Die niederländische Regierung hat einen Plan vorgelegt, den Staaten auf der ganzen Welt aufmerksam verfolgen. Im Rahmen eines auf künstlicher Intelligenz basierenden Sparprogramms will sie 25.000 Stellen in der öffentlichen Verwaltung abbauen und dadurch jährlich 3,5 Milliarden Euro einsparen.
Warum Den Haag zu einem derart drastischen Schritt greift, zeigen die Zahlen der vergangenen Jahre. Ende 2025 arbeiteten für den niederländischen Staat rekordverdächtige 160.000 Beamte und Angestellte, 41 Prozent mehr als 2018. Und das, obwohl frühere Regierungen wiederholt versprochen hatten, ihre Zahl zu senken. Die geplante Kürzung betrifft ungefähr jede sechste Stelle und wird laut dem Nachrichtenportal DutchNews bis 2035 einem Rückgang um 16 Prozent entsprechen.
Hinter dem Plan steht Staatssekretär Eric van der Burg, der für das effiziente Funktionieren des Staates zuständig ist. Wir können nicht weiterhin alles so machen wie bisher, erklärte er. Seinen Worten zufolge wird die Regierung deshalb schwierige Entscheidungen treffen, damit der Staat tatsächlich einfacher, intelligenter und mit weniger Personal funktioniert.
Dabei steht die Niederlande finanziell weniger unter Druck als andere Länder. Das Haushaltsdefizit von 1,8 Prozent gehört zu den niedrigsten in der gesamten Europäischen Union. Doch in einem Land, das großen Wert auf eine sparsame Haushaltsführung legt, gibt selbst eine solche Zahl Anlass zur Sorge, insbesondere angesichts der langfristigen Aussichten.
Die Einsparungen werden schrittweise bis 2035 umgesetzt
Die Regierung will bis 2027 jährlich 900 Millionen Euro und ab 2035 bereits 3,5 Milliarden Euro einsparen. Laut Regierungserklärung entspricht dies ungefähr 25.000 Arbeitsplätzen, die über mehrere Jahre verteilt abgebaut werden sollen. Die Zahl ist jedoch noch nicht endgültig, da es sich um eine Schätzung handelt und die Regierung bislang nicht angegeben hat, wie viele dieser Stellen konkret durch künstliche Intelligenz ersetzt werden sollen. Nach Angaben des niederländischen öffentlich-rechtlichen Senders NOS hat van der Burg bisher auch nicht mitgeteilt, wie viele Menschen die einzelnen Ministerien verlassen müssen.
Sicher ist, dass die Kürzungen nicht alle gleichermaßen treffen werden. Polizei und Armee sind davon ausgenommen. Am stärksten betroffen sein werden hingegen Ministerien, Aufsichtsbehörden und Durchführungsagenturen, in denen einige Abteilungen laut einem Schreiben van der Burgs an das Parlament 45 oder sogar 60 Prozent ihrer Beschäftigten verlieren könnten.
Wie soll die Arbeit plötzlich mit so viel weniger Personal bewältigt werden? Die Regierung setzt auf zwei Dinge. Das erste ist die Abschaffung unnötiger Vorschriften. Das zentrale Programm, mit dem jedes Jahr 500 überflüssige oder übermäßig komplizierte Regelungen gestrichen werden sollen, soll laut van der Burg den gesamten Staatsapparat deutlich vereinfachen und den Bedarf an weiteren Beschäftigten verringern.
KI mit europäischem Etikett
Die zweite Säule sind Technologien. Verschiedene Projekte mit künstlicher Intelligenz laufen bereits seit einigen Jahren in mehreren Bereichen der öffentlichen Verwaltung, und die Regierung will sie ausweiten, damit die Beschäftigten mehr Arbeit bewältigen können. Als Beispiel nannte van der Burg die Prüfung von Steuererklärungen mithilfe digitaler Systeme. Einsparungen sollen auch durch die Vereinheitlichung der Computersysteme über verschiedene Behörden hinweg erzielt werden. Details fehlen bislang, und einen konkreten Plan für den Einsatz künstlicher Intelligenz will das Kabinett Anfang nächsten Jahres vorstellen.
Druck kommt auch aus dem Parlament. Van der Burg erinnerte an eine Reihe empfehlender Entschließungen, in denen die Abgeordneten die Regierung dazu auffordern, die Produktivität der öffentlichen Verwaltung mithilfe künstlicher Intelligenz um 20 Prozent zu steigern.
Der Plan hat auch eine weniger sichtbare Seite. Die Regierung will so weit wie möglich mit niederländischen und europäischen Anbietern zusammenarbeiten, damit sie nicht von Technologien aus Ländern außerhalb Europas abhängig wird.
Offene Fragen bleiben jedoch bestehen. Es ist unklar, ob sich ein Teil der Arbeit automatisieren lässt, ohne dass die Menschen bei den Behörden schlechtere Dienstleistungen erhalten. Die Niederlande sind zudem nicht das einzige Land, das diesen Weg einschlägt. Auch Unternehmen setzen beim Personalabbau immer häufiger auf künstliche Intelligenz. Microsoft bot kürzlich rund 60.000 Menschen Abfindungen an, und die Deutsche Telekom will mithilfe von KI bis 2030 etwa 2,5 Milliarden Euro einsparen.
Quellen: thestar.com, bloomberg.com und theprint.in



