Das chinesische Unternehmen Xpeng, das für die Herstellung von Elektrofahrzeugen bekannt ist, stellte am 5. November 2025 auf dem AI Day in Guangzhou seinen neuen humanoiden Roboter namens Iron vor. Dieser Roboter erregte durch seine extrem flüssigen und natürlichen Bewegungen Aufmerksamkeit, die so realistisch wirkten, dass Vertreter des Unternehmens den Roboter auf der Bühne aufschneiden mussten, um zu beweisen, dass sich darin kein Mensch versteckte. Iron bewegt sich mit der Anmut eines Models auf dem Laufsteg, beugt sich, gestikuliert und tanzt sogar, was unter den Zuschauern Debatten darüber auslöste, ob es sich wirklich um eine Maschine oder um einen verkleideten Schauspieler handelt.
Der Roboter Iron ist so konzipiert, dass er einem Menschen möglichst ähnlich sieht, wobei verschiedene Körperformen, Geschlechter und sogar Frisuren gewählt werden können. Sein Aussehen ist leicht beunruhigend, wie der CEO von Xpeng selbst einräumte, da es sich der Grenze des sogenannten Uncanny Valley nähert, in dem Maschinen Menschen zu ähnlich werden. Das Unternehmen plant, Iron zunächst als Begleiter in Büros, Verkaufsassistenten oder Führer in Einkaufszentren und später auch in Haushalten einzusetzen.
Technische Details
Iron verfügt über 82 Freiheitsgrade, davon 22 in jeder Hand, wodurch er komplexe und präzise Bewegungen ausführen kann, etwa Gegenstände handhaben oder feine Gesten machen. Seine Wirbelsäule ist biomimetisch und der menschlichen nachempfunden, mit künstlichen Muskeln und weicher synthetischer Haut, die für fließende Bewegungen sorgt. Der Roboter wird von drei eigens entwickelten Turing-KI-Chips von Xpeng angetrieben, die eine Leistung von bis zu 2250 TOPS (Billionen Operationen pro Sekunde) bieten und dadurch eine schnelle Datenverarbeitung in Echtzeit für autonome Entscheidungen ermöglichen.
Ein Schlüsselelement ist das neue multimodale KI-System namens VLT (Abkürzung für Vision-Language-Task, auf Deutsch Sehen-Sprache-Aufgabe), das als „Gehirn“ des Roboters dient. Dieses System kombiniert drei große Modelle: VLT für Wahrnehmung, Entscheidungsfindung und autonome Handlungen in der realen Welt, VLA (Vision-Language-Action, Sehen-Sprache-Handlung), das aus dem autonomen Fahrsystem der Xpeng-Fahrzeuge übernommen und auf die Steuerung der 82 Gelenke des Roboters erweitert wurde, sowie VLM (Vision-Language-Model, Sehen-Sprache-Modell), das ebenfalls aus der Automobil-KI stammt. Dadurch kann Iron visuelle Eingaben direkt in physische Reaktionen umsetzen, ohne dass sie zuvor in Sprache übertragen werden müssen.
Der Roboter ist aus Sicherheitsgründen und für eine lange Betriebsdauer mit einer reinen Festkörperbatterie ausgestattet, wodurch er sich für langfristige Einsätze eignet. Xpeng betont, dass Iron aufgrund der Arbeitskosten in China nicht für Fabrikarbeit vorgesehen ist, sondern vielmehr für interaktive Rollen, in denen er Daten für das weitere Lernen der KI sammeln kann.

Pläne für die Massenproduktion
Zusammen mit dem Roboter Iron kündigte Xpeng für das kommende Jahr die Einführung von Robotaxis an, die Teil seiner Strategie für intelligente Mobilität sind. Die Massenproduktion humanoider Roboter wie Iron soll 2026 beginnen, mit dem Ziel eines kommerziellen Einsatzes. Das Unternehmen erwartet, im kommenden Jahrzehnt mehr Roboter als Autos zu verkaufen, und betrachtet sie als ein Kerngeschäft. Der CEO von Xpeng behauptet, das Unternehmen entwickle diese Technologie bereits länger als Tesla, auch wenn es bislang darüber geschwiegen habe.
Iron markiert den Übergang von den vierbeinigen Robotern von Xpeng zu humanoiden Robotern, die Daten aus menschlichen Umgebungen besser für fortgeschrittenes Lernen erfassen können. Dieser Roboter lässt Xpeng im globalen Wettlauf um Embodied Intelligence (verkörperte Intelligenz) mit Unternehmen wie Tesla und dessen Optimus oder Google DeepMind konkurrieren.
Quellen: cnbc.com und livescience.com



