OpenAI hat Jalapeño vorgestellt, seinen ersten Prozessor, der speziell für den Betrieb großer Sprachmodelle entwickelt wurde. Der Chip entstand in Zusammenarbeit mit dem Technologieunternehmen Broadcom und wurde vom taiwanischen Hersteller TSMC gefertigt. Es handelt sich um den ersten Schritt eines langfristigen Plans, mit dem OpenAI eine eigene Hardwareinfrastruktur aufbauen will, statt ausschließlich auf Lieferungen von Nvidia angewiesen zu sein.
Der Chip ist ausschließlich für die sogenannte Inferenz konzipiert, also den Prozess, bei dem ein Modell die Anfrage eines Nutzers verarbeitet und eine Antwort ausgibt. Jedes Mal, wenn ChatGPT jemandem eine Frage beantwortet, Code generiert oder ein Dokument analysiert, findet genau diese Inferenz statt. Und gerade dieser Teil des Betriebs verursacht OpenAI die höchsten Kosten.
Auch OpenAI-Modelle arbeiteten an dem Chip mit
Die Entwicklung des Chips von der ersten Idee bis zur Übergabe an die Fertigung dauerte lediglich neun Monate. Für die Verhältnisse der Halbleiterindustrie ist das eine außergewöhnlich kurze Zeit. OpenAI räumte dabei ein, dass ein Teil des Entwicklungs- und Optimierungsprozesses direkt von den eigenen Modellen durchgeführt wurde. „Das Ausmaß, in dem unsere Modelle die Entwicklung beschleunigen konnten, hat selbst uns überrascht“, sagte OpenAI-Präsident Greg Brockman in einem Interview mit CNBC.
Der Chip wurde von OpenAI-Ingenieuren von Grund auf entwickelt. Broadcom kümmerte sich um die Implementierung des Siliziums, der Platinen und die Integration in Serversysteme. Die Server-Racks werden anschließend vom kanadischen Elektronikhersteller Celestica gebaut. Produktionsmuster von Jalapeño laufen derzeit bereits in den Laboren von OpenAI und verarbeiten reale Arbeitslasten, darunter das Modell GPT-5.3-Codex-Spark, mit den angestrebten Leistungs- und Verbrauchswerten.
Mit Nvidia-Chips vergleichbare Leistung bei halbierten Kosten
Ersten Tests zufolge ist der Chip deutlich effizienter als bestehende Spitzenalternativen. Genaue Zahlen hat OpenAI bislang nicht veröffentlicht, ein ausführlicherer technischer Bericht soll jedoch in den kommenden Monaten erscheinen. Broadcom-CEO Hock Tan nannte in einem Interview mit Bloomberg allerdings eine konkrete Zahl: Im Vergleich zu herkömmlichen Grafikprozessoren für künstliche Intelligenz bietet Jalapeño eine Kostenersparnis von rund 50 %.
Tan erklärte außerdem, dass Jalapeño hinsichtlich seiner Leistung mit Nvidias Blackwell-Chips oder den Tensor-Prozessoren vergleichbar sei, die Google für den eigenen Bedarf entwickelt. Der Einsatz in Rechenzentren soll noch vor Ende dieses Jahres beginnen. OpenAI plant, die Chips in die großen Rechenzentren seines Investors Microsoft und weiterer Partner zu integrieren.
OpenAI hat ein Problem mit unzureichender Rechenkapazität
Hinter dem gesamten Projekt steht eine Nachfrage nach Rechenleistung, die schneller wächst, als OpenAI sie bereitstellen kann. „Wir können Rechenkapazitäten schlicht nicht schnell genug beschaffen“, sagte Brockman. Tan bestätigte diese Einschätzung. Die Nachfrage seiner sechs Kunden, die eigene Chips herstellen, sei ihm zufolge „unersättlich“. Und das nicht nur in diesem oder im nächsten Jahr. „Auch für 2028 sehen wir eine gleich hohe, wenn nicht sogar noch höhere Nachfrage“, fügte er hinzu.
OpenAI erweitert daher seit einigen Monaten aktiv seinen Kreis an Hardwarelieferanten. Das Unternehmen schloss eine Vereinbarung mit Amazon Web Services über Trainium-Chips und arbeitet zudem mit AMD sowie Cerebras Systems zusammen. Der eigene Chip Jalapeño gehört jedoch in eine andere Kategorie, da OpenAI ihn selbst entwickelt hat und ausschließlich für den eigenen Betrieb einsetzen wird.
Von Produkten über Modelle bis hin zu Chips
Jalapeño wurde von Broadcom-Chef Hock Tan und Präsident Charlie Kawwas persönlich an CEO Sam Altman und Greg Brockman übergeben. Es war ein symbolischer Moment, den OpenAI selbst als entscheidenden Schritt in seiner Strategie bezeichnete, den gesamten Technologie-Stack unter dem eigenen Dach aufzubauen. „Indem wir mehr Ebenen des Stacks selbst entwickeln, können wir mehr Intelligenz mit höherer Effizienz bereitstellen“, schrieb Brockman in einer Pressemitteilung.
Die Partnerschaft mit Broadcom wurde von beiden Unternehmen im vergangenen Oktober bekannt gegeben, nachdem sie zuvor rund 18 Monate lang informell zusammengearbeitet hatten. Damals veröffentlichten sie Pläne, im Jahr 2027 Chips mit einer Kapazität von 1,3 Gigawatt einzusetzen. Tan deutet nun an, dass sie diese Grenze überschreiten wollen. Bis 2029 planen beide Unternehmen dann den Einsatz von Chips mit einer Gesamtleistung von 10 Gigawatt.
Jalapeño ist dabei nicht das endgültige Ziel, sondern das erste Glied einer geplanten Reihe mehrerer Prozessorgenerationen. OpenAI baut eine eigene technologische Basis auf, in der Chips, Rechenzentren und Modelle ein Gesamtsystem bilden, das auf ein einziges Ziel hin optimiert ist: schnellere, zuverlässigere und erschwinglichere künstliche Intelligenz.



