Fünfzig Milliarden Dollar. Das ist die Summe, die Amazon in OpenAI investieren will. Doch wie sich bald herausstellte, ist die ganze Angelegenheit nicht so geradlinig, wie sie auf den ersten Blick scheint.
Laut einem Bericht von The Information würde Amazon lediglich 15 Milliarden Dollar im Voraus zahlen. Die verbleibenden 35 Milliarden Dollar hängen von der Erfüllung einer von zwei Bedingungen ab: Entweder geht OpenAI im Rahmen eines Börsengangs (IPO) an die Börse oder erreicht einen vorab definierten Meilenstein im Bereich der künstlichen allgemeinen Intelligenz, also AGI. Die Verhandlungen laufen noch, und die endgültigen Bedingungen stehen noch nicht fest.
Was ist AGI eigentlich?
AGI, also künstliche allgemeine Intelligenz, ist für viele Menschen noch immer eher Science-Fiction als Realität. Dabei handelt es sich um ein hypothetisches System, das jede intellektuelle Aufgabe genauso gut wie ein Mensch oder sogar besser bewältigen könnte. OpenAI bezeichnet das Erreichen von AGI als sein oberstes Ziel. Aber wann genau wird es so weit sein? Und wer entscheidet, dass es erreicht wurde?
Genau hier liegt der Kern der ganzen Geschichte. Eine an einen AGI-Meilenstein geknüpfte Bedingung ist äußerst ungewöhnlich. Investoren knüpfen Finanzierungen üblicherweise an konkrete finanzielle Ergebnisse und nicht an technologische Durchbrüche, deren Definition zumindest vage ist. Amazon signalisiert damit, dass das Unternehmen die Zukunft der KI sehr ernst nimmt, hält sich zugleich aber ein Hintertürchen offen.
Wer setzt noch auf OpenAI?
Amazon ist in diesem Rennen nicht allein. Demselben Bericht zufolge planen SoftBank und Nvidia, jeweils 30 Milliarden Dollar zu investieren, und zwar in drei über das Jahr verteilten Tranchen. Das Gesamtvolumen der laufenden Finanzierungsrunde könnte damit 100 Milliarden Dollar übersteigen. Eine solche Summe ist in der Geschichte der Technologiebranche beispiellos.
OpenAI benötigt dieses Geld dringend. Das Unternehmen verbraucht enorme Mittel für den Betrieb von Rechenzentren und die Entwicklung neuer Modelle. Ohne einen massiven Kapitalzufluss könnte es sein Wachstumstempo nicht aufrechterhalten.
Sollte die Investition von Amazon vollständig zustande kommen, würde das Unternehmen zum größten Kapitalgeber dieser Finanzierungsrunde und damit sogar Microsoft überholen, den bisherigen wichtigsten Partner von OpenAI. Das wäre eine bemerkenswerte Wende, denn Microsoft hat mehr als 13 Milliarden Dollar in OpenAI investiert und galt lange Zeit als dessen engster Verbündeter.
Warum will Amazon überhaupt in OpenAI investieren?
Amazon betreibt eigene KI-Forschung und entwickelt eigene Modelle. Warum also einen Konkurrenten finanzieren? Die Antwort ist pragmatisch. OpenAI betreibt ChatGPT, das weltweit meistgenutzte KI-Tool. Wer die Infrastruktur hostet und die Rechenleistung bereitstellt, verdient unabhängig davon, wer am Ende das Rennen um das beste Modell „gewinnt“.
Amazon Web Services (AWS), die Cloud-Sparte von Amazon, ist zugleich einer der größten Anbieter von Serverkapazitäten für KI-Unternehmen. Eine engere Partnerschaft mit OpenAI würde einen direkten Zustrom von Aufträgen bedeuten. Geschäft ist Geschäft, auch wenn es sich als technologische Vision präsentiert.
Reuters weist darauf hin, dass OpenAI einen Börsengang vorbereitet, bei dem das Unternehmen mit rund einer Billion Dollar bewertet werden könnte. Sollte dies gelingen, würde die an Bedingungen geknüpfte Investition von Amazon automatisch freigegeben, und Amazon säße auf einem enormen Gewinn.



