In Nevada entstand ein mit Batterien aus Elektrofahrzeugen betriebenes KI-Rechenzentrum
Das Unternehmen Redwood Materials, das vom ehemaligen Tesla-Mitbegründer JB Straubel mitgegründet wurde, hat gerade ein bahnbrechendes Projekt in Nevada in Betrieb genommen. Sein neues KI-Rechenzentrum nutzt gebrauchte Batterien aus Elektrofahrzeugen und Solarenergie zur Versorgung des Rechenbetriebs – und es handelt sich um das weltweit größte Projekt dieser Art.
Was sind EV-Batterien?
EV-Batterien, also Batterien für Elektrofahrzeuge (Electric Vehicle Batteries), sind Lithium-Ionen-Akkumulatoren, die Elektrofahrzeuge antreiben. Wenn diese Batterien die hohen Anforderungen der Automobilindustrie nicht mehr erfüllen – üblicherweise, wenn ihre Kapazität unter 80 % des ursprünglichen Wertes sinkt –, behalten sie dennoch einen erheblichen Teil ihrer Fähigkeit zur Energiespeicherung. Genau hier kommt das Konzept des „zweiten Lebens“ von Batterien ins Spiel. Statt sofort recycelt zu werden, werden diese Batterien in stationäre Energiespeicher umgewandelt, bei denen die Leistungsanforderungen deutlich geringer sind als in einem Fahrzeug. So kann eine Batterie noch weitere Jahre genutzt werden, bevor sie tatsächlich das Ende ihrer Lebensdauer erreicht.

Wie das Rechenzentrum in Nevada funktioniert
Das neue Rechenzentrum in Nevada stellt eine beeindruckende technologische Lösung dar. Das System verfügt über eine Leistung von 12 MW und kann mithilfe wiederaufbereiteter EV-Batterien 63 MWh Energie speichern. Dieses System versorgt ein mit 2000 Grafikprozessoren (GPUs) ausgestattetes Rechenzentrum, das von Crusoe betrieben wird, einem auf KI-Infrastruktur spezialisierten Unternehmen. Das gesamte System funktioniert folgendermaßen: Eine Solaranlage in der Nähe des Rechenzentrums erzeugt tagsüber saubere Energie. Diese Energie wird im System aus gebrauchten EV-Batterien gespeichert, die anschließend das Rechenzentrum kontinuierlich mit Strom versorgen. Dadurch kann die Anlage nahezu unabhängig vom herkömmlichen Stromnetz arbeiten und ihre Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen minimieren.
Außergewöhnliche Eckdaten des Projekts
Dieses Projekt stellt gleich mehrere bedeutende Rekorde auf. Es handelt sich um den weltweit größten Einsatz von Second-Life-Batterien und zugleich um das größte netzunabhängige Rechenzentrum Nordamerikas. Redwood Materials hat bereits mehr als 1 GWh an Batterien gesammelt, die für ähnliche Projekte bereitstehen, wobei sich diese Menge in naher Zukunft voraussichtlich vervierfachen wird. Das Unternehmen verfügt über ein umfangreiches Logistiknetzwerk, durch das es mehr als 70 % aller gebrauchten Batteriesysteme in Nordamerika sammelt. Man kann es sich wie eine „große Batterie“ vorstellen, die aus vielen kleineren Batterien besteht. Dadurch kann Redwood Materials genügend Material für den Ausbau ähnlicher Projekte beschaffen.

Wirtschaftliche und ökologische Vorteile
Das Projekt bietet auf mehreren Ebenen erhebliche Vorteile. Aus wirtschaftlicher Sicht ist die Nutzung vorhandener Batterien deutlich günstiger als die Installation neuer Lithium-Ionen-Systeme. Redwood Materials profitiert von einem integrierten Prozess, der von der Sammlung bis zum Recycling reicht und dadurch die Gesamtkosten senkt. Die ökologischen Auswirkungen sind noch bedeutsamer. Das System kommt vollständig ohne fossile Brennstoffe aus und bietet eine saubere Alternative zu konventionellen Energiequellen für Rechenzentren. Wenn die Batterien tatsächlich das Ende ihrer Lebensdauer erreichen, recycelt Redwood sie und gewinnt daraus wertvolle Mineralien für die Herstellung neuer Batterien. So entsteht ein geschlossener Kreislauf, der Abfälle minimiert.
Eine Antwort auf den wachsenden Energiebedarf der KI
Der Zeitpunkt dieses Projekts ist kein Zufall. KI-Rechenzentren gehören zu den am schnellsten wachsenden Kategorien des Stromverbrauchs. Schätzungen zufolge könnten sie bis 2028 bis zu 12 % des gesamten Stroms in den Vereinigten Staaten verbrauchen. Das Modell von Redwood bietet eine skalierbare und nachhaltige Lösung zur Energieversorgung der digitalen Infrastruktur der Zukunft. Gründer JB Straubel sieht in diesem Ansatz enormes Potenzial und erwartet, dass künftige Projekte zehnmal größer sein werden als dieser erste Versuch. Die Kombination aus erneuerbaren Energiequellen und Second-Life-Batterien könnte somit als Vorbild für künftige Rechenzentren weltweit dienen.



