KI vernichtet keine Arbeitsplätze, sondern erhöht die Gehälter: Überraschende Erkenntnisse einer PwC-Studie
Das Unternehmen PwC veröffentlichte im Juni 2025 eine umfangreiche Studie mit dem Titel „Die furchtlose Zukunft: Globales KI-Jobbarometer 2025“, die einen unerwartet positiven Blick auf den Einfluss künstlicher Intelligenz auf den globalen Arbeitsmarkt bietet. Diese Studie stellt eine der umfassendsten Untersuchungen in diesem Bereich dar – sie analysierte fast eine Milliarde Stellenanzeigen auf sechs Kontinenten, um zu bewerten, wie künstliche Intelligenz Beschäftigung, Gehälter, geforderte Kompetenzen und Produktivität tatsächlich beeinflusst.
Methodik und Umfang der Studie
Die PwC-Studie bietet einen detaillierten Einblick in den globalen Arbeitsmarkt in der Frühphase der künstlichen Intelligenz. Die Forschenden analysierten Daten aus Stellenanzeigen auf allen Kontinenten und erhielten dadurch einen einzigartigen Einblick darin, wie sich die Anforderungen der Arbeitgeber verändern und wie schnell sich die für verschiedene Positionen benötigten Kompetenzen entwickeln. Eine zentrale Erkenntnis war, dass sich die von Arbeitgebern gesuchten Kompetenzen für Positionen, die stark von künstlicher Intelligenz betroffen sind, etwa Finanzanalysten, um 66 % schneller verändern als bei Positionen, die von KI weniger beeinflusst werden, beispielsweise Physiotherapeuten. Diese Veränderungsgeschwindigkeit deutet darauf hin, dass sich KI nicht auf die Automatisierung von Routineaufgaben beschränkt, sondern Arbeitsinhalte und geforderte Kompetenzen grundlegend verändert.
Überraschende Erkenntnis: KI schafft Arbeitsplätze, statt sie zu vernichten
Die bemerkenswerteste Erkenntnis der Studie ist die Tatsache, dass die Zahl der von künstlicher Intelligenz betroffenen Arbeitsplätze um fast 40 % gestiegen ist, obwohl Bedenken hinsichtlich der Automatisierung dieser Tätigkeiten bestehen. Dieses Ergebnis widerspricht deutlich den verbreiteten Prognosen, wonach KI zu massenhaften Entlassungen führen werde. Stattdessen zeigt sich, dass künstliche Intelligenz bestehende Positionen eher transformiert und neue Chancen schafft. Laut Laoise Mullane, Leiterin der Personalberatung bei PwC Ireland, „verstärkt und demokratisiert KI Fachwissen, ermöglicht es Beschäftigten, ihre Wirkung zu vervielfachen und sich auf anspruchsvollere Aufgaben zu konzentrieren.“ Die Studie dokumentiert konkrete Beispiele für diese Transformation. Nehmen wir Amina, eine Informationsanalystin, deren Rolle sich durch KI grundlegend verändert hat. Während sie früher einen erheblichen Teil ihrer Zeit mit routinemäßiger Informationssuche verbrachte, übernehmen KI-Agenten heute die grundlegende Recherche für sie, sodass sie sich komplexeren Analysen und der Arbeit mit Kunden widmen kann. Ebenso muss John, ein Kundendienstmitarbeiter, keine einfachen Anfragen mehr bearbeiten – diese übernimmt die KI. Stattdessen kann er sich auf komplizierte Probleme konzentrieren, wodurch er faktisch zu einem äußerst wertvollen Problemlöser geworden ist.
Dramatischer Gehaltsanstieg für Beschäftigte mit KI-Kompetenzen
Zu den überraschendsten Aspekten der Studie gehört die Erkenntnis zum Gehaltswachstum. Beschäftigte, die über KI-Kompetenzen wie Prompt Engineering verfügen, können gegenüber ihren Kollegen ohne diese Fähigkeiten einen Gehaltsaufschlag von bis zu 56 % erzielen. In Irland beispielsweise erhielten auf KI spezialisierte Beschäftigte im vergangenen Jahr einen durchschnittlichen Gehaltsaufschlag von 56 %, mehr als doppelt so viel wie der Aufschlag von 25 % im Vorjahr. Diese Daten zeigen, dass die Nachfrage nach KI-Kompetenzen schnell wächst und der Markt diejenigen bereitwillig belohnt, die sie erworben haben. Auch die Gehälter steigen in stärker von künstlicher Intelligenz betroffenen Branchen doppelt so schnell wie in weniger exponierten Sektoren. Diese Erkenntnis deutet darauf hin, dass KI nicht nur ein Instrument zur Kostensenkung ist, sondern vielmehr ein Katalysator für die Schaffung höherer Werte, die Unternehmen angemessen zu vergüten bereit sind.
