer. Im Gaming-Bereich arbeiten sie mit mehr als 300 professionellen Spielern und 40 Teams zusammen. Kürzlich brachten sie die Maus Super Strike auf den Markt, die gemeinsam mit Profis entwickelt wurde und Haptik – Vibrationen für ein besseres Gefühl – sowie induktive analoge Schalter anstelle herkömmlicher Schalter verwendet. Spieler sagen, sie sei fast wie Schummeln, weil sie schnelleres Schießen ermögliche. Ein weiteres Beispiel stammt aus der Corona-Zeit: Man stellte fest, dass Männer häufig das heimische Arbeitszimmer bekamen, während Frauen am Küchentisch arbeiteten, was zu Schulterschmerzen führte. Deshalb entwickelten sie den Casa Pop-Up Desk – eine ergonomische Tastatur und Maus, die sich wie ein Buch zusammenklappen lassen, gut aussehen und zugleich die Gesundheit schützen.
Faber spricht über Technologiemüdigkeit – viele Menschen, sie selbst eingeschlossen, sind der ständig neuen Technologien überdrüssig. Deshalb entwickelt Logitech Produkte, bei denen die Technologie nicht zur Last fällt. Ein Beispiel ist das Solar Keyboard, eine kabellose Tastatur, die durch Licht aufgeladen wird und vier Monate lang im Dunkeln funktioniert. Man muss sie nicht aufladen, sondern lediglich in einen Raum stellen. Das ist Faber zufolge das Ideal: Technologie, die man nicht wahrnimmt, die aber hilft.
KI bei Logitech
KI ist für Logitech von strategischer Bedeutung. Faber erklärt, dass KI das menschliche Gehirn erweitert, dafür aber Eingaben benötigt – Daten aus Logitech-Produkten. Die neue Site-Kamera für Videokonferenzen verhält sich wie der Regisseur Steven Spielberg: Man stellt sie auf den Tisch, und dank KI zoomt sie auf die sprechende Person, zeigt zwei Menschen nebeneinander und ignoriert das Tippen auf der Tastatur oder das Öffnen einer Chipstüte.
Seit Januar wurden innerhalb des Unternehmens mehr als 1000 KI-Agenten entwickelt. Die meisten sind unspektakulär, helfen aber im Kundenservice, Marketing und bei der Programmierung. Etwa 200 sind nutzlos, 800 bringen kleine Produktivitätssteigerungen, und einige wenige sind echte Volltreffer. Das ermöglicht Wachstum, ohne die Zahl der Beschäftigten zu erhöhen. Faber sagt, dass KI Produkte intelligenter mache, etwa Headsets mit beidseitiger Geräuschunterdrückung.
Gaming als großes Geschäft
Gaming ist riesig – zwei Drittel der Amerikaner spielen, darunter fast 50 % Frauen und 50 % Männer. Menschen verbringen mehr Zeit mit Spielen als mit Filmen und Fernsehen zusammen. China ist der größte Markt. Logitech konzentriert sich auf Simulationen, vor allem Rennsimulationen, mit Produkten wie Lenkrädern für die Formel 1 oder NASCAR. Das Unternehmen arbeitet mit McLaren zusammen, das in der Formel 1 gewinnt. Die Zielgruppe sind "Kidults" – Eltern, die beim Spielen Zeit mit ihren Kindern verbringen möchten, ähnlich wie bei einer neuen Version eines Brettspiels.
Faber kam aus der Konsumgüterbranche – von Procter & Gamble (P&G) und Unilever, wo sie Eiscreme und Mayonnaise verkaufte. Von P&G nahm sie die Erkenntnis mit, dass der Verbraucher der Chef ist, und wendet sie nun bei Logitech an. Vor zwei Jahren wechselte sie in die Technologiebranche und schätzt, dass Logitech sowohl im Silicon Valley als auch in der Schweiz ansässig ist – eine Kombination aus Innovation und Präzision.
Unternehmenswachstum
Logitech wächst in drei Säulen: Videokonferenzen (ein Drittel des Geschäfts), persönliche Arbeitsplätze (Mäuse, Tastaturen, Webcams) und Gaming. Nach der Corona-Pandemie kam es zu einem Rückgang, doch inzwischen wächst das Unternehmen wieder. Faber änderte die Strategie – statt auf mehrere Marken konzentriert man sich auf Logitech, das weltweit bekannt ist, von Shanghai bis Kasachstan. Eine Neuheit ist der Spot-Sensor für Büros, der Temperatur, CO2 und Belegung misst – er wurde mit der Auszeichnung Time Invention of the Year geehrt.
Werte sind von zentraler Bedeutung: Gleichberechtigung und Umweltschutz stehen seit 44 Jahren an erster Stelle. Das zieht Beschäftigte an, insbesondere im vergangenen Jahr. Faber will die Größe des Unternehmens verdoppeln, mit Risiken und großen Ideen, aber stets mit Rücksicht auf die Menschen. Sie besteht auf Vielfalt – ein globales Unternehmen in 150 Ländern benötigt unterschiedliche Teams in Bezug auf Nationalität, ethnische Herkunft und Geschlecht.
Faber spricht von einer "Forever Mouse" – nicht im wörtlichen Sinne für die Ewigkeit, sondern langlebig und reparierbar. Das Unternehmen arbeitet bei Ersatzteilen mit iFixit zusammen, was junge Verbraucher wie die Generation Z zu schätzen wissen. Nach 10 Jahren kann man die Maus reparieren und ihr ein neues Leben geben.
Im Gespräch mit Diane Brady und Kristin Stoller vom Podcast Leadership Next betont Faber, dass Hardware dann am besten sei, wenn man sie nicht wahrnehme. So hilft Logitech den Menschen, produktiver zu sein, sich leichter zu vernetzen und besser zu spielen – ohne unnötige Sorgen.



