Das niederländische Unternehmen ASML stellt Maschinen her, ohne die sich die leistungsfähigsten Chips für künstliche Intelligenz nicht produzieren lassen. Nun hat es Rekordergebnisse bekannt gegeben, zugleich aber eingeräumt, mit der Nachfrage nicht Schritt halten zu können. Die Kunden verlangen mehr Anlagen, als das Unternehmen in den kommenden zwei Jahren bauen kann, und einige versuchen bereits, sie für die Jahre 2029 und 2030 zu reservieren. Der Grund dafür ist, dass weltweit Rechenzentren für künstliche Intelligenz gebaut werden, die enorme Mengen an Hardware benötigen.
Das Unternehmen, ohne das kein KI-Chip hergestellt werden kann
Ein Chip ist eine kleine Siliziumscheibe, die Milliarden winziger Bauteile enthält. Diese werden mit Licht auf sie aufgebracht, ähnlich wie früher Fotografien entwickelt wurden. Je feiner die Strukturen sind, desto leistungsfähiger ist der Chip. Für die feinsten Schaltkreise wird eine spezielle Maschine benötigt, die mit extrem ultravioletter Strahlung arbeitet, kurz EUV. Weltweit wird sie nur von einem einzigen Unternehmen hergestellt: ASML.
Zu seinen Abnehmern gehören die größten Technologieunternehmen der Welt. Dazu zählen das taiwanische Unternehmen TSMC, das für Nvidia produziert, außerdem Samsung, Intel sowie die Speicherhersteller SK hynix und Micron. Wenn sich einer dieser Konzerne für den Bau einer neuen Fabrik entscheidet, muss er zunächst die Technologie in den Niederlanden bestellen. Deshalb betrachtet die gesamte Technologiewelt die Geschäftsergebnisse von ASML als Thermometer für die Stärke des Booms der künstlichen Intelligenz.
Die Kunden wollen immer mehr
ASML-Chef Christophe Fouquet erklärte, dass die Kunden ihre Schätzungen zum künftigen Bedarf an Maschinen kontinuierlich erhöhen. Der Hauptgrund dafür ist, dass sie mit umfangreichen und langfristigen Investitionen in künstliche Intelligenz rechnen. Das Unternehmen erhält bereits Bestellungen für das Jahr 2028, und einige Interessenten fragen sogar nach Lieferungen in den Jahren 2029 und 2030.
Fouquet erläuterte zudem das breit angelegte Nachfragewachstum. Für die Herstellung von KI-Chips seien sowohl Speicher als auch Rechenprozessoren erforderlich. Es reicht daher nicht aus, wenn nur die Prozessorhersteller ihre Kapazitäten ausbauen; auch die Fabriken für Speicherkomponenten müssen mehr liefern.
Wie schnell sich die Lage in der Branche gewandelt hat, zeigt seine Aussage aus der vergangenen Woche. Noch vor Kurzem rechneten die Hersteller eher mit einer Stagnation des Marktes, nun können sie Fouquet zufolge die Nachfrage nicht mehr bedienen. Der Vorstandsvorsitzende von ASML schätzt, dass die Ausgaben für den Aufbau von Infrastruktur für künstliche Intelligenz die Nachfrage nach Chips noch weitere zwei bis fünf Jahre ankurbeln werden.
Auch 30 Prozent mehr Maschinen reichen nicht aus
ASML reagierte bereits im Sommer auf das wachsende Interesse. Das Unternehmen versprach, im Jahr 2027 30 Prozent mehr EUV-Systeme zu produzieren als in diesem Jahr, in dem es rund 65 fertigstellen wird. Ebenso will es die Produktion älterer und günstigerer DUV-Anlagen steigern, die für weniger anspruchsvolle Bereiche von Halbleitern eingesetzt werden. Davon wird es in diesem Jahr etwa 130 ausliefern. Für das Jahr 2028 erwog das Unternehmen eine weitere Steigerung um 30 Prozent.
Nun ist klar, dass auch das nicht ausreichen wird. ASML geht davon aus, in den Jahren 2027 und 2028 nicht alle Kunden bedienen zu können. Deshalb sucht das Unternehmen nach einer Möglichkeit, die Produktion im Jahr 2028 noch deutlicher zu erhöhen. Fest zugesagt ist bislang jedoch nur die Steigerung für 2027; die Pläne für das darauffolgende Jahr werden vom Unternehmen noch durchgerechnet.