Produktivität hat sich vervierfacht
Seit 2022, als ChatGPT der Welt die Möglichkeiten generativer KI vor Augen führte, hat sich die Produktivität von Unternehmen in Branchen, die KI schnell einführen, nahezu vervierfacht. Dieser dramatische Anstieg ist insbesondere in Sektoren wie Finanzen, Software und Verlagswesen zu beobachten. Weniger stark von KI betroffene Branchen wie Bergbau und Gastgewerbe verzeichneten im gleichen Zeitraum hingegen einen Rückgang des Produktivitätswachstums. Diese Polarisierung zeigt, dass die Vorteile von KI nicht automatisch eintreten – Organisationen müssen aktiv in ihre Implementierung und in die Schulung ihrer Beschäftigten investieren. Die Branchen, die KI am effektivsten nutzen können, verzeichneten ein dreimal höheres Wachstum der pro Beschäftigtem erzielten Einnahmen. Diese Erkenntnis bestätigt, dass KI den Wert menschlicher Arbeit tatsächlich steigert, statt sie zu ersetzen, was weitreichende Folgen für Personalmanagementstrategien und Technologieinvestitionen hat.
Sich wandelnde Anforderungen an Bildung und Kompetenzen
Die Studie zeigt einen faszinierenden Trend bei den Anforderungen der Arbeitgeber: Die Nachfrage nach formalen Bildungsabschlüssen sinkt bei von KI betroffenen Positionen schneller. Was Sie mit künstlicher Intelligenz erreichen können, wird wichtiger als das, was Sie vor Jahren studiert haben. Dieser Wandel deutet auf eine grundlegende Veränderung bei der Bewertung von Kompetenzen hin, bei der praktische Fähigkeiten und die Fähigkeit zur effektiven Zusammenarbeit mit KI-Technologien traditionelle Qualifikationen überwiegen. Diese Entwicklung hat enorme Auswirkungen auf Bildungssysteme und Strategien zur beruflichen Weiterentwicklung. Organisationen und Einzelpersonen müssen ihre Lernansätze überdenken und sich auf die kontinuierliche Weiterentwicklung ihrer Kompetenzen konzentrieren, statt lediglich einmalig einen Abschluss zu erwerben.
Die geschlechtsspezifische Dimension der KI-Revolution
Eine interessante und wichtige Erkenntnis der Studie ist, dass in allen analysierten Ländern mehr Frauen als Männer in Positionen tätig sind, die von künstlicher Intelligenz betroffen sind. Diese Beobachtung stellt sowohl eine enorme Chance als auch die dringende Notwendigkeit dar, sicherzustellen, dass Frauen mit den sich rasch entwickelnden Kompetenzen ausgestattet werden, die sie benötigen, um in einer KI-gesteuerten Arbeitswelt erfolgreich zu sein. Dieser Aspekt erfordert eine umsichtige Politik sowie Investitionen in Bildung und Umschulung, um die Entstehung neuer Formen der Ungleichheit zu verhindern.
Künftige Herausforderungen und skeptische Stimmen
Obwohl die Ergebnisse der PwC-Studie weitgehend optimistisch sind, weisen die Forschenden auf mehrere potenzielle Risiken hin. Unternehmen nutzen KI, um Einstiegspositionen zu ersetzen, darunter auch solche für Programmierer, was die traditionellen Karrierewege für Hochschulabsolventen einschränken kann. Zudem kann nicht davon ausgegangen werden, dass das Wachstum von Arbeitsplätzen und Gehältern anhält, wenn die KI-Blase platzt oder eine weitere Wirtschaftskrise eintritt. Sie warnen außerdem davor, dass die neue, durch KI ermöglichte Fähigkeit der Unternehmensleitungen, „mit weniger mehr zu erreichen“, bei knapper werdenden finanziellen Mitteln dazu führen könnte, dass sich weniger Türen öffnen und manche für immer verschlossen bleiben. Dieser Aspekt erfordert eine sorgfältige Beobachtung und möglicherweise regulatorische Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten.
Die PwC-Studie deutet darauf hin, dass sich der Schwerpunkt stark darauf verlagert, wie wir mit KI zusammenarbeiten, und nicht darauf, ob wir sie nutzen. Dies zeigt sich besonders deutlich in Bereichen wie der Softwareentwicklung, wo moderne KI-Programmierung heute in hohem Maße Agenten einbezieht, die Code, Tests und Werkzeuge direkt verwalten und damit weit über einfaches Prompting hinausgehen.
Die Ergebnisse dieser umfangreichen Studie deuten darauf hin, dass künstliche Intelligenz eher als Wachstumsinstrument denn lediglich als Mittel zur Effizienzsteigerung und Kostensenkung dient. Unternehmen, die KI ausschließlich zum Personalabbau einsetzen, verpassen möglicherweise größere Chancen wie neue Märkte und Einnahmequellen. Die Zukunft der Arbeit wird wahrscheinlich von der Zusammenarbeit zwischen Menschen und Maschinen geprägt sein, wobei Technologie die menschlichen Fähigkeiten erweitert, statt sie zu ersetzen.



