KI-Unternehmen dürfen mit legal erworbenen Büchern trainieren, Piraterie ist verboten, entscheidet US-Gericht
Ein US-Bundesgericht in Kalifornien hat eine wichtige Entscheidung im Fall der Schriftsteller Andrea Bartz, Charles Graeber und Kirk Wallace Johnson gegen das Unternehmen Anthropic gefällt. Der Richter entschied, dass das Training künstlicher Intelligenz mit legal erworbenen Büchern unter das Konzept der angemessenen Nutzung (Fair Use) fällt, wies jedoch zugleich jegliche Rechtfertigung für die Millionen Raubkopien in der digitalen Bibliothek des Unternehmens zurück.
Spektakulär transformative Nutzung
Der Richter bezeichnete das KI-Training als einen „spektakulär“ transformativen Prozess. Der Entscheidung zufolge lässt sich das Sprachmodell Claude mit angehenden Schriftstellern vergleichen, die von etablierten Autoren lernen, ohne sie zu kopieren. Dieser Vergleich war ausschlaggebend für die Entscheidung, die Nutzung legal erworbener Bücher zuzulassen. Die Autoren konnten in ihrer Klage nicht nachweisen, dass Claude in der Lage wäre, Ergebnisse zu erzeugen, die ihren ursprünglichen Werken ähneln. Diese Tatsache schwächte ihre Hauptargumente hinsichtlich eines durch das KI-System verursachten Wettbewerbsnachteils erheblich.
Millionen für legale Bücher gegenüber Downloads von Raubkopien
Die Gerichtsakten enthüllten, dass Anthropic rechtmäßig „viele Millionen“ für den Kauf gedruckter Bücher ausgegeben hatte. Diese Bücher wurden anschließend zur Verwendung beim Training künstlicher Intelligenz in digitale Dateien eingescannt. Das Gericht erachtete diesen Vorgang als legitim. Andererseits lud das Unternehmen auch Millionen Bücher von Piraterie-Websites herunter und speicherte sie dauerhaft in seiner zentralen Bibliothek. Ziel war es, eine Bibliothek mit „allen Büchern der Welt“ zu schaffen und sie „für immer“ aufzubewahren. Dieses Vorgehen stufte das Gericht als Verletzung der Urheberrechte der Autoren ein.
Fortsetzung des Verfahrens und Folgen
Anthropic muss sich im Dezember wegen vorsätzlicher Urheberrechtsverletzungen bei den raubkopierten Werken vor Gericht verantworten. Der potenzielle Schadensersatz könnte bis zu 150.000 Dollar pro Buch betragen, was für das Unternehmen ein erhebliches finanzielles Risiko darstellt.
Diese Entscheidung gibt KI-Laboren grünes Licht für das Training mit legal erworbenen Daten. Sie könnte zu einem der ersten Präzedenzfälle für unzählige Verfahren werden, die derzeit gegen Technologieunternehmen geführt werden. Angesichts der mangelnden Klarheit darüber, wie viel urheberrechtlich geschütztes Material in die Trainingsdaten gelangt, handelt es sich lediglich um eine Schlacht in einem offenbar sehr langen Rechtskrieg zwischen KI-Unternehmen und Urheberrechtsinhabern.



