Menschen auf der ganzen Welt wenden sich immer häufiger an ChatGPT, um Hilfe bei Gesundheitsfragen zu erhalten. Laut einem Bericht von OpenAI, in dem anonymisierte Nachrichten analysiert wurden, machen Themen rund um das Gesundheitswesen mehr als 5 % aller Nachrichten auf ChatGPT aus. Das entspricht Milliarden von Nachrichten pro Woche. Von den mehr als 800 Millionen regelmäßigen Nutzern stellt jede Woche jeder Vierte Fragen zu Gesundheitsthemen, und täglich tun dies mehr als 40 Millionen Menschen. In den USA, wo das Gesundheitssystem oft kompliziert und teuer ist, geben drei von fünf Erwachsenen an, in den vergangenen drei Monaten KI-Tools für ihre Gesundheit oder Gesundheitsversorgung genutzt zu haben.
Analyse der Anfragen
Eine von OpenAI mithilfe des Tools Knit unter 1042 erwachsenen US-Amerikanern durchgeführte Umfrage, die in den vergangenen drei Monaten KI für Gesundheitszwecke genutzt hatten, ergab, dass 55 % der Befragten Symptome überprüften oder recherchierten. Weitere 48 % wollten medizinische Begriffe oder Anweisungen verstehen, und 44 % erkundigten sich nach Behandlungsmöglichkeiten. Nutzer senden wöchentlich 1,6 bis 1,9 Millionen Nachrichten zur Krankenversicherung, in denen sie nach Tarifvergleichen, Preisen, der Bearbeitung von Leistungsanträgen, Abrechnungen, Anspruchsvoraussetzungen und Einzelheiten zur Kostenbeteiligung fragen.
In schwer zugänglichen ländlichen Gebieten der USA, in denen etwa ein Fünftel der Bevölkerung lebt, senden Nutzer im Durchschnitt fast 600 000 gesundheitsbezogene Nachrichten pro Woche. OpenAI definierte „Krankenhauswüsten“ als Orte, die mehr als 30 Autominuten vom nächstgelegenen Allgemeinkrankenhaus oder Kinderkrankenhaus entfernt liegen. In solchen Gebieten in Oregon, Texas oder New York suchen Menschen beispielsweise häufig nach Informationen, wenn die medizinische Versorgung weit entfernt ist. Auch medizinisches Fachpersonal nutzt KI: Laut einer Umfrage der American Medical Association (AMA) verwendeten 2024 66 % der US-amerikanischen Ärzte KI für mindestens einen Zweck, gegenüber 38 % im Jahr 2023. Bei Pflegekräften waren es laut einer Umfrage von Wolters Kluwer 46 % pro Woche.
Praxisbeispiele
So nutzte beispielsweise die Steuerexpertin Ayrin Santoso aus San Francisco ChatGPT, um die dringende medizinische Versorgung ihrer Mutter in Indonesien zu koordinieren, die einen plötzlichen Sehverlust erlitten hatte. Nach Eingabe der Symptome und des Kontexts erhielt sie eine Warnung vor einer möglichen hypertensiven Krise und einem Schlaganfall, was zu einer sofortigen Blutdruckmessung und Einweisung ins Krankenhaus führte. Ein weiterer Fall ist Rich Kaplan aus Seattle, der an einer seltenen autoimmunen Blutgerinnungsstörung leidet und mithilfe von ChatGPT Studien fand sowie einen Einspruch gegen die Ablehnung einer Therapie durch die Versicherung verfasste, der letztlich erfolgreich war. In Montana, in der Kleinstadt Miles City mit 8400 Einwohnern, nutzt die Hausärztin Dr. Margie Albers auf OpenAI-Modellen basierende Tools wie Oracle Clinical Assist, um Notizen zu Sprechstunden zu verfassen und den Verwaltungsaufwand zu reduzieren. Dadurch kann sie sich auf Patienten konzentrieren, die stundenlange Anfahrtswege auf sich nehmen.
OpenAI betont, dass KI in Bereichen wie der Umwidmung bereits zugelassener Medikamente hilft. So testete beispielsweise der Immunologe Dr. Oral Alpan aus McLean im US-Bundesstaat Virginia mit GPT-5 Pro, ob das Medikament Dupilumab Patienten mit FPIES, einer seltenen Nahrungsmittelallergie, hilft. Das Modell schlug dieses Medikament auf Grundlage einer deidentifizierten Fallbeschreibung korrekt vor. OpenAI plant, in Kürze politische Empfehlungen zu veröffentlichen, darunter eine bessere Verknüpfung medizinischer Daten, um Entdeckungen zu beschleunigen.
Weitere Quellen: axios.com und independent.co.uk



