Allein im Mai 2026 schafften es gleich drei Hersteller von Speicherchips in den exklusiven Club der Unternehmen mit einem Marktwert von mehr als einer Billion Dollar: Samsung, SK Hynix und Micron. Alle drei werden von der unersättlichen Nachfrage der Rechenzentren nach Chips für künstliche Intelligenz angetrieben. Bis vor Kurzem war dieser Club ausschließlich eine Domäne amerikanischer Technologieunternehmen: Nvidia, Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet und Meta. Speicherhersteller gehörten nicht dazu.
Samsung war der Erste
Als erstes der drei Unternehmen überschritt Samsung die magische Grenze. Das geschah am 6. Mai, als die Aktie um mehr als 14 Prozent auf ein Rekordhoch sprang. Der Wert des südkoreanischen Herstellers überstieg eine Billion Dollar, womit er nach dem taiwanischen Unternehmen TSMC erst das zweite asiatische Unternehmen war, das diesen Meilenstein erreichte.
Samsung wies im ersten Quartal 2026 einen Betriebsgewinn von mehr als 57 Billionen Won aus, was mehr als dem gesamten Gewinn des Jahres 2025 entspricht. Treibende Kraft war die Halbleitersparte, die mehr als 90 Prozent zum Gesamtgewinn beitrug. Und hinter all dem steht ein einziges Produkt: Speicher mit hoher Bandbreite, sogenannte HBM-Chips, ohne die KI-Server nicht funktionieren können.
Samsung gab zugleich bekannt, als erstes Unternehmen weltweit mit der Serienproduktion von HBM4-Chips, der neuesten Generation von Hochbandbreitenspeichern, begonnen zu haben. Entscheidend war auch, dass Nvidia die Chips für den Einsatz in seinen Systemen zugelassen hatte. Für Investoren war dies ein klares Signal: Samsung ist zu einem Bestandteil der Infrastruktur für künstliche Intelligenz geworden.
SK Hynix
Drei Wochen später war SK Hynix an der Reihe. Am Mittwoch, dem 27. Mai, stieg die Aktie im Tagesverlauf um fast 15 Prozent, und das Unternehmen wurde zum zweiten südkoreanischen Konzern mit einem Wert von mehr als einer Billion Dollar. Konkret erreichte es 1,68 Billiarden Won, also mehr als 1,1 Billionen Dollar. Dabei liegt SK Hynix in diesem Segment von Anfang an vorn. Während Samsung Nvidia zunächst noch von der Qualität seiner Speicher überzeugen musste, ist SK Hynix seit Beginn des Booms ein wichtiger Lieferant des Unternehmens. Als erster Anbieter brachte SK Hynix die Generationen HBM3 und HBM3E auf den Markt, und die gesamte Produktion von HBM-Chips für 2026 ist bereits seit Langem ausverkauft.
Seit Jahresbeginn ist die Aktie von SK Hynix um rund 250 Prozent gestiegen. Der vierteljährliche Nettogewinn des Unternehmens hat sich vervierfacht. Die Nachfrage hat die Produktion regelrecht überholt, und das Unternehmen kann seine Kapazitäten nicht schnell genug ausbauen.
Micron
Kurz vor SK Hynix, am Dienstag, dem 26. Mai, überschritt auch das amerikanische Unternehmen Micron Technology die Billionengrenze. Seine Aktie stieg an diesem Tag um fast 20 Prozent, der größte Tagesgewinn seit 2011. Seit Anfang 2026 legte sie um mehr als 214 Prozent zu. Auslöser war ein Bericht der Investmentbank UBS, die ihr Kursziel für die Micron-Aktie verdreifachte. Der Grund? Nach Einschätzung von UBS hat KI die Struktur des gesamten Speichermarktes dauerhaft verändert. Micron meldet ebenso wie SK Hynix, dass seine Kapazitäten für HBM-Chips im laufenden Jahr ausverkauft sind.
Warum Speicher plötzlich so knapp ist
Speicherchips standen immer etwas im Hintergrund. Die Aufmerksamkeit galt stets Prozessoren, Grafikkarten und den dahinterstehenden Unternehmen wie Nvidia oder Qualcomm. Doch der massive KI-Boom hat dieses Verhältnis verändert. Moderne Sprachmodelle und KI-Systeme benötigen sowohl für das Training als auch für den normalen Betrieb enorme Datenmengen, die ständig verfügbar sein und mit unglaublicher Geschwindigkeit übertragen werden müssen. HBM-Chips sind genau das Bindeglied, das diesen Bedarf deckt. Ohne schnellen Speicher könnten die leistungsstarken Grafikprozessoren von Nvidia ihr Potenzial nicht voll ausschöpfen.
Die Nachfrage stieg so schnell, dass das Angebot nicht mithalten konnte. Die Preise für HBM-Speicher verdoppelten sich im ersten Quartal dieses Jahres gegenüber dem vorherigen Zeitraum. Für das zweite Quartal erwarten Analysten einen weiteren Preisanstieg um bis zu 63 Prozent. Dabei sind die Auswirkungen auf die Speichermärkte für Smartphones, Computer oder Autos, wo sich der Mangel ebenfalls bemerkbar macht, noch gar nicht berücksichtigt. Analysten von Mirae Asset Securities gehen davon aus, dass die Nachfrage das Angebot mindestens bis 2028 übersteigen wird.
Ein Meilenstein für den südkoreanischen Markt
Das Überschreiten der Billionengrenze durch Samsung und SK Hynix wirkte sich unmittelbar auf den südkoreanischen Aktienindex Kospi aus. Dieser erreichte am 27. Mai ein Rekordhoch. Allein die beiden Unternehmen machten an diesem Tag die Hälfte der gesamten Marktkapitalisierung des Index aus. Seit Jahresbeginn ist der Kospi um mehr als 90 Prozent gestiegen, nachdem er im vergangenen Jahr um 76 Prozent zugelegt hatte. Südkorea ist damit das erste Land außerhalb der USA, das mehr als ein Unternehmen mit einer Bewertung von über einer Billion Dollar hat.
Nvidia behauptet bislang seine Position als wertvollstes Unternehmen der Welt mit einem Marktwert von mehr als 5 Billionen Dollar, während auch Apple und Microsoft kürzlich die Marke von 4 Billionen Dollar überschritten haben. Einige Investoren warnen jedoch, dass der Markt für KI-Chips überhitzt sein könnte und die Unternehmensbewertungen deutlich überhöht sein könnten.
Quellen: bbc.com, bloomberg.com und siliconangle.com



