Sie drehen einen Film oder Werbespot, können sich aber keine teuren Schauspieler leisten? Das KI-Talentstudio Xicoia hat die Lösung! Sie können nämlich eine digitale, superrealistische Berühmtheit engagieren, die alles nach Drehbuch macht. Die erste von ihnen ist Tilly Norwood, die bereits jetzt für großes Aufsehen gesorgt hat.
Xicoia: Talentstudio für KI-Prominente
Hinter dem Projekt Xicoia steht Eline Van Der Velden, eine 39-jährige Schauspielerin, Produzentin und Gründerin des Unternehmens Particle6. Sie hat nun beschlossen, herauszufinden, wie die Welt des Showbusiness aussehen würde, wenn darin von künstlicher Intelligenz erschaffene Persönlichkeiten auftreten würden. Ihr neues KI-Talentstudio stellte sie beim jüngsten Filmfestival in Zürich vor.
Laut Eline Van Der Velden sollen die mit der Technologie DeepFame erschaffenen und vom Studio Xicoia betreuten KI-Prominenten nicht nur realistisch aussehen, sondern auch sprechen, spontan auf Fans reagieren und ihre Persönlichkeit weiterentwickeln.
Ziel dieses Projekts ist es, Schauspieler anzubieten, die nicht altern und keine steigenden Gagenforderungen stellen, wodurch Produktionen Geld sparen. Darüber hinaus können sie ein breites Medienspektrum abdecken – vom Film über Werbung bis hin zu sozialen Netzwerken.
Die erste KI-Berühmtheit Tilly Norwood
Das erste Gesicht des neuen Projekts ist die KI-Persönlichkeit Tilly Norwood, die vollständig mithilfe künstlicher Intelligenz erschaffen wurde. Abgesehen vom Comedy-Sketch AI Commissioner war sie zwar bislang an keinen größeren kommerziellen Projekten beteiligt, in den sozialen Netzwerken hat sie jedoch bereits Zehntausende Fans. Der Clip selbst wurde bereits fast eine halbe Million Mal angesehen.
Das Unternehmen plant zudem, sein Portfolio langfristig um bis zu 40 weitere KI-Figuren zu erweitern. Auf diese Weise will es ein komplexes Universum von KI-Persönlichkeiten schaffen, die Produktionen jederzeit zur Verfügung stehen.

Heftige Reaktionen aus Hollywood
Die Vorstellung des KI-Talentstudios und der Schauspielerin Tilly Norwood sorgte sofort für heftige Reaktionen. Die große Schauspielergewerkschaft SAG-AFTRA verurteilte ihre Existenz umgehend. Das Hauptargument lautete, dass es sich bei ihr nicht um eine echte Schauspielerin handle und all ihre Fähigkeiten auf Trainingsdaten, also auf dem Verhalten und Auftreten echter Schauspieler, beruhten. Die Gewerkschaft hält es daher für unmoralisch, eine Rolle mit einer KI-Figur statt mit echten Menschen zu besetzen, deren Darbietungen für das Training verwendet wurden. Ihrer Ansicht nach sollte die Schauspielkunst auch weiterhin echten Menschen vorbehalten bleiben.
Auch Schauspielerinnen wie Emily Blunt oder Whoopi Goldberg äußerten sich zu der Angelegenheit. Ihnen zufolge ist das neue Projekt beängstigend, und das Publikum werde niemals eine ebenso tiefe emotionale Beziehung zu einer digitalen Figur aufbauen können wie zu einem echten Menschen. Technologische Communitys hingegen bewundern das gesamte Projekt und sehen darin eine Chance, die Grenzen der visuellen Kunst zu erweitern.
KI-Persönlichkeiten als Zukunft der Filmindustrie?
Einige Menschen halten den Film AI Commissioner für eine bemerkenswerte Leistung, andere sind skeptisch, ob Studios tatsächlich Interesse an KI-Avataren haben werden. Derzeit sind ihre Darbietungen zwar technisch beeindruckend, ihr schauspielerischer Ausdruck ist jedoch nicht völlig glaubwürdig, und die unnatürlichen Gesichtsbewegungen tragen zum sogenannten „Uncanny-Valley“-Effekt bei.
Ob Tilly Norwood und andere KI-Schauspieler zu einer gängigen Wahl für Filmstudios werden und Millionen Fans in den sozialen Netzwerken gewinnen, lässt sich bislang nicht abschätzen. Sicher ist jedoch, dass eine völlig neue Debatte begonnen hat, die mit der Zeit an Intensität gewinnen wird. KI-Stars könnten nämlich nicht nur neben echten Schauspielern, Moderatoren und Influencern stehen, sondern möglicherweise sogar mit ihnen um die Aufmerksamkeit von Studios und Öffentlichkeit konkurrieren. Ob wir uns auf eine Ära synthetischer Prominenter zubewegen, werden jedoch erst die Zeit und weitere technologische Fortschritte zeigen.
Quelle: Deadline, The Guardian, The Verge, IBC, Vanity Fair



