Microsoft stiehlt Google KI-Talente, um seinen Copilot zu retten
Microsoft hat in den vergangenen Monaten etwa zwei Dutzend Mitarbeiter des auf künstliche Intelligenz (KI) spezialisierten Forschungslabors Google DeepMind eingestellt. Dieser Schritt ist Teil der Bemühungen, die eigene Sparte Microsoft AI zu stärken, die Produkte wie den Assistenten Copilot und die Suchmaschine Bing entwickelt. Zu den neu eingestellten Mitarbeitern gehören renommierte Experten, die umfassende Erfahrungen mit der Entwicklung fortschrittlicher KI-Systeme mitbringen. So wechselte etwa Amar Subramanya, der 16 Jahre bei Google tätig war und zuletzt als Vice President of Engineering an der Entwicklung des Assistenten Gemini arbeitete, als Corporate Vice President zu Microsoft AI. Diesen Wechsel gab er auf seinem LinkedIn-Profil bekannt.
Eine weitere wichtige Verstärkung ist Adam Sadovsky, der fast 18 Jahre bei Google tätig war, zuletzt als Distinguished Software Engineer und Senior Director bei DeepMind. Nun bekleidet er die Position des Corporate Vice President bei Microsoft AI. Zum Team stieß außerdem Sonal Gupta, eine ehemalige leitende Ingenieurin bei Google DeepMind, die nun als Mitglied des technischen Personals in Suleymans Team arbeitet. Jonas Rothfuss, der ein Jahr als Forschungswissenschaftler bei Google DeepMind tätig war, wechselte im Mai als Mitglied des technischen Personals zu Microsoft AI. All diese Wechsel bestätigen, dass Microsoft gezielt Talente direkt aus dem konkurrierenden Forschungslabor abwirbt.
Mustafa Suleymans Rolle bei der Personalgewinnung
Diese Rekrutierungsoffensive wird von Mustafa Suleyman geleitet, dem CEO der Sparte Microsoft AI, der direkt an Microsoft-CEO Satya Nadella berichtet. Suleyman ist Mitbegründer von DeepMind, das Google im Jahr 2014 übernahm. Im Jahr 2022 verließ er Google, um das auf KI spezialisierte Start-up Inflection zu leiten, und wurde im vergangenen Jahr Führungskraft bei Microsoft, wohin er mehrere Mitarbeiter von Inflection mitbrachte. Heute wird DeepMind von einem anderen Mitbegründer, Demis Hassabis, geleitet. Suleymans Einfluss ist offensichtlich – seine Kenntnisse des DeepMind-Umfelds helfen ihm dabei, ehemalige Kollegen für Microsoft zu gewinnen, was den Wettbewerbsvorteil im KI-Bereich stärkt.
Wettbewerb in der KI-Branche und damit verbundene Trends
Diese Rekrutierung ist kein Einzelfall; sie spiegelt den Kampf um Talente im Technologiesektor wider. So bot das Unternehmen Meta Mitarbeitern des Start-ups OpenAI beispielsweise Antrittsprämien in Höhe von 100 Millionen Dollar an und konnte Scale-AI-CEO Alexandr Wang sowie den ehemaligen GitHub-CEO Nat Friedman einstellen. Google selbst stellte im Rahmen einer Vereinbarung über 2,4 Milliarden Dollar den CEO und weitere Mitarbeiter des KI-Start-ups Windsurf ein. Microsoft und Meta werben beide aggressiv führende KI-Talente direkt von DeepMind ab, was die strategische Bedeutung von Experten auf diesem Gebiet unterstreicht.
Interessant ist, dass diese Rekrutierungsaktivitäten parallel zu Entlassungen bei Microsoft stattfinden. Das Unternehmen gab kürzlich bekannt, rund 9.000 Mitarbeiter zu entlassen, was weniger als 4 % seiner weltweiten Belegschaft entspricht. Dieser Schritt dient dazu, Ressourcen zugunsten von Investitionen in KI umzuschichten, und zeigt, wie Microsoft seine Prioritäten neu ordnet. Verfügbaren Berichten zufolge ermöglichen diese Entlassungen, finanzielle Mittel für die Rekrutierung hochkarätiger Spezialisten wie jener von DeepMind bereitzustellen.
Auswirkungen auf Produkte wie Copilot und Gemini
Die neu eingestellten Experten arbeiten an dem verbraucherorientierten Assistenten Copilot, der direkt mit Googles Assistenten Gemini konkurriert. Dieser Wettstreit zwischen Microsoft und Google verdeutlicht, wie die Technologiegiganten versuchen, den KI-Bereich zu dominieren. Amar Subramanya bringt beispielsweise Erfahrungen direkt aus der Entwicklung von Gemini mit, was zur Verbesserung von Copilot und Bing beitragen könnte. Ebenso steuern Adam Sadovsky und andere Neuzugänge fundierte Kenntnisse aus der DeepMind-Forschung bei, was Microsofts Position in dem sich rasant entwickelnden Bereich stärkt.
Insgesamt zeigt diese Rekrutierung, wie Microsoft in Humankapital investiert, um mit der Konkurrenz Schritt zu halten. Mit mehr als 24 von DeepMind abgeworbenen KI-Forschern und Ingenieuren wird erwartet, dass dies die Entwicklung neuer KI-Produkte beschleunigt. Dieser Trend setzt sich fort, da Unternehmen wie Microsoft, Meta und Google fortwährend um die besten Köpfe der Branche konkurrieren und so Innovationen vorantreiben.



