Das Werbesystem von ChatGPT ermöglicht es, Nutzergruppen anhand persönlicher Daten anzusprechen, die Werbetreibende bereitstellen. Auch der Inhalt von Prompts fließt in die Werbeauswahl ein. Das zeigen Tests der Redaktion von 404 Media, die untersucht hat, wie Anzeigen in die Gespräche gelangen.
Der Gesprächskontext hilft bei der Werbeauswahl
Für ihre Untersuchung schaltete 404 Media zwei eigene Anzeigen in ChatGPT. Beide thematisierten die Vertraulichkeit der Gespräche und verlinkten auf einen Artikel der Redaktion über das Projekt Lily, bei dem Auftragnehmer echte Prompts von Nutzern lesen.
Beim Einrichten einer Kampagne können Werbetreibende Kontexthinweise hinterlegen: Themen, Schlüsselwörter oder Gesprächsarten, für die sie ihr Angebot als relevant ansehen. Laut OpenAI helfen diese Angaben bei der Auswahl einer Anzeige, sind aber keine Regeln, die eine exakte Übereinstimmung verlangen.
Kontaktlisten als Grundlage eigener Zielgruppen
404 Media untersuchte auch, wie Werbetreibende eigene Zielgruppen erstellen können. Werbetreibende laden E-Mail-Adressen oder Telefonnummern in ungehashter Form hoch, die OpenAI mit ChatGPT-Konten abgleicht. Passende Konten können anschließend Teil der Zielgruppe einer Kampagne werden.
Nach den Erkenntnissen der Redaktion akzeptiert das System auch gehashte E-Mail-Adressen und Telefonnummern, also deren digitale Fingerabdrücke. Außerdem lassen sich Werbe-IDs von Android-Geräten verwenden.
Für Filter, die Zielgruppen einbeziehen, und für Gebotsanpassungen nach Zielgruppe sind laut einem OpenAI-Sprecher mindestens 25.000 zugeordnete Nutzer erforderlich. Allein der Eintrag einer Person auf der Liste eines Werbetreibenden garantiert keine Anzeigenausspielung. Das Unternehmen erklärt außerdem, dass Werbetreibende weder sehen können, welche konkreten Personen zugeordnet wurden, noch einzelne Personen innerhalb einer Zielgruppe auswählen können.
Der OpenAI-Sprecher teilte der Redaktion zudem mit, dass das Unternehmen hochgeladene Dateien nach der Verarbeitung löscht. Dies geschehe üblicherweise innerhalb von 24 Stunden nach dem Hochladen.
Aktueller Chat kann Werbung auch ohne Personalisierung beeinflussen
Nutzer können in den Einstellungen die Werbepersonalisierung abschalten, die frühere Chats, Aktivitäten und Präferenzen einbezieht. In dem von 404 Media hervorgehobenen Einstellungstext steht jedoch, dass die Werbeauswahl weiterhin auf dem laufenden Gespräch beruhen kann.
Werbung neben Antworten und generierten Bildern
OpenAI führte Werbung in ChatGPT zunächst im Februar in den USA ein und weitete sie anschließend auf weitere Länder aus. Nutzern der Tarife Free und Go werden Anzeigen häufig unter der Antwort auf ihren Prompt angezeigt. Im Oktober 2026 ergänzte das Unternehmen Werbung auch bei den Ergebnissen der Bildgenerierung.