ASML will das höhere Volumen hauptsächlich in seinen bestehenden Werkshallen produzieren. Ein vollständig neues Produktionsgelände plant das Unternehmen erst für die Zeit nach 2028. Es unterstützt seine Kunden auch auf andere Weise, indem es die bereits in deren Fabriken vorhandenen Anlagen verbessert, damit sie mehr Chips herstellen können.
Rekordumsatz
Das enorme Interesse spiegelt sich deutlich in den Geschäftszahlen wider. Im Sommerquartal erzielte das Unternehmen einen Rekordumsatz von fast 12 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 5 Milliarden Euro. Rund eine halbe Milliarde davon stammt jedoch nicht aus dem Verkauf von Technologien. Dabei handelt es sich um einen Gewinn aus dem Wertzuwachs der Beteiligung, die ASML am französischen KI-Unternehmen Mistral AI hält. Die Zahl der verkauften Neuanlagen stieg auf 113, nachdem sie ein Quartal zuvor noch bei 86 gelegen hatte.
Für das Jahresende sind die Prognosen noch optimistischer. Im letzten Quartal erwartet das Unternehmen einen Umsatz zwischen 14 und 15 Milliarden Euro und übertrifft damit die Prognosen der Analysten. Für das gesamte laufende Jahr rechnet es mit einem Umsatz von 44 bis 45 Milliarden Euro.
Wenn Maschinen fehlen, entscheidet der Lieferant
Für die Chiphersteller hat der Mangel an Anlagen eine klare Folge. Wer kein EUV-System von ASML erhält, hat keine Alternative, da kein anderes Unternehmen ein solches System herstellt. Die Abnehmer müssen daher länger warten, und der niederländische Lieferant kann die Preise stärker diktieren. Die Unternehmensleitung räumte bereits im Juli ein, bei deren Festlegung mehr Spielraum als früher zu haben.
Für ASML verläuft jedoch nicht alles problemlos. Schwierigkeiten könnte China bereiten, von wo in diesem Jahr rund ein Fünftel des Umsatzes stammen sollte und wohin der Export durch amerikanische und europäische Ausfuhrbestimmungen eingeschränkt wird. Zudem ist das Unternehmen von einer kleinen Zahl großer Kunden abhängig. Vorsicht ist auch auf dem Speichermarkt geboten, auf dem sich Phasen massiver Käufe regelmäßig mit Abschwüngen abwechseln. Der Verkauf von Technologien für deren Produktion sollte in diesem Jahr um mehr als 75 Prozent steigen. Sollte das Interesse plötzlich nachlassen, könnte ASML seine Kapazitäten ausgerechnet in einer Phase sinkender Nachfrage ausbauen. Das Interesse an Lieferungen für die Jahre 2029 und 2030 hat sich zudem bislang noch nicht in tatsächliche Bestellungen verwandelt.
Aktien und Marktreaktion
Die ASML-Aktie ist seit Jahresbeginn um mehr als 60 Prozent gestiegen, hat in der vergangenen Woche jedoch über 6 Prozent verloren. Am Tag vor der Veröffentlichung der Ergebnisse gaben auch die Aktien anderer Konzerne nach, die Ausrüstung für Halbleiterfabriken liefern. Das US-Unternehmen Applied Materials verlor fast 7 Prozent, Lam Research und KLA jeweils rund 3 Prozent. Bei Applied Materials lag dies Analysten zufolge vor allem daran, dass Investoren nach dem diesjährigen Kursanstieg von 80 Prozent Gewinne mitnahmen.
ASML gibt zugleich Kapital an seine Aktionäre zurück. Im Quartal kaufte das Unternehmen eigene Aktien im Wert von rund 4 Milliarden Euro zurück und wird eine Dividende von 1,88 Euro je Aktie ausschütten. Der nächste wichtige Termin ist der 10. Juni 2027, an dem das Unternehmen bei einem Treffen mit Investoren seinen endgültigen Produktionsplan für das Jahr 2028 vorstellen soll.
Quellen: cnbc.com und reuters.com



