Altman bietet US-Regierung fünf Prozent Beteiligung. Dahinter steckt Washingtons Druck auf KI

Altman bietet US-Regierung fünf Prozent Beteiligung. Dahinter steckt Washingtons Druck auf KI

Ondřej Barták
Ondřej Barták
Unternehmer und Programmierer
3. 7. 2026
5 Minuten Lesezeit
Altman bietet US-Regierung fünf Prozent Beteiligung. Dahinter steckt Washingtons Druck auf KI

OpenAI verhandelte mit der Trump-Regierung darüber, der US-Regierung einen Anteil von fünf Prozent am Unternehmen zu überlassen. Das berichtete die Financial Times unter Berufung auf zwei mit den Gesprächen vertraute Personen. Ihnen zufolge befinden sich die Verhandlungen bislang in einem sehr frühen Stadium. OpenAI-Chef Sam Altman stellte den Plan jedoch direkt Präsident Donald Trump und weiteren Vertretern des Weißen Hauses vor. Ein Anteil von fünf Prozent an OpenAI entspräche ungefähr 42 Milliarden Dollar. Grundlage dafür ist die Finanzierungsrunde vom März, bei der das Unternehmen mit 852 Milliarden Dollar bewertet wurde.

Altmans Angebot

Altman argumentiert, dass die Menschen am Aufstieg der künstlichen Intelligenz teilhaben würden, wenn das Unternehmen der Öffentlichkeit eine finanzielle Beteiligung einräumt. Dabei geht es nicht nur um OpenAI. Der Vorschlag sieht vor, dass auch die anderen großen US-Unternehmen der Branche, also Anthropic, Google und Meta, der Regierung einen ähnlichen Anteil überlassen. Diese Anteile würden in einer Art Staatsfonds gebündelt, der Vermögenswerte verwalten würde, deren Wert mit der Verbreitung künstlicher Intelligenz wächst.

Als Vorbild wählte Altman den Alaska Permanent Fund. Alaska gründete ihn 1976, um darin Überschüsse aus dem Verkauf von Erdöl anzulegen. Der Fonds investiert in Aktien und zahlt den Einwohnern des Bundesstaates jedes Jahr eine Dividende aus. Ende Mai hatte er einen Wert von fast 91 Milliarden Dollar. Es ist jedoch unklar, ob sich die anderen Unternehmen der Idee anschließen würden. Eine mit der Angelegenheit vertraute Quelle sagte dem Sender CNBC, dass die Trump-Regierung und Anthropic bislang nicht über eine staatliche Beteiligung gesprochen hätten.

Laut CNBC wird bereits seit mehr als einem Jahr über eine mögliche staatliche Beteiligung verhandelt, und Altman brachte die Idee dem Weißen Haus erstmals Anfang 2025 vor. Auch Handelsminister Howard Lutnick und Finanzminister Scott Bessent beteiligten sich an den Gesprächen.

Im April veröffentlichte OpenAI ein Dokument, in dem das Unternehmen einen neuen Ansatz für den Umgang mit den Folgen der sogenannten Superintelligenz beschrieb, also einer künstlichen Intelligenz, die selbst die klügsten Menschen übertrifft. Das Unternehmen schlug damals die Einrichtung eines öffentlichen Vermögensfonds vor, der jedem Bürger einen Anteil am durch künstliche Intelligenz bewirkten Wirtschaftswachstum sichern sollte, auch denjenigen, die selbst nicht an der Börse investieren.

Trump selbst sprach im vergangenen Monat über ähnliche Überlegungen. Er sagte Journalisten, er höre von Ideen, wonach Teile von Unternehmen der amerikanischen Öffentlichkeit zufallen könnten und die Menschen so zu Partnern dieser Gesellschaften würden. Er bezeichnete die Idee als interessant und versprach, dass die Regierung sie prüfen werde. Auch Senator Bernie Sanders meldete sich zu Wort. Laut FT drängt er auf eine wesentlich umfassendere Version des gesamten Plans. Er möchte, dass die Regierung über einen Staatsfonds direkt einen Anteil von fünfzig Prozent an allen großen Unternehmen der Branche erwirbt.

