Anthropic, ein auf künstliche Intelligenz (KI) spezialisiertes Start-up, das den Chatbot Claude betreibt, bereitet sich Berichten zufolge auf einen Börsengang vor. Dieser Schritt könnte bereits Anfang 2026 erfolgen. Das von Dario Amodei geleitete Unternehmen hat die Anwaltskanzlei Wilson Sonsini mit den Vorbereitungen beauftragt. Wilson Sonsini verfügt über Erfahrung mit großen Technologie-Börsengängen, etwa von Google, LinkedIn oder Lyft. Anthropic betont jedoch, dass noch nicht entschieden wurde, wann oder ob das Unternehmen überhaupt an die Börse gehen wird.
Nach Informationen der Financial Times, auf die sich weitere Quellen berufen, spricht Anthropic mit großen Investmentbanken über einen möglichen Börsengang (IPO). Diese Gespräche befinden sich jedoch noch in einem frühen Stadium und sind informell, sodass das Unternehmen noch keine Konsortialbanken für den Börsengang ausgewählt hat. Ziel könnte es sein, effizienter Kapital zu beschaffen und sich durch börsennotierte Aktien eine bessere Ausgangsposition für große Übernahmen zu verschaffen.
Große Wachstumspläne
Anthropic erwartet ein deutliches Wachstum. Schätzungen zufolge soll das Unternehmen im Jahr 2026 seinen annualisierten Umsatz nahezu verdreifachen und auf rund 26 Milliarden Dollar steigern, was umgerechnet etwa 585 Milliarden CZK entspricht. Das wäre ein enormer Sprung gegenüber dem heutigen Stand. Das Unternehmen hat bereits mehr als 300.000 Geschäfts- und Unternehmenskunden, was ihm eine starke Position auf dem KI-Markt verschafft.
Derzeit verhandelt Anthropic über eine private Finanzierungsrunde, die das Unternehmen mit mehr als 300 Milliarden Dollar, also etwa 6,75 Billionen CZK, bewerten könnte. Vor Kurzem erhielt das Unternehmen Investitionen von Microsoft und Nvidia in Höhe von bis zu 15 Milliarden Dollar und verpflichtete sich im Gegenzug, 30 Milliarden Dollar für die Cloud-Dienste von Microsoft Azure auszugeben. All dies knüpft an seine jüngste Bewertung von 183 Milliarden Dollar an, was mehr als 4 Billionen CZK entspricht.
Wettlauf mit dem Rivalen OpenAI
Anthropic ist mit seinen Börsenplänen nicht allein. Sein wichtigster Rivale, OpenAI, das Unternehmen hinter dem Chatbot ChatGPT, das von Microsoft unterstützt wird, bereitet ebenfalls einen eigenen Börsengang vor. Dabei könnte eine Bewertung von bis zu 1 Billion Dollar erreicht werden, was etwa 22,5 Billionen CZK entspricht. OpenAI könnte bereits in der zweiten Jahreshälfte 2026 einen Antrag bei den Aufsichtsbehörden einreichen, doch Finanzchefin Sarah Friar sagte kürzlich, dass ein solcher Antrag nicht zu den unmittelbaren Plänen des Unternehmens gehöre.
Beide Unternehmen sind in der schnell wachsenden KI-Branche tätig, in der das Interesse der Investoren aufgrund der steigenden Technologieausgaben von Unternehmen zunimmt. Anthropic wurde 2021 von ehemaligen OpenAI-Mitarbeitern gegründet und wächst schnell. So stellte das Unternehmen kürzlich Krishna Rao ein, einen ehemaligen Airbnb-Manager, der 2020 am Börsengang des Unternehmens mitgewirkt hatte. Anthropic kündigte außerdem den Bau von Rechenzentren in Texas und New York für 50 Milliarden Dollar (etwa 1,125 Billionen CZK) sowie eine Verdreifachung seiner internationalen Belegschaft an.
Anthropic konzentriert sich auf sichere und ethische KI, wodurch sich das Unternehmen von der Konkurrenz abhebt. Sein Chatbot Claude ist bei Unternehmen beliebt, die nach einer Alternative zu ChatGPT suchen. Berichten zufolge könnte ein Börsengang Anthropic dabei helfen, gegenüber OpenAI „die Initiative zu ergreifen“, da Investoren vom Potenzial des Unternehmens begeistert sind. Dennoch bleiben Sorgen vor einer „Blase“ im KI-Sektor bestehen, in dem Unternehmen trotz hoher Bewertungen häufig Verluste ausweisen.
Quellen: reuters.com und cnbc.com



