Google hat Deep Review, ein agentenbasiertes KI-System zur technischen Prüfung komplexer Dokumente, öffentlich zugänglich gemacht. Das ursprünglich für wissenschaftliche Informatikartikel entwickelte Werkzeug deckt nun auch Recht und Finanzen ab. Laut dem Unternehmen soll es Inhalte überprüfen und Schwachstellen aufspüren, während übergeordnete Entscheidungen weiterhin Menschen überlassen bleiben.
Von mathematischen Aussagen bis zu Widersprüchen in Rechtsdokumenten
Google beschreibt eine Prüfung, die die logische Konsistenz eines Textes, mathematische Aussagen und den Abgleich faktischer Behauptungen mit Belegen umfasst. Deep Review soll außerdem das Dokument mit bestehenden Arbeiten vergleichen und Änderungen vorschlagen.
Bei Entwurfsdokumenten nennt das Unternehmen die Suche nach unausgesprochenen Architekturannahmen und Sonderfällen sowie Vorschläge für konkrete Verbesserungen. In Präsentationen soll das System beurteilen, ob Folien logisch aufeinander aufbauen und die Schlussfolgerungen zu den dargestellten Diagrammen passen. Bei juristischen und finanziellen Dokumenten führt Google die Prüfung von Bestimmungen und Datentabellen auf Widersprüche an. Hinzu kommen das Erkennen unklarer Begriffe oder möglicher Folgewirkungen sowie der Abgleich von Aussagen mit unterstützenden Unterlagen.
Vier Prüfphasen verteilen die Arbeit auf Agenten
Die Verarbeitung erfolgt laut Google in vier Phasen. Zunächst zerlegt ein Agent das Dokument automatisch in logische Abschnitte, etwa Einleitung, Methodik und Experimente. Diese Abschnitte dürfen sich überschneiden, müssen zusammen aber das gesamte Eingabedokument abdecken.
Im zweiten Schritt bewertet das System nach Angaben des Unternehmens die Informationsdichte der einzelnen Abschnitte und weist ihnen entsprechend ein Rechenbudget zu. Eine Passage mit anspruchsvollen mathematischen Beweisen kann dadurch mehr Rechenressourcen erhalten als eine Einleitung oder eine Übersicht verwandter Arbeiten.
Anschließend prüfen spezialisierte Agenten die Abschnitte parallel. Jeder konzentriert sich laut Google auf den ihm zugewiesenen Teil, hat aber zugleich Zugriff auf das vollständige Dokument, um Querverweise und Zusammenhänge zwischen den Abschnitten zu verfolgen.
Ein abschließender Synthese-Agent führt nach Angaben des Unternehmens die Teilberichte zusammen und prüft die Konsistenz zwischen den Abschnitten. Bei Bedarf wiederholt er logische Prüfungen. In dieser Phase werden auch externe Belege und Werkzeuge herangezogen, was Google als zusätzliche Maßnahme gegen Halluzinationen beschreibt.
Erfahrungen mit PAT und neue Unterstützung für Gemini 4 Argon
Deep Review geht aus dem experimentellen Paper Assistant Tool (PAT) hervor. Laut Google erhielten in dessen Pilotprogrammen die freiwillig teilnehmenden Autoren von mehr als 16.000 Manuskripten private Rückmeldungen vor der Einreichung. Die Pilotprogramme liefen in Zusammenarbeit mit den Konferenzen STOC 2026 und ICML 2026 sowie NeurIPS 2026 und ICLR 2027.
Diese Rückmeldungen waren nach Angaben des Unternehmens vollständig vom offiziellen Begutachtungsverfahren der Konferenzen getrennt. PAT sammelte keine Daten für das Training, und die Artikel wurden kurz nach Abschluss des jeweiligen Programms aus Googles Systemen gelöscht.
Google ergänzt Deep Review nun um Unterstützung für Gemini 4 Argon. Nach Darstellung des Unternehmens übertrifft das Werkzeug damit ältere PAT-Versionen; zugleich verbessere sich die Qualität der Rückmeldungen und Analysen.
API-Zugang, Eingabeformate und Speicherung der Dokumente
Der Dienst ist weltweit verfügbar, und jeder Nutzer erhält zwei kostenlose Dokumentprüfungen pro Woche. Für höhere Nutzungslimits lässt sich ein eigener Gemini-API-Schlüssel hinterlegen, der auch die programmatische Anbindung über die Deep Review API ermöglicht.
Zum Start akzeptiert das Werkzeug PDF und Klartext. Die Unterstützung mehrerer Eingabedateien bereitet Google noch vor. Sie soll gemeinsame Konsistenzprüfungen ganzer Gruppen zusammengehöriger Dokumente, Tabellen und Anlagen ermöglichen.
Google erklärt, hochgeladene Dokumente weder zum Training noch zur Feinabstimmung oder Verbesserung seiner Modelle zu verwenden. Sie werden ein Jahr lang gespeichert, ausschließlich um sie dem Nutzer in der Oberfläche von Deep Review anzuzeigen.
Antigravity erhält ein eigenes Muster zur Dokumentprüfung
Parallel hat Google in Antigravity das Teamwork Deep Document Review Pattern vorgestellt: ein von Deep Review inspiriertes Implementierungsmuster, nicht den Dienst selbst. Es nutzt das Framework Teamwork und eine Hierarchie von Agenten mit Selbstkorrektur und Bewertungskriterien für einzelne Dokumentabschnitte. Das Muster ist für die Beurteilung wissenschaftlicher Artikel, Manuskriptentwürfe und technischer Vorschläge vorgesehen. Nutzer von Antigravity können es mit dem Befehl /teamwork-preview aufrufen.



