Lionsgate und Runway: Warum KI-Filme in Hollywood scheitern
Vor einem Jahr kündigte das Filmstudio Lionsgate eine Partnerschaft mit dem auf künstliche Intelligenz für Videos spezialisierten Unternehmen Runway an. Ziel war es, Modelle auf Grundlage der umfangreichen Filmbibliothek von Lionsgate zu trainieren, um neue Szenen oder sogar ganze, von künstlicher Intelligenz generierte Filme zu erstellen. Lionsgate ist für den Vertrieb großer Hits wie der Reihen Hunger Games, John Wick, Twilight oder Saw bekannt. Dennoch ist das gesamte Projekt ins Stocken geraten.
Im ersten Jahr der Zusammenarbeit stießen die Partner auf unerwartete Komplikationen. Quellen zufolge ist die Filmbibliothek von Lionsgate zu klein, um ein hochwertiges Modell künstlicher Intelligenz zu entwickeln. Ein Insider sagte, dass selbst der Katalog von Disney für ein ordentliches Training nicht ausreichen würde. Obwohl Runway zu den führenden Anbietern im Bereich künstlicher Intelligenz für Videos gehört, benötigt das Unternehmen enorme Datenmengen, um brauchbare Inhalte zu produzieren. Dies führt dazu, dass es den Ergebnissen an Kontinuität, konsistenter Darstellung der Figuren oder komplexer Szenenregie mangelt.
Hürden bei Urheberrechten und Schauspielern
Eine weitere große Hürde sind Fragen rund um das Urheberrecht. An jedem Film sind zahlreiche Rechteinhaber beteiligt, und wenn künstliche Intelligenz ein Video erstellt, in dem ein Schauspieler etwas sagt, das er in Wirklichkeit nie gesagt hat, wird die Situation kompliziert. Ein in dem Bericht zitierter Anwalt erklärt, dass in der Film- und Fernsehbranche jede Produktion verschiedene Beteiligte mit entsprechenden Rechten hat. Dieser Bereich bleibt rechtlich unklar, ohne eindeutige Regeln für die Vergütung oder die Zustimmung von Schauspielern, deren Abbild in generierten Inhalten erscheint.
Die Partnerschaft ist somit an Grenzen gestoßen, die über rein technische Möglichkeiten hinausgehen. Lionsgate wollte künstliche Intelligenz nutzen, um schnell alternative Versionen von Filmen zu erstellen, beispielsweise animierte Varianten mit einer PG-13-Freigabe, die innerhalb weniger Stunden produziert werden könnten. Die Realität sieht jedoch anders aus – die Produktivität war in den vergangenen zwölf Monaten minimal.
Technische Mängel und Konkurrenz
Runway plante die Entwicklung eines eigenen, maßgeschneiderten Modells künstlicher Intelligenz, das ausschließlich von Lionsgate genutzt werden sollte. Dieser Ansatz erwies sich als falsch, da Editoren Zugang zu mehreren Modellen benötigen, um ein professionelles Niveau zu erreichen. Adobe nutzt beispielsweise für Firefly mehrere unterschiedliche Modelle, darunter das kürzlich hinzugefügte Ray3-Modell von Luma AI sowie Modelle von Google und OpenAI. Selbst das fortschrittliche Veo-3-Modell von Google, das anhand der gesamten YouTube-Bibliothek trainiert wurde, hat seine Schwächen.
In der Branche herrscht Skepsis. Viele halten den Hype um künstliche Intelligenz für übertrieben, da die Technologie noch immer nicht das leistet, was Investoren versprechen. Es bleibt die Frage, ob Zuschauer von künstlicher Intelligenz generierte Filme überhaupt akzeptieren würden, selbst wenn diese Hürden überwunden werden könnten.
Lionsgate betonte, dass die Vereinbarung mit Runway nicht exklusiv sei, was darauf hindeutet, dass das Studio nach Möglichkeiten sucht, mehrere Anbieter künstlicher Intelligenz zu nutzen. Dennoch besteht weiterhin Interesse daran, diese Technologie für die Anpassung von Inhalten und die Senkung der Kosten für visuelle Effekte einzusetzen. Ein Jahr voller Probleme zeigt jedoch, dass der Weg zu vollwertigen KI-Filmen länger ist als erwartet.
Die Realität der künstlichen Intelligenz in Hollywood hat gezeigt, wie vielversprechende Ideen an die harten Tatsachen begrenzter Datenmengen, rechtlicher Unklarheiten und technischer Mängel stoßen. Während Lionsgate seine Experimente fortsetzt, scheinen große Durchbrüche noch in weiter Ferne zu liegen.



