Vernichtet KI Arbeitsplätze junger Menschen? Sechs Fakten aus der Forschung
Eine neue Studie von Erik Brynjolfsson, Bharat Chandar und Ruyu Chen zeigt, wie generative künstliche Intelligenz (KI) den US-amerikanischen Arbeitsmarkt zu verändern beginnt. Sie nutzten Daten des größten Lohn- und Gehaltsabrechnungsdienstleisters in den USA, der Millionen von Beschäftigten in Zehntausenden von Unternehmen erfasst. Sie konzentrierten sich auf den Zeitraum von Ende 2022 bis Juli 2025, in dem sich KI-Tools wie ChatGPT rasch verbreiteten. Die Ergebnisse zeigen, dass junge Beschäftigte im Alter von 22 bis 25 Jahren in Berufen, die KI am stärksten ausgesetzt sind, wie Softwareentwicklung oder Kundensupport, die größten Auswirkungen spüren.
Beschäftigungsrückgang bei jungen Menschen
Erster Fakt: Die Beschäftigung junger Arbeitnehmer im Alter von 22 bis 25 Jahren in den am stärksten KI-exponierten Berufen sank von Ende 2022 bis Juli 2025 um 6 %. Ältere Beschäftigte in denselben Bereichen, etwa Softwareentwickler oder Kundendienstmitarbeiter, verzeichneten dagegen ein Beschäftigungswachstum von 6–9 %. In weniger exponierten Berufen, etwa bei Gesundheitsassistenten, stieg die Beschäftigung in allen Altersgruppen. Die Forscher verwendeten Daten von ADP, die monatliche Gehaltsaufzeichnungen von Millionen Beschäftigten umfassen, und verknüpften sie mit Messungen der KI-Exposition aus Studien wie Eloundou et al. (2024) und Handa et al. (2025).
Dieser Trend ist auch in anderen Quellen zu erkennen. Einer Analyse der Brookings Institution zufolge konzentriert sich KI beispielsweise auf die Automatisierung von Aufgaben, wodurch der Bedarf an neuen Hochschulabsolventen in Bereichen wie der Programmierung sinkt. Weitere Studien zeigen, dass KI eher das „Buchwissen“ junger Menschen als die Erfahrung älterer Beschäftigter ersetzt.
Beschäftigungswachstum, aber Stagnation bei jungen Menschen
Zweiter Fakt: Die Gesamtbeschäftigung in den USA wächst weiterhin, doch bei jungen Arbeitnehmern im Alter von 22 bis 25 Jahren stagniert das Wachstum seit Ende 2022. In weniger exponierten Berufen erleben junge Menschen ein ähnliches Wachstum wie ihre älteren Kollegen, doch in Berufen mit hoher KI-Exposition sinkt ihre Beschäftigung um 6 %. Ältere Beschäftigte im Alter von 35 bis 49 Jahren verzeichnen dagegen ein Wachstum von mehr als 9 %. Dies deutet darauf hin, dass der Rückgang in KI-exponierten Bereichen den Gesamtfortschritt für junge Menschen bremst.
Online-Quellen wie ein Artikel von The Indian Express betonen, dass dieser Rückgang vor allem bei Einstiegspositionen zu beobachten ist, in denen Unternehmen weniger Berufsanfänger einstellen, weil KI-Tools einfache Aufgaben automatisieren.
Automatisierung versus Unterstützung: Unterschiede bei den Auswirkungen von KI
Dritter Fakt: Der Beschäftigungsrückgang konzentriert sich auf Berufe, in denen KI die Arbeit eher automatisiert als unterstützt. Nach der Messung von Handa et al. (2025), die Anfragen an das Modell Claude analysiert, sinkt die Beschäftigung junger Menschen in Bereichen mit hoher Automatisierung, etwa im Kundensupport. In Berufen, in denen KI die menschliche Arbeit unterstützt (augmentiert), etwa bei Führungskräften, steigt die Beschäftigung hingegen. In Bereichen wie der Softwareentwicklung sinkt die Zahl der Einstiegsstellen um 13 %, während sie in weniger automatisierten Rollen stabil bleibt.
Auswirkungen nach Berücksichtigung unternehmensspezifischer Faktoren
Vierter Fakt: Selbst nach Berücksichtigung unternehmensspezifischer Schocks, etwa Veränderungen der Zinssätze, sinkt die relative Beschäftigung junger Menschen in den am stärksten exponierten Berufen um 12–13 %. Die Forscher verwendeten eine Regressionsanalyse mit festen Unternehmens- und Zeiteffekten, was bestätigt, dass die Trends nicht nur durch externe Faktoren verursacht werden. Bei älteren Altersgruppen ist der Effekt deutlich geringer und statistisch nicht signifikant. Das bedeutet, dass KI tatsächlich die Einstellungspraxis beeinflusst und nicht nur allgemeine Veränderungen in den Unternehmen.
Anpassungen über die Beschäftigung, nicht über die Löhne
Fünfter Fakt: Die Veränderungen zeigen sich eher bei der Beschäftigung als bei den Löhnen. Die Löhne junger Menschen in KI-exponierten Berufen sind nicht deutlich gesunken, was auf Lohnstarrheit hindeutet. Statt die Gehälter zu senken, stellen Unternehmen weniger neue Mitarbeiter ein.
Online-Analysen, etwa von Derek Thompson auf Substack, ergänzen, dass sich dies in Daten über den Rückgang von Stellenanzeigen für Einstiegspositionen zeigt, während die Löhne stabil bleiben.
Ergebnisse in verschiedenen Stichproben
Sechster Fakt: Diese Trends gelten auch nach dem Ausschluss von Berufen, die mit Fernarbeit oder dem IT-Sektor verbunden sind. Die Forscher untersuchten Daten ab 2018 und stellten fest, dass die KI-Exposition vor 2022 keine Rückgänge vorhersagte, auch nicht während der COVID-19-Pandemie. Dies gilt für Bereiche mit einem hohen wie auch einem niedrigen Anteil an Hochschulabsolventen und schließt damit den Einfluss einer schlechteren Ausbildung während der Pandemie aus.



