Kaum ein Unternehmen hat es geschafft, seine Geschichte innerhalb weniger Jahre so dramatisch umzuschreiben wie CoreWeave. Es begann als unscheinbares Kryptowährungs-Mining-Unternehmen in New Jersey und versorgt heute die größten Namen der globalen Technologiebranche mit Rechenleistung. OpenAI, Meta, Microsoft, Nvidia. Das klingt wie ein Märchen. Doch auch Märchen haben ihre Schattenseiten.
Was macht CoreWeave?
CoreWeave ist ein US-amerikanisches Unternehmen, das sich auf Cloud-Infrastruktur für künstliche Intelligenz spezialisiert hat. Vereinfacht gesagt: Es vermietet den Zugang zu einer enormen Menge leistungsstarker Grafikprozessoren (GPUs), die Unternehmen für das Training und den Betrieb von KI-Modellen benötigen. Ohne eine solche Rechenleistung würden ChatGPT, Llama und auch kein anderes großes Sprachmodell funktionieren.
Das Unternehmen wurde 2017 unter dem Namen Atlantic Crypto gegründet. Drei Rohstoffhändler, Michael Intrator, Brian Venturo und Brannin McBee, schürften damals Ethereum. Nach dem Kryptowährungscrash im Jahr 2018 vollzogen sie jedoch einen cleveren Schachzug: Sie benannten das Unternehmen in CoreWeave um und begannen, ihren Bestand an GPU-Chips Unternehmen als Cloud-Dienst anzubieten. Das Timing war perfekt. Die Nachfrage nach Rechenleistung für KI begann rasant zu steigen.
Heute betreibt CoreWeave mehr als 32 Rechenzentren in den USA und Europa mit über 250.000 GPU-Chips. Die Plattform basiert auf einer Kubernetes-Architektur und wurde speziell für KI-Workloads entwickelt. Das Unternehmen machte als erstes die neuesten Nvidia-Chips GB200 NVL72 für Kunden verfügbar und setzte im Juli 2025 als erstes Unternehmen Blackwell-Ultra-GPUs kommerziell ein. Nvidia investierte im Januar 2026 weitere 2 Milliarden Dollar in CoreWeave. Das allein sagt viel darüber aus, wie strategisch wichtig dieses Unternehmen ist.
Die Kunden? OpenAI unterzeichnete einen Fünfjahresvertrag im Wert von rund 12 Milliarden Dollar. Meta schloss einen Vertrag über 14,2 Milliarden Dollar ab. Microsoft macht mehr als 60 % des Gesamtumsatzes aus. CoreWeave ist somit einer der wichtigsten Anbieter der Rechenleistung, auf der ein großer Teil der heutigen KI-Welt basiert.
Rasanter Aufstieg an der Börse
Im März 2025 ging CoreWeave unter dem Tickersymbol CRWV an die Nasdaq. Der Börsengang (erstmaliges öffentliches Aktienangebot) war gemessen am eingeworbenen Kapital das größte KI-Ereignis des Jahres. Das Unternehmen musste zwar das ursprünglich geplante Emissionsvolumen von 2,7 Milliarden auf 1,5 Milliarden Dollar reduzieren, doch das Interesse der Anleger war enorm. Die Aktie legte seit dem Börsengang bis Anfang 2026 um mehrere Dutzend Prozent zu, und das Unternehmen wurde zu einem der meistbeachteten Titel an der Wall Street.
Warum dieses große Interesse? Weil CoreWeave genau an der Schnittstelle der beiden größten Trends sitzt: dem Boom der künstlichen Intelligenz und dem Mangel an Rechenkapazität. Jedes große Technologieunternehmen benötigt GPU-Chips. Und CoreWeave hat sie.
Ergebnisse für Q4 2025: Umsatz übertrifft Erwartungen, doch Verluste verschrecken die Märkte
Ende Februar 2026 wurden die Ergebnisse für das vierte Quartal 2025 veröffentlicht, und die Märkte reagierten heftig. Die CRWV-Aktie fiel an einem einzigen Handelstag um 19 %, was den größten Tagesverlust der vergangenen sechs Monate darstellte.
Was war geschehen? Der Umsatz erreichte 1,57 Milliarden Dollar und übertraf damit die Analystenschätzungen von rund 1,55 Milliarden. Das Wachstum von 110 % gegenüber dem Vorjahr ist beeindruckend. Doch der Verlust je Aktie belief sich auf 89 Cent, während Analysten mit etwa 72 Cent gerechnet hatten. Das bereinigte EBITDA von 898 Millionen Dollar blieb hinter dem Konsens von 929 Millionen zurück.
Doch das war nicht das Hauptproblem. Was die Anleger wirklich erschreckte, war der Ausblick für 2026. Das Unternehmen kündigte an, dass die Investitionsausgaben 30 bis 35 Milliarden Dollar erreichen werden. Das ist eine Zahl, die jeden Anleger innehalten und nachdenken lässt. Der Umsatzausblick für das erste Quartal 2026 von 1,9 bis 2 Milliarden Dollar blieb deutlich hinter der Wall-Street-Schätzung von 2,29 Milliarden zurück.
Die offene Schuldenfrage
Kann ein Unternehmen mit derartigen Verlusten und Schulden langfristig überleben? Diese Frage stellen sich derzeit Tausende Anleger.
CoreWeave meldete zum Jahresende 2025 Gesamtschulden von mehr als 21 Milliarden Dollar. Das Verhältnis von Schulden zu Eigenkapital liegt bei astronomischen 894 %. Das Unternehmen bemüht sich um weitere 8,5 Milliarden Dollar von Banken wie Morgan Stanley und Mitsubishi UFJ, um den Ausbau der Cloud-Kapazitäten für Meta zu finanzieren. Die Ratingagentur Moody's warnt, dass das Unternehmen mindestens weitere 18 Monate lang einen negativen freien Cashflow erwirtschaften wird.
CEO Mike Intrator sieht das jedoch anders. „Ja, wir werden enorme Ausgaben haben“, sagte er. „Aber niemand würde uns dieses Geld leihen, wenn wir die Kapazitäten nicht bereits an die Microsofts, Metas und Nvidias dieser Welt verkauft hätten.“ Das Unternehmen nimmt erst dann Kredite auf, wenn bereits ein Vertrag mit einem Kunden unterzeichnet ist. Der Auftragsbestand beläuft sich auf 66,8 Milliarden Dollar bei einer durchschnittlichen Vertragslaufzeit von fünf Jahren.
Die Analysten bleiben insgesamt positiv. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei etwa 127 Dollar je Aktie, wobei die Schätzungen von 41 bis 251 Dollar reichen. Allein diese große Spannweite zeigt, wie unsicher die Situation ist.
CoreWeave ist nicht nur ein einzelnes Unternehmen. Es ist ein Barometer für die gesamte KI-Branche. Wenn seine Aktie fällt, stellt sich der Markt die Frage: Steht der gesamte KI-Boom auf einem zu teuren Fundament? Enorme Investitionen in die Infrastruktur, steigende Schulden und bislang negative Cashflows sind genau das, was nervöse Anleger nachts wach hält. Gleichzeitig zahlen Kunden wie OpenAI, Meta oder Microsoft jedoch Milliarden von Dollar im Voraus.
Quellen: investing.com und finance.yahoo.com



