Die meisten großen chinesischen KI-Technologieunternehmen wollen extrem leistungsstarke Chips für künstliche Intelligenz kaufen. Nun gibt es jedoch eine Meldung, die alles kompliziert. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters teilten die chinesischen Zollbehörden den Zollagenten diese Woche mit, dass Nvidia-H200-Chips nicht nach China eingeführt werden dürfen. Das bedeutet, dass diese Chips, die zu den weltweit leistungsstärksten für KI gehören, derzeit nicht über die Grenze gelangen. Quellen, die wegen der Sensibilität des Themas anonym bleiben möchten, zufolge beriefen Regierungsbeamte außerdem Treffen mit einheimischen Technologieunternehmen ein, bei denen sie diesen ausdrücklich anwiesen, die Chips nur dann zu kaufen, wenn dies absolut notwendig sei.
Diese Anordnungen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die US-Regierung unter Präsident Donald Trump erst diese Woche den Export des H200 nach China formell genehmigt hat, allerdings unter bestimmten Bedingungen. Quellen zufolge nannten die chinesischen Behörden keine Gründe für ihre Entscheidungen, und es ist unklar, ob es sich um ein dauerhaftes Verbot oder lediglich um eine vorübergehende Maßnahme handelt. Reuters versuchte, die chinesische Generalzollverwaltung, das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie sowie die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission zu kontaktieren, erhielt jedoch keine Antworten. Auch Nvidia reagierte nicht auf Anfragen.
H200-Chips
Der H200 ist Nvidias zweitstärkster KI-Chip und hat sich zu einem der größten Streitpunkte zwischen den USA und China entwickelt. Die Nachfrage chinesischer Unternehmen danach ist enorm, doch Peking möchte möglicherweise seine eigenen Chiphersteller fördern, etwa Huawei mit dessen Ascend 910C. Dieser heimische Chip ist zwar fortschrittlich, doch Quellen zufolge ist der H200 beim Training großer KI-Modelle deutlich effizienter – er bietet etwa die sechsfache Leistung der schwächeren H20-Version, die von den USA im vergangenen Jahr zunächst verboten und dann wieder zugelassen wurde, von China jedoch seit August de facto ebenfalls blockiert wird.
Analysten wie Reva Goujon vom Forschungsunternehmen Rhodium Group vermuten, dass Peking diese Beschränkungen möglicherweise als Druckmittel in den Verhandlungen mit Washington einsetzt, insbesondere vor Donald Trumps für April geplantem Besuch in Peking, bei dem er sich mit Xi Jinping treffen wird. Chris McGuire von der Denkfabrik Council on Foreign Relations ergänzt, China sei überzeugt, dass die USA unbedingt KI-Chips verkaufen wollten, was Peking einen Vorteil verschaffe, um größere Zugeständnisse bei Technologiekontrollen zu erreichen. Der KI-Experte des Weißen Hauses David Sacks argumentiert, dass der Export solcher Chips nach China chinesische Wettbewerber davon abhalte, zu versuchen, Nvidia bei den fortschrittlichsten Designs einzuholen.
Auswirkungen auf den Markt
Chinesische Technologieunternehmen haben mehr als zwei Millionen H200-Chips bestellt, jeweils zu einem Preis von rund 27.000 Dollar (beim aktuellen Wechselkurs etwa 621.000 CZK). Das übersteigt Nvidias Lagerbestand von 700.000 Chips und verdeutlicht das enorme Interesse. Nvidias Vorstandsvorsitzender Jensen Huang sagte im vergangenen Jahr, der Marktanteil des Unternehmens bei KI-Chips in China sei aufgrund früherer Beschränkungen auf null gefallen. Sollte der H200 auf den chinesischen Markt gelangen, würde dies sowohl Nvidia als auch der US-Regierung, die eine Abgabe von 25 % auf die Verkäufe erhebt, enorme Einnahmen bescheren.
Einem Bericht von The Information zufolge teilte die chinesische Regierung einigen Technologieunternehmen diese Woche mit, dass sie Käufe des H200 nur in besonderen Fällen genehmigen werde, etwa für Forschung und Entwicklung in Zusammenarbeit mit Universitäten. Quellen bestätigen, dass Ausnahmen für genau diese Zwecke diskutiert werden. Unklar ist jedoch, ob die Anordnungen auch für bestehende Bestellungen oder nur für neue gelten.
Seit 2022 beschränken die USA den Export von High-End-Chips nach China, um dessen Fortschritte bei KI und Technologie zu verlangsamen. Viele amerikanische Hardliner befürchten, dass der H200 das chinesische Militär stärken und den Vorsprung der USA im Bereich KI schwächen könnte. Sollte China den H200 hingegen verbieten, würde dies einheimische Hersteller wie Huawei stärken. Es bleibt die Frage, wer am Ende als Gewinner hervorgeht – Nvidia mit enormen Verkaufszahlen oder chinesische Unternehmen mit eigenen Innovationen. Derzeit hängt alles am seidenen Faden, während beide Seiten über Handelsfragen verhandeln.



