Robinhood-Gründer will Rechenzentren im All bauen – und dafür sogar eine eigene Rakete entwickeln

Robinhood-Gründer will Rechenzentren im All bauen – und dafür sogar eine eigene Rakete entwickeln

Ondřej Barták
Ondřej Barták
Unternehmer und Programmierer
12. 5. 2026
4 Minuten Lesezeit
Robinhood-Gründer will Rechenzentren im All bauen – und dafür sogar eine eigene Rakete entwickeln

    Amerikanische Unternehmer kommen mit einer Idee, die noch vor wenigen Jahren wie die Handlung eines Science-Fiction-Films klang. Rechenzentren in der Erdumlaufbahn, angetrieben durch Sonnenenergie, ohne Überhitzungsprobleme und mit praktisch unbegrenzter Energieversorgung. Das Startup Cowboy Space Corporation hat gerade den Abschluss einer Finanzierungsrunde über 275 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 2 Milliarden Dollar bekannt gegeben. Und es hat einen konkreten Plan, wie dieses Ziel erreicht werden soll.

    Firmengründer und -chef Baiju Bhatt ist kein Neuling. Derselbe Mann steht hinter der Börsen-App Robinhood, die Millionen von Kleinanlegern an die amerikanischen Märkte brachte. Diesmal widmet er sich jedoch der Physik und dem Weltraum.

    Von Solarenergie zu KI-Rechenleistung

    Das Unternehmen wurde ursprünglich 2024 unter dem Namen Aetherflux gegründet, mit dem Ziel, Sonnenenergie im Weltraum zu sammeln und zur Erde zu übertragen. Nach und nach erkannten Bhatt und sein Team jedoch, dass es am sinnvollsten ist, diese Energie direkt dort zu verbrauchen, wo sie entsteht. Also in der Umlaufbahn.

    Auslöser war das explosionsartig wachsende Interesse an künstlicher Intelligenz. Rechenzentren auf der Erde haben gleichzeitig mit zwei Problemen zu kämpfen: dem Mangel an elektrischer Energie und der Kühlung. Im Weltraum herrschen andere Bedingungen. Die Sonne scheint ununterbrochen und ohne atmosphärische Abschwächung, während die Wärmeabgabe an den umgebenden Raum ohne Kühltürme oder riesige Klimaanlagen funktioniert.

    Das Unternehmen plant noch in diesem Jahr den Start seines ersten Satelliten, der die Übertragung von Energie aus der Umlaufbahn zur Erde mithilfe von Infrarotlasern erproben soll. Es handelt sich um einen Technologiedemonstrator, den Bhatt selbst als „Baustein“ beschrieb, „doch langfristig interessiert uns die Nutzung dieser Energie in der Umlaufbahn für KI-Berechnungen und nicht nur ihre Übertragung nach unten.“

    Die Rakete als Rechenzentrum: eine Idee, die die gesamte Architektur verändert

    Cowboy Space will nicht nur Satelliten in die Umlaufbahn bringen. Das Unternehmen hat beschlossen, eine eigene Trägerrakete zu bauen. Warum? Bhatt wandte sich an zahlreiche Startanbieter, fand jedoch bei keinem ausreichende Kapazitäten oder ein wirtschaftlich sinnvolles Angebot. „Der Raketenmarkt ist für die nächsten drei bis vier Jahre extrem angespannt, und die führenden Raketenbetreiber werden sich auf ihre eigenen Nutzlasten konzentrieren“, sagte er. Einfach ausgedrückt: SpaceX wird in erster Linie für sich selbst starten. Blue Origin ebenso. Für Dritte bleiben nur Krümel übrig.

    Cowboy Space entwickelte deshalb eine Idee, die in der Raumfahrtindustrie ihresgleichen sucht. Die Oberstufe der Rakete wird nach dem Aussetzen der Nutzlast nicht zu entsorgtem Abfall, sondern selbst zum Rechenzentrum. Jede Oberstufe bleibt in der Umlaufbahn und wird zu einem Rechenzentrum mit einer Leistung von 1 Megawatt. Die Struktur der Stufe dient zugleich als Kühlkörper.

    Ein „First-Principles-Ansatz“, wie Bhatt es ausdrückt. Er nahm kein terrestrisches Rechenzentrum und passte es an den Weltraum an. Stattdessen entwarf er das gesamte System von Grund auf so, dass es gerade dort optimal funktioniert. Die geplante Rakete wird größer sein als die Falcon 9 von SpaceX (die 70 Meter hoch ist), aber kleiner als Starship. Die angestrebte Nutzlastkapazität beträgt 20 bis 25 Tonnen in die Umlaufbahn. Den ersten Start der eigenen Rakete plant Cowboy Space vor Ende 2028.

    NVIDIA im Weltraum und ein Team aus Veteranen von SpaceX und Blue Origin

    Cowboy Space hat eine Zusammenarbeit mit NVIDIA zur Bereitstellung von NVIDIA-Space-1-Vera-Rubin-Modulen vereinbart, also Hardware für KI-Berechnungen, die an die Bedingungen einer niedrigen Erdumlaufbahn angepasst ist. Jedes Rechenzentrum kann rund 800 Grafikkarten aufnehmen.

    Den ersten „Galactic Brain“-Knoten, also das erste orbitale Rechenzentrum, will das Unternehmen Anfang 2027 in Betrieb nehmen.

    Zum Projektteam gehören Tyler Grinnell, der ehemalige Leiter der Startoperationen bei SpaceX, und Warren Lamont, der bei Blue Origin die Entwicklung von Raketentriebwerken und der Raketenunterstufe leitete. Das Unternehmen entwickelt selbst ein eigenes Raketentriebwerk. Die Satellitentechnik entsteht in Seattle, die Triebwerksentwicklung erfolgt in Los Angeles.

    „Wir entwickeln die Trägerrakete, die Oberstufe und die orbitale Rechenplattform als ein integriertes System, das speziell für KI-Infrastruktur in der Umlaufbahn optimiert ist“, sagt Bhatt. Für die zentrale Architektur will das Unternehmen keine externen Anbieter einsetzen.

    Ein überfüllter Markt und ein Rennen, das gerade erst beginnt

    Cowboy Space ist nicht das einzige Unternehmen, das diesen Markt anvisiert. Das Startup Starcloud erreichte im vergangenen Jahr nach einer Finanzierungsrunde über 170 Millionen Dollar eine Bewertung von mehr als einer Milliarde Dollar und sucht nun nach mindestens weiteren 200 Millionen. Auch SpaceX und Blue Origin erwägen orbitale Rechenzentren. Das KI-Unternehmen Anthropic bekundete kürzlich Interesse an der Nutzung orbitaler Rechenzentren von SpaceX.

    Google arbeitet am Projekt Suncatcher, das jedoch eher auf die Mitte der 2030er-Jahre abzielt. Starcloud plant bislang, Starship von SpaceX zu nutzen. Gerade die Abhängigkeit von externen Raketen betrachtet Bhatt als Schwachstelle der Konkurrenz.

    Das Startup hat bislang noch keinen einzigen Satelliten gestartet, keine vollständigen Anträge bei der US-amerikanischen Federal Communications Commission eingereicht, und das Raketenprogramm steht erst am Anfang. Bhatt betrachtet dies jedoch als Vorteil eines unbeschriebenen Blattes. „Wir konzentrieren uns darauf, unsere Fähigkeiten nachzuweisen, bevor wir zu vollständigen kommerziellen Dienstleistungen übergehen.“

    Quellen: techcrunch.com, spacenews.com und cryptobriefing.com

    Kategorie:KI
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