Jeff Bezos trat in einem Live-Interview mit CNBC auf und sprach erstmals öffentlich über gleich zwei Themen: den Wettlauf der Technologieunternehmen um Rechenzentren im Weltraum und sein bislang geheimnisumwittertes Startup Prometheus. Bezos stellte nicht infrage, dass eines Tages Rechenzentren im Orbit entstehen werden. Er dämpfte lediglich das Tempo, von dem andere sprechen.
Elon Musk erklärte Anfang des Jahres auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, dass orbitale Rechenzentren in zwei, höchstens drei Jahren betriebsbereit sein würden. Auch Sundar Pichai von Google treibt die Weltrauminfrastruktur voran.
Beim Ziel ist sich Bezos mit ihnen einig. Rechenzentren im Weltraum seien seiner Ansicht nach sinnvoll. Dort scheint die Sonne ununterbrochen, es gibt keine Wolken, kein Wetter und keine Kühlungsprobleme, die Technologieunternehmen auf der Erde zunehmend beschäftigen. „Diese riesigen KI-Trainingscluster werden im Weltraum besser aufgehoben sein“, sagte Bezos im vergangenen Herbst in Turin. Beim Zeitrahmen gehen die Meinungen jedoch auseinander. „Einige der Zeitschätzungen, die wir hören, sind sehr knapp bemessen. Die Leute sprechen von zwei oder drei Jahren. Das ist wohl etwas zu ambitioniert“, sagte Bezos im Gespräch mit CNBC.
Was den Weg in den Orbit bremst
Bezos nannte zwei konkrete Hindernisse. Das erste sind Chips. Moderne Chips für künstliche Intelligenz sind außerordentlich teuer und verbrauchen enorme Mengen an Energie. Solange ihr Preis nicht sinkt, bleibt in den Unternehmensbudgets kein Spielraum für die mit dem Betrieb im Weltraum verbundenen Kosten. Das zweite Hindernis sind die Startkosten. Trotz wiederverwendbarer Raketen bleiben die Kosten für den Transport von Hardware in den Orbit enorm.
Dabei geht es nicht nur um die Technik. Technologieunternehmen wie Google, Microsoft, Meta oder Amazon selbst sehen sich einem wachsenden Druck auf die Stromnetze und Wasservorräte ausgesetzt, die sie zur Kühlung ihrer Rechenzentren benötigen. Alle vier Unternehmen haben bereits eine Vereinbarung mit dem Weißen Haus über die Finanzierung ihrer eigenen Stromerzeugung unterzeichnet. Gleichzeitig schließen sie Verträge über Kernenergie ab. Unter den richtigen Bedingungen erscheint der Orbit daher als der richtige Weg.
Bezos und seine Projekte
Während Bezos nach außen hin die Erwartungen dämpft, unternimmt Blue Origin bereits die notwendigen Schritte. Das Unternehmen reichte im März bei der US-amerikanischen Federal Communications Commission einen Antrag mit dem Plan ein, 51.600 Satelliten mit Rechenzentren in eine niedrige Erdumlaufbahn zu bringen. Das Projekt erhielt den Namen Project Sunrise. Die Satelliten sollen als Teil des Kommunikationsnetzes TeraWave fungieren. Blue Origin beantragte die Genehmigung, im vierten Quartal 2027 mit dem Aufbau des TeraWave-Netzes zu beginnen.
Bezos verfolgt zudem weitere Ambitionen. Er arbeitet mit der NASA an einer Mondbasis zusammen, und die dortigen Pläne umfassen die Herstellung von Solarzellen direkt aus Mondgestein.
Parallel zu dem Gespräch über den Weltraum sprach Bezos erstmals öffentlich über sein bislang geheimes Startup Prometheus. Moderator Andrew Ross Sorkin beschrieb es im Gespräch als ein auf „KI-Robotik“ ausgerichtetes Projekt, woraufhin Bezos ihn unterbrach. „Es ist noch etwas verfrüht, darüber zu sprechen, aber wir haben nichts mit Robotik zu tun“, sagte er.
Was macht Prometheus also? Bezos beschrieb es als ein Projekt, das einen „künstlichen Generalingenieur“ entwickelt, also Werkzeuge für die Konstruktion physischer Objekte der nächsten Generation. Diese Werkzeuge würden seiner Ansicht nach „Unternehmen wie Blue eine enorme Hilfe sein“, wie er Blue Origin nannte. Zugleich betonte er jedoch, dass Prometheus als eigenständige große Idee eigene Aufmerksamkeit verdiene und nicht als Teil von Amazon oder Blue Origin betrachtet werden sollte.
Das Startup wurde im November gegründet. Bezos gründete es gemeinsam mit Vikram Bajaj, einem ehemaligen Manager von Google X. Prometheus startete mit einer Anfangsfinanzierung von 6,2 Milliarden Dollar. Im April berichtete Bloomberg, dass das Unternehmen eine weitere Finanzierungsrunde über 10 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von 38 Milliarden Dollar abgeschlossen habe. Zu den Investoren gehören JPMorgan und BlackRock. Damit überstieg das insgesamt eingeworbene Kapital weniger als sechs Monate nach der Gründung 16 Milliarden Dollar. Das Prometheus-Team besteht aus mehr als 120 Mitarbeitern, die von OpenAI, xAI, DeepMind, Meta und Nvidia abgeworben wurden. Das Unternehmen hat seinen Sitz in San Francisco und Niederlassungen in London und Zürich.
Bezos erwähnte außerdem, dass er Blue Origin bislang ausschließlich aus eigener Tasche finanziert habe, hauptsächlich durch den Verkauf eines Teils seiner Amazon-Aktien. Das will er nun ändern. „Endlich haben wir einen ausreichend klaren Überblick über unsere Zukunft“, sagte er. „Es ist ein guter Zeitpunkt, um über die Zukunft nachzudenken.“
Das Unternehmen hat nämlich eine schwierige Phase durchlaufen. Die Rakete New Glenn brachte Anfang des Jahres einen Kommunikationssatelliten in eine falsche Umlaufbahn, die Nutzlast wurde zerstört, und die Zuverlässigkeit der Rakete ist mit Fragezeichen behaftet, insbesondere im Hinblick auf ihre geplante Rolle im NASA-Mondprogramm Artemis.



