Warum OpenAI die Rechenzentren in Texas aufgab, die nun Microsoft übernimmt

Warum OpenAI die Rechenzentren in Texas aufgab, die nun Microsoft übernimmt

Ondřej Barták
Ondřej Barták
Unternehmer und Programmierer
31. 3. 2026
3 Minuten Lesezeit
Warum OpenAI die Rechenzentren in Texas aufgab, die nun Microsoft übernimmt

Etwa eine Autostunde von Dallas entfernt liegt die Stadt Abilene. Bis vor Kurzem diente die dortige Landschaft Kojoten und Wegekuckucken als Lebensraum. Heute befindet sich dort einer der weltweit größten Standorte für den Betrieb künstlicher Intelligenz. Und seine Geschichte hat gerade eine überraschende Wendung genommen. Der Rechenzentrumsentwickler Crusoe baute diesen riesigen Campus ursprünglich für OpenAI und Oracle. Doch die Verhandlungen gerieten ins Stocken. Die Finanzierung kam nicht voran, die Anforderungen von OpenAI änderten sich, und schließlich zogen sich beide Unternehmen von der Erweiterung des Projekts zurück. Der Standort blieb frei. Aber nicht lange.

Microsoft hat mit Crusoe einen Vertrag über die Anmietung des Standorts mit einer Kapazität von rund 700 Megawatt unterzeichnet. Es handelt sich um ein Grundstück direkt neben dem Vorzeigeprojekt Stargate, das OpenAI und Oracle seit Anfang vergangenen Jahres errichten. Microsoft wird dort nun zwei neue Gebäude, sogenannte „KI-Fabriken“, sowie ein eigenes Kraftwerk bauen.

Projekt Stargate

Es handelt sich um eines der ambitioniertesten Infrastrukturprojekte der KI-Ära in den USA. Präsident Donald Trump kündigte es unmittelbar nach seinem Amtsantritt als Beweis für das amerikanische Selbstvertrauen bei der Entwicklung künstlicher Intelligenz an. Es war ein Projekt, auf das OpenAI, Oracle, SoftBank und Crusoe setzten.

Crusoe hat bereits zwei Gebäude für OpenAI und Oracle fertiggestellt. Oracle stattet sie zügig mit Servern aus, auf denen OpenAI seine Produkte einschließlich ChatGPT trainiert und betreibt. Sechs weitere Gebäude für die ursprünglichen Partner werden derzeit fertiggestellt und sollen bis Ende dieses Jahres bezugsfertig sein.

Noch im März 2026 bestätigte OpenAI, dass Abilene sein größter Campus für KI-Infrastruktur in den USA ist. Das Unternehmen entschied sich jedoch, seine Kapazitäten nicht hier, sondern an anderen Orten weiter auszubauen. Sachin Katti, Leiter der Recheninfrastruktur bei OpenAI, erklärte es ganz einfach: Man habe beabsichtigt, in Abilene zu expandieren, sich letztlich aber für andere Standorte entschieden. OpenAI entwickelt demnach mehr als ein halbes Dutzend Standorte in den gesamten Vereinigten Staaten, unter anderem gemeinsam mit Oracle in Wisconsin.

Microsoft und OpenAI

Diese Wendung hat noch eine weitere interessante Dimension. Microsoft hält eine Beteiligung von rund 27 % an OpenAI und war bis vor Kurzem dessen exklusiver Anbieter von Cloud-Diensten. Die Beziehung zwischen den beiden Unternehmen nimmt jedoch eine andere Form an. Zunehmend bauen sie parallel ihre eigene Infrastruktur auf, obwohl sie sich ein Gelände in Texas teilen. Ja, Microsoft und OpenAI werden in Abilene also buchstäblich Nachbarn sein. Und zugleich Konkurrenten.

Microsoft hat in den vergangenen Monaten deutlich an Tempo zugelegt. Innerhalb eines einzigen Quartals ging das Unternehmen Verpflichtungen zur Anmietung von Serverräumen im Wert von rund 50 Milliarden Dollar ein. Das war eine Kehrtwende gegenüber der Situation vor einem Jahr, als das Unternehmen zahlreiche Projekte stoppte oder verlangsamte. Jetzt nutzt es jeden freien Standort, der verfügbar wird.

Ein 900-Megawatt-Kraftwerk und die Klimafrage

Teil der neuen Vereinbarung mit Crusoe ist auch der Bau eines Gaskraftwerks mit einer Leistung von 900 Megawatt. Das ist deutlich mehr als das bestehende 350-Megawatt-Kraftwerk, das Oracle als Notstromquelle für seinen Campus bezeichnet. Die Rechenzentren beziehen ihren Strom nämlich primär aus dem regionalen Netz, in dem Windkraftanlagen eine wichtige Rolle spielen. Doch der Betrieb von KI in einem solchen Umfang verbraucht enorme Mengen an Energie. Und diese stammt bislang zu einem großen Teil aus fossilen Brennstoffen. Sam Altman, der Chef von OpenAI, räumte dies bei einem Besuch in Abilene selbst ein: „Wir verbrennen Gas, um dieses Rechenzentrum zu betreiben.“ In der Hoffnung, dass sich das mit der Zeit ändern wird.

Der gesamte Microsoft-Standort wird einschließlich der zusätzlichen Gebäude eine Gesamtleistung von 2,1 Gigawatt erreichen. Zum Vergleich: Ein durchschnittliches Kohlekraftwerk erzeugt rund 500 Megawatt. Diese Zahlen sprechen für sich.

Weitere Quellen: theinformation.com und constructionreviewonline.com

Kategorie:KI
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