Das chinesische Labor DeepSeek hat erstmals Umsatzzahlen veröffentlicht. Sein annualisierter Umsatz nähert sich einer halben Milliarde Dollar. Gleichzeitig verhandelt das Unternehmen über eine weitere Finanzierungsrunde und bereitet bereits für das kommende Jahr einen Börsengang vor. Das berichtete die Plattform The Information, auf die sich weitere Medien berufen.
Erstmals wird das tatsächliche Geschäft sichtbar
Während des größten Teils des vergangenen Jahres wurde DeepSeek als ein Unternehmen beschrieben, das Spitzenmodelle nahezu kostenlos entwickelt. Nun zeigt sich, dass dahinter ein funktionierendes Geschäft steht. Der annualisierte Umsatz steuert auf 500 Millionen Dollar zu. Es ist das erste Mal überhaupt, dass das Unternehmen seine Umsatzzahlen veröffentlicht hat.
Die Umsatzzahl wurde mitten in einer ungewöhnlich raschen Serie von Finanzierungsrunden bekannt. DeepSeek schloss kürzlich seine allererste Runde mit einem Volumen von rund sieben Milliarden Dollar bei einer Bewertung von etwa 50 Milliarden Dollar ab. Kaum waren einige Wochen vergangen, verhandelte das Unternehmen laut Bloomberg bereits über weitere rund 1,5 Milliarden Dollar, diesmal bei einer Bewertung von etwa 71 Milliarden Dollar vor der Kapitalerhöhung.
Wohin das Geld fließen soll, ist ziemlich klar. DeepSeek will ein eigenes Rechenzentrum bauen und weitere Chips für künstliche Intelligenz kaufen. Angetrieben wird dies durch die Nachfrage nach autonomen Agenten, also Programmen, die komplexere Aufgaben selbstständig erledigen können.
Eigener Chip
Gleichzeitig stellt das Unternehmen Ingenieure für die Chipentwicklung ein. Ziel ist es, einen eigenen Chip für die sogenannte Inferenz zu entwickeln, also für den Betrieb bereits fertig trainierter Modelle. Damit würde es seine Abhängigkeit von Nvidia-Hardware verringern, die von US-Exportbeschränkungen betroffen ist.
Die Wirtschaftlichkeit des Betriebs sieht dabei überraschend gut aus. DeepSeek verlangt 2,19 Dollar pro Million Token, während OpenAI dafür 60 Dollar berechnet. Das ist etwa 27-mal weniger. Dennoch erzielt das Unternehmen den verfügbaren Angaben zufolge eine Bruttomarge zwischen 70 und 80 Prozent.
Auch die Nutzungszahlen beunruhigen die Konkurrenz. TechCrunch wies darauf hin, dass DeepSeek im Juni 2026 auf der Plattform Vercel rund 23 Prozent der Token verarbeitete, während Anthropic auf 32 Prozent kam. Der Vorsprung der US-amerikanischen Labore schmilzt somit.
Wo liegt der Haken?
Experten betrachten die Zahl mit Vorsicht, und dafür haben sie gute Gründe. Es handelt sich um eine Angabe aus einer einzigen Quelle und nicht um einen geprüften Jahresabschluss. Der Bericht sagt nichts darüber aus, wie viel Geld das Unternehmen verbrennt oder wie sich die Umsätze auf Entwicklerschnittstellen, Unternehmenskunden und gewöhnliche Nutzer verteilen.
Ungewöhnlich ist auch die Eigentümerstruktur. Gründer Liang Wen feng hält den verfügbaren Informationen zufolge rund 77 Prozent des Unternehmens. Die Investoren der jüngsten Runde investierten ihr Geld zudem in eine Kommanditgesellschaft, die er selbst leitet, mit einer fünfjährigen Bindungsfrist und ohne Stimmrechte.
Shanghai im Jahr 2027
DeepSeek bereitet eine Notierung an einer Börse auf dem chinesischen Festland vor. Den Antrag könnte das Unternehmen bereits Ende 2026 stellen, und sein Debüt am Shanghaier STAR Market ist für 2027 geplant, möglicherweise schon im zweiten Quartal. Das entscheidende Wort wird die chinesische Börsenaufsicht haben, also die Kommission CSRC.
Falls dies gelingt, würde DeepSeek den seltenen Status einer tatsächlich handelbaren chinesischen KI-Aktie erlangen. Der Druck würde dann sowohl auf heimische Konkurrenten wie Zhipu AI oder Moonshot AI als auch auf globale Namen wie OpenAI und Anthropic steigen. Sie alle werden einen solchen Wettbewerber berücksichtigen müssen.
Allein die Ankündigung des Börsengangs ließ die Aktien anderer chinesischer Unternehmen der Branche steigen. Blockonomi verzeichnete in derselben Handelssitzung einen Kurssprung von MiniMax um 15 Prozent und von Knowledge Atlas Tech um neun Prozent.