Hinter dem Angebot steht der Druck des Weißen Hauses

Das Weiße Haus entscheidet weiterhin darüber, wann OpenAI und Anthropic ihre leistungsfähigsten Modelle einem breiten Publikum anbieten dürfen. Altman selbst bezeichnete diesen Prozess als nicht ganz optimal. Hielte die Regierung einen Anteil am Unternehmen, hätte sie ein unmittelbares Interesse daran, ob die Veröffentlichung eines bestimmten Modells genehmigt oder gebremst wird. Altman schlug deshalb auch einen anderen Weg vor. Am Mittwoch brachte er die Idee eines internationalen Forums unter Führung der Vereinigten Staaten ins Spiel, das Regeln für künstliche Intelligenz festlegen würde. Dies würde es der Regierung ermöglichen, zu investieren, ohne so stark in die Entwicklung eingreifen zu müssen.

Doch nicht alle betrachten das Angebot wohlwollend. Investoren sagten dem Nachrichtenportal Axios, die ganze Idee wirke wie eine Werbeaktion, die den Eindruck erwecken solle, dass die Öffentlichkeit vom Boom der künstlichen Intelligenz profitiere, und zwar ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem die Technologie ihre Arbeitsplätze bedrohe. Ein Investor, der sowohl in Anthropic als auch in OpenAI investiert hat, sprach unverblümt von einem politischen Manöver, um sich die Gunst der Regierung zu sichern.

Auch David Sherman, Stratege für künstliche Intelligenz und finanzielle Inklusion beim Unternehmen io.net, übte Kritik. Eine staatliche Beteiligung stelle seiner Ansicht nach einen besorgniserregenden Meilenstein dar, der dem Wettbewerb zwischen den Unternehmen schaden werde. Sie würde einem Unternehmen gewissermaßen das staatliche Gütesiegel verleihen, während Millionen von Entwicklern, Forschern und Unternehmen aufgrund steigender Preise und mangelnder Rechenkapazitäten außen vor blieben.

Der Präzedenzfall Intel und die Frage nach dem Kongress

Die US-Regierung hat bereits ähnliche Schritte unternommen. Im vergangenen August übernahm sie einen Anteil von fast zehn Prozent an Intel, und bislang zahlt sich das aus. Die Aktien des Chipherstellers sind seitdem um beinahe 400 Prozent gestiegen, auch wenn dazu das breitere Wachstum der gesamten Halbleiterbranche beigetragen hat. Doch Intel war ein anderer Fall. Diesen Anteil erhielt die Regierung auf Grundlage des CHIPS Act. Eine Vereinbarung mit Unternehmen aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz würde höchstwahrscheinlich ein eigenes, vom Kongress verabschiedetes Gesetz erfordern.

Zudem bleibt die Frage, was eine staatliche Beteiligung eigentlich bewirken würde. Abgesehen davon, dass sie die Unternehmen der Branche enger mit einer ihrer derzeit größten Hürden verbinden würde, nämlich mit der Regierung selbst. Hinzu kommen Bedenken, ob Washington mit seinen Regeln zur Veröffentlichung von Modellen nicht schon jetzt den Vorsprung amerikanischer Unternehmen gegenüber China schwächt.

Es gibt auch andere Vorschläge dazu, wie die Öffentlichkeit am Gewinn aus künstlicher Intelligenz beteiligt werden könnte. Manche sprechen von einer Abgabe auf einen Teil des Gewinns vor Steuern, andere von einer Steuer auf jeden generierten Token. Der Berater für die Regulierung künstlicher Intelligenz Kevin Bankston sagte auf der Plattform X: Besteuert sie einfach. Bill Gates schlug bereits 2017 eine Robotersteuer vor, die die Automatisierung verlangsamen könnte. Seiner Ansicht nach sollten Roboter ebenso Steuern zahlen, wie Arbeitnehmer Einkommensteuer entrichten.

Altman selbst beschrieb seine Haltung Anfang der Woche in einem Gastbeitrag für die Financial Times. Er schrieb, dass Unternehmen die Technologie entwickeln, die Regeln jedoch von den Bürgern und ihren gewählten Vertretern geschaffen werden müssten.

Kategorie:KI
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