Ein weiterer Meilenstein erreicht: KI holt Gold bei der Internationalen Mathematik-Olympiade
Dass an der Internationalen Mathematik-Olympiade nur Schüler teilnehmen dürfen? Irrtum! Die Unternehmen Google DeepMind und OpenAI beschlossen, ihre Chatbots ins Rennen zu schicken. Und das Ergebnis? Eine Goldmedaille für beide Unternehmen. Offiziell jedoch nur für eines.
KI-Systeme konkurrieren mit menschlicher Intelligenz
Bei der diesjährigen Internationalen Mathematik-Olympiade (IMO) an der Sunshine Coast im australischen Queensland überschritten Systeme künstlicher Intelligenz erstmals die Schwelle zur Goldmedaille. Damit bestätigten sie endgültig, dass KI mit menschlicher Intelligenz konkurrieren kann.
Google DeepMind mit seinem KI-Modell Gemini DeepThink und OpenAI beschlossen, sich mit den talentiertesten Schülern zu messen. Beide Unternehmen setzten auf KI-Modelle, die natürliche Sprache verarbeiten, und traten gemeinsam mit mehr als 600 der besten Schüler aus aller Welt an.
Überdurchschnittliche Ergebnisse im Bereich Mathematik
Beide KI-Modelle lösten 5 von 6 mathematischen Aufgaben, was dem für den Gewinn einer Goldmedaille erforderlichen Ergebnis entspricht. Dieses oder ein besseres Ergebnis erreichen üblicherweise nur etwa 11 % der Schüler. Für die Welt der künstlichen Intelligenz ist dieses Resultat ein enormer Erfolg. Solch komplexe Aufgaben zu lösen bedeutet nämlich nicht nur, die Aufgabenstellung richtig zu verstehen, sondern auch geeignete Lösungswege zu wählen und mehrseitige Beweise zu erstellen. Und all das zudem innerhalb des offiziellen Zeitlimits von 4,5 Stunden!
Von Silber zu Gold
Noch im vergangenen Jahr setzte Google DeepMind auf die eigens entwickelten mathematischen Modelle AlphaProof und AlphaGeometry, die keine klassischen Chatbots waren und die Aufgaben zur Lösung in eine spezielle Programmiersprache übertragen mussten. Die Ergebnisse waren beeindruckend (4 von 6 Aufgaben richtig gelöst), reichten jedoch nur für eine Silbermedaille.
In diesem Jahr beschlossen daher sowohl Google als auch OpenAI, ihr Vertrauen in sogenannte „Reasoning-“ Modelle zu setzen, die Aufgaben ähnlich wie ein Mensch verarbeiten, also mithilfe natürlicher Sprache, und völlig andere Techniken als gewöhnliche KI-Modelle einsetzen. Dabei zeigte sich, dass Reasoning-Modelle der menschlichen Intelligenz tatsächlich näherkommen.

Google gewinnt offiziell Gold, OpenAI nur theoretisch
Da die IMO vor allem ein Ort sein soll, an dem Schüler ihre mathematischen Fähigkeiten miteinander messen, stellten die Organisatoren eine klare Bedingung: Kein KI-Unternehmen durfte die Ergebnisse vor der offiziellen Zeremonie veröffentlichen.
Dieser Schritt hatte gleich mehrere Gründe. In dieser Zeit prüfen die Organisatoren die Ergebnisse offiziell und verkünden anschließend die Erfolge der Schüler. Die Erfolge der KI zu veröffentlichen, hätte in diesem Fall bedeutet, die Ergebnisse der Schüler in den Schatten zu stellen.
Google DeepMind arbeitete mit den Organisatoren der IMO zusammen, veröffentlichte die Ergebnisse nicht und ließ alles ordnungsgemäß von einer zertifizierten Kommission bestätigen und bewerten. Dadurch erhielt das Unternehmen eine offiziell anerkannte Goldmedaille. OpenAI hielt sich jedoch nicht an die Regeln und gab das Ergebnis bekannt, bevor die Auswertung abgeschlossen war, wodurch das Unternehmen sein „Gold“ lediglich theoretisch gewann.
Obwohl also beide künstlichen Intelligenzen dasselbe Ergebnis erzielten, ging die Goldmedaille offiziell nur an Google DeepMind und dessen Modell Gemini DeepThink.
Die Schüler liegen weiterhin vorn
Dass künstliche Intelligenz bei der Mathematik-Olympiade eine Goldmedaille gewonnen hat, ist zweifellos ein Durchbruch. Es bestätigt nämlich, dass sich die Fähigkeiten der KI stetig weiterentwickeln und dass sie mit den besten Experten oder Wissenschaftlern konkurrieren kann.
Vertreter von Google DeepMind gehen sogar davon aus, dass künstliche Intelligenz in einigen Monaten in der Lage sein wird, Berechnungen und Aufgaben erfolgreich zu lösen, die bis heute zahlreiche Forschungsprojekte behindern.
Die besten Ergebnisse erzielten jedoch auch in diesem Jahr die Schüler, sodass es der KI erneut nicht gelang, die klügsten Köpfe unter ihnen zu schlagen. Angesichts der rasanten Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz könnte jedoch bereits im nächsten Jahr alles anders sein.
Quelle: The Neuron, Reuters, New York Times, The Wall Street Journal



