Das belgische Spielestudio Larian Studios, bekannt durch das erfolgreiche Spiel Baldur's Gate 3, stand kürzlich aufgrund einer Debatte über generative künstliche Intelligenz im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Alles begann, als CEO und Mitgründer Swen Vincke in einem Interview mit Bloomberg erwähnte, dass das Team bei der Entwicklung des neuen Spiels Divinity mit KI-Tools experimentiere. Viele verstanden dies so, dass KI Künstler ersetzen würde, was eine große Welle der Kritik von Spielern, Entwicklern und ehemaligen Mitarbeitern des Studios auslöste. Nun hat Larian in einem AMA auf Reddit alles klargestellt, in dem Swen Vincke und weitere Teammitglieder die Fragen der Fans beantworteten.
Was sagte Swen Vincke über KI?
Swen Vincke erklärte im Reddit-AMA unmissverständlich, dass im neuen Spiel Divinity keine generative KI für Konzeptzeichnungen eingesetzt wird. Konkret schrieb er: „In Divinity wird es keine mit generativer KI erstellte Kunst geben.“ Er fügte hinzu, dass das Studio verstehe, warum die Menschen seine früheren Aussagen gegenüber Bloomberg missverstanden hätten, in denen er über Experimente mit KI zur Erkundung von Ideen, zur Ausarbeitung von PowerPoint-Präsentationen, zur Entwicklung von Konzeptzeichnungen und zum Verfassen von Platzhaltertexten gesprochen hatte. Nun hat das Studio jedoch beschlossen, generative KI-Tools vollständig aus dem Prozess zur Erstellung von Konzeptzeichnungen zu entfernen, damit keinerlei Zweifel an der Herkunft der Kunstwerke bestehen. Vincke betonte, dass bislang keine Konzeptzeichnungen mithilfe von KI erstellt worden seien, das Studio dies der Klarheit halber nun aber strikt handhabe.
Gleichzeitig räumte er ein, dass das Studio weiterhin plant, KI intern einzusetzen, um das Testen von Ideen zu beschleunigen – je mehr Iterationen, desto besser das Gameplay. Ziel ist ein fokussierterer Entwicklungszyklus mit weniger Verschwendung und einer höheren Qualität des Spiels.
Was das Team zu Texten und zum Schreiben sagt
Nicht nur die Kunst, sondern auch das Schreiben war ein Thema. Writing Director Adam Smith erklärte im AMA, dass in Divinity keine generative KI für Texte wie Dialoge, Tagebucheinträge oder andere schriftliche Inhalte eingesetzt werde. Er sagte, dass eine kleine Gruppe mit Tools zur Textgenerierung experimentiert habe, die Ergebnisse jedoch bestenfalls auf einem Niveau von 3/10 gelegen hätten. Er verglich sie mit seinen eigenen ersten Entwürfen, die immerhin 4/10 erreichten, und betonte, dass die Zahl der erforderlichen Iterationen, um die gewünschte Qualität zu erzielen, enorm sei. KI werde daher lediglich zu Forschungszwecken und nicht für die eigentliche Entwicklung eingesetzt, da die Qualität im Vergleich zu den menschlichen Standards von Larian zu niedrig sei.
Swen Vincke ließ die Tür für einen künftigen Einsatz von KI offen, allerdings unter bestimmten Bedingungen. Sollte das Studio ein generatives KI-Modell zur Erstellung von In-Game-Assets verwenden, werde es ausschließlich mit Daten trainiert, die dem Studio selbst gehören. Wichtig sei, dass keine kreativen Assets generiert würden, ohne hundertprozentige Gewissheit über die Herkunft der Trainingsdaten und die Zustimmung ihrer Urheber zu haben. Vincke fasste es so zusammen: „Wichtig ist, dass wir keine ‚kreativen Assets‘ generieren werden, die im Spiel landen, ohne hundertprozentige Gewissheit über die Herkunft der Trainingsdaten und die Zustimmung derjenigen zu haben, die diese Daten erstellt haben.“ Das bedeutet, dass Larian ethisch handeln und die ursprünglichen Werke schützen möchte.
Baldur's Gate 3 wurde mehr als 20 Millionen Mal verkauft, und Larian kündigte kürzlich bei den The Game Awards 2025 einen neuen Teil der Divinity-Reihe an. Damit reagiert das Studio auf die Bedenken der Community und versucht, das Vertrauen der Spieler zu bewahren, die handgefertigte Spielkunst schätzen.
Quelle: theverge.com



