In einer ruhigen Wohnstraße unweit der Stanford University in Palo Alto, Kalifornien, entsteht etwas Großes. Zwei ehemalige Google-Forscherinnen, Anna Goldie und Azalia Mirhoseini, gründen das Startup Ricursive Intelligence. Ihr Ziel ist klar: Sie wollen Software entwickeln, die das Design moderner Chips automatisiert. Das könnte bedeuten, dass jedes Unternehmen seine eigenen Chips von Grund auf entwickeln kann – schneller und kostengünstiger als je zuvor.
Anna Goldie und Azalia Mirhoseini, die zugleich Informatikprofessorin an der Stanford University ist, haben 728 Millionen CZK (35 Millionen USD) für den Aufbau des Unternehmens eingesammelt. Das Geld stammt von Investoren wie Sequoia Capital und Striker Venture Partners. Dadurch wird Ricursive Intelligence nun mit 15,6 Milliarden CZK (750 Millionen USD) bewertet. Ihr erstes Produkt wollen sie im kommenden Jahr auf den Markt bringen.
Anspruchsvolles Chipdesign
Heute ist die Entwicklung eines eigenen Chips eine anspruchsvolle Angelegenheit. Unternehmen wie Amazon oder Google entwickeln maßgeschneiderte Chips für künstliche Intelligenz und Rechenzentren. Apple wiederum hat Milliarden Dollar eingespart, indem es die Chips der M-Serie für seine MacBooks selbst entwickelte. Diese Chips sind günstiger, energieeffizienter und kleiner, da sie auf konkrete Aufgaben zugeschnitten sind.
Doch der Prozess ist teuer und erfolgt manuell. Er umfasst alles vom Entwurf der Architektur über Tests bis hin zur Vorbereitung auf die Massenproduktion. Das Ganze dauert normalerweise zwei bis drei Jahre. Wird ein Designfehler erst am Ende entdeckt, führt dies zu erheblichen Verzögerungen und Kosten, von denen man sich nur schwer erholen kann.
Goldie und Mirhoseini sind überzeugt, dass ihre Software all dies automatisieren wird. Statt Jahren könnte das Design eines Chips nur noch Wochen oder sogar Tage dauern. Dies würde maßgeschneiderten Spezialchips in vielen Unternehmen zum Durchbruch verhelfen. „Wir glauben, dass es einen Boom bei maßgeschneiderten Chips geben wird“, sagte Anna Goldie.
Bei Ricursive arbeiten derzeit fünf Forscher und Ingenieure in einem gewöhnlichen Haus in Palo Alto. Sie sitzen vor großen Bildschirmen, analysieren wissenschaftliche Artikel und gehen Codezeile für Codezeile durch. Zwei von ihnen arbeiteten gemeinsam mit Goldie und Mirhoseini bei Google an der Software AlphaChip, die Chip-Layouts für Google entwickelte, darunter TPU-Chips für künstliche Intelligenz.
Startups, die von ehemaligen Führungskräften großer KI-Labore gegründet werden, stoßen auf enormes Interesse. Beispiele dafür sind Periodic Labs von Liam Fedus, der zuvor bei OpenAI tätig war, oder Reflection von ehemaligen Forschern bei Google DeepMind. Mehr als 50 Investoren haben Ricursive Intelligence kontaktiert. Ziel ist es, diese Welt für Menschen zu öffnen, die Chips exakt für ihre eigenen Anforderungen entwickeln können.
Quelle: wsj.com



