UBS führt KI-Klone ihrer Analysten ein
Die Schweizer Großbank UBS mit Sitz in Zürich hat mit dem Einsatz von KI-Avataren ihrer Analysten begonnen, um die wachsende Nachfrage der Kunden nach Research-Inhalten im Videoformat zu bedienen. Diese wegweisende Initiative nutzt fortschrittliche Modelle von OpenAI und Synthesia, um realistische digitale Versionen der UBS-Experten zu erstellen, und stellt damit einen bedeutenden Fortschritt beim Einsatz künstlicher Intelligenz in Finanzdienstleistungen dar.
Und wie funktioniert das Ganze?
Der Prozess zur Erstellung dieser KI-Avatare ist sorgfältig darauf ausgelegt, die Authentizität und Qualität der Research-Inhalte zu bewahren. Die Analysten nehmen freiwillig an dem Prozess teil und lassen dabei mithilfe der Synthesia-Technologie in einem Studio ihr Aussehen und ihre Stimme aufzeichnen. Anschließend nutzt das System Sprachmodelle, etwa jene von OpenAI, um die schriftlichen Berichte des Analysten zu analysieren und ein Videoskript zu erstellen. Der gesamte Prozess basiert auf Transparenz und Qualitätskontrolle: Die Analysten müssen vor der Veröffentlichung sowohl das Skript selbst als auch das fertige Video genehmigen. Sämtliche Inhalte mit einem KI-Avatar werden während des gesamten Videos deutlich als mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt gekennzeichnet. Scott Solomon, Leiter der globalen Research-Technologie im Investmentbanking von UBS, nannte zwei Hauptfaktoren, die zur Einführung dieser Technologie geführt haben. Der erste ist die wachsende Nachfrage der Kunden, Research-Inhalte in Form kurzer Videos zu konsumieren – ein Trend, der durch Plattformen wie TikTok geprägt wurde. Der zweite Faktor ist die durch die Avatare ermöglichte operative Effizienz. Dank ihnen können sich die Analysten stärker auf ihre eigentliche Forschungsarbeit konzentrieren und zugleich den Bedarf der Kunden an zeitnahen Video-Updates erfüllen.
Mehr Videos und natürlich Sicherheit
Die deutliche Effizienzsteigerung wird anhand der von UBS veröffentlichten Zahlen sichtbar. Aufgrund der begrenzten Studiokapazitäten produzierte die Bank traditionell etwa 1.000 Research-Videos pro Jahr, obwohl sie jährlich rund 50.000 Dokumente veröffentlicht. Mit dieser neuen Technologie will UBS die Produktion auf etwa 5.000 Avatar-Videos pro Jahr skalieren, was einer Verfünffachung der Produktionskapazität entspricht. Die Bank legt großen Wert auf Transparenz und Sicherheitsmaßnahmen. Scott Solomon betont: „Während des gesamten Videos sehen Sie am unteren Bildrand den Hinweis ‚Dieser Inhalt wurde mithilfe von KI erstellt‘. Wir versuchen keinesfalls, den Analysten aus Fleisch und Blut zu ersetzen.“ Die Teilnahme am Programm ist für die Analysten strikt freiwillig, und sämtliche Anwendungsfälle bedürfen vor ihrer Einführung oder Veröffentlichung der ausdrücklichen Genehmigung sowohl der Personalabteilung als auch der jeweiligen Analysten.
Die Implementierung verlief jedoch nicht ohne technische Herausforderungen. Beim Einsatz traten einige Probleme auf, insbesondere bei der präzisen Nachbildung bestimmter Akzente, was bisweilen zu weniger authentisch klingenden Avataren führte. Als Reaktion auf diese Probleme verlangsamte UBS die Einführung für die betroffenen Mitarbeiter, bis die Schwierigkeiten behoben waren. Dies unterstreicht das Bestreben der Bank, eine hohe Qualität und Authentizität der Ergebnisse zu gewährleisten. Dieser Schritt von UBS verdeutlicht einen Trend unter großen Finanzinstituten, die mit generativen KI-Tools experimentieren, um Kosten zu senken und die Effizienz zu steigern, während sie zugleich proaktiv auf die sich wandelnden Medienkonsumgewohnheiten ihrer Kunden reagieren. Während andernorts weiterhin Bedenken hinsichtlich Deepfakes bestehen, insbesondere im Hinblick auf den Missbrauch des Abbilds von Prominenten, gewährleistet UBS eine strenge Kontrolle über die Offenlegung der Authentizität und versucht nicht, die Avatare als echte Menschen auszugeben.



