90 % der Entwickler nutzen täglich KI, doch das Vertrauen in die Ergebnisse bleibt gering

90 % der Entwickler nutzen täglich KI, doch das Vertrauen in die Ergebnisse bleibt gering

Ondřej Barták
Ondřej Barták
Unternehmer und Programmierer
26. 9. 2025
4 Minuten Lesezeit · 4 Aufrufe
90 % der Entwickler nutzen täglich KI, doch das Vertrauen in die Ergebnisse bleibt gering

90 % der Entwickler nutzen täglich KI, doch das Vertrauen in die Ergebnisse ist weiterhin gering

Google Cloud hat seinen jährlichen DORA-Bericht zum Stand der KI-gestützten Softwareentwicklung veröffentlicht. Dieser Bericht, der auf einer Umfrage unter fast 5.000 Technologieexperten aus aller Welt basiert, zeigt einen drastischen Anstieg der Nutzung künstlicher Intelligenz unter Entwicklern. Den Daten zufolge integrieren mittlerweile bis zu 90 % dieser Fachkräfte KI in ihre tägliche Arbeit, was einem Anstieg von 14 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Entwickler, darunter sowohl Programmierer als auch Produktmanager, verbringen durchschnittlich zwei Stunden pro Tag mit KI. Diese Nutzung umfasst ein breites Spektrum an Aufgaben, von der Codegenerierung über Reviews bis hin zu Tests und Automatisierung.

Der Arbeitsalltag mit KI

Der Bericht hebt hervor, wie sehr KI zu einem integralen Bestandteil des Arbeitsprozesses geworden ist. Bis zu 65 % der Befragten geben an, stark von KI-Tools abhängig zu sein – 37 % nutzen sie in mittlerem Umfang, 20 % häufig und 8 % äußerst intensiv. So sind beispielsweise Tools für Codevorschläge, automatische Prüfungen oder die Generierung von Tests inzwischen in vielen Unternehmen üblich. Ryan J. Salva, Senior Director für Product Management bei Google Cloud, beschreibt in einem Blogbeitrag, wie dies die Art und Weise verändert hat, in der Software entwickelt wird. Dadurch veröffentlichen Teams heute mehr Anwendungen und Software, was den Gesamtdurchsatz der Entwicklung erhöht.

Produktivität und Qualität vs. Zweifel

Obwohl KI rasch Einzug in die Praxis hält, bringt sie sichtbare Vorteile mit sich. Mehr als 80 % der Entwickler schätzen die durch diese Tools gesteigerte Produktivität. Noch besser ist, dass 59 % eine Verbesserung der Codequalität festgestellt haben – KI hilft dabei, Fehler früher zu erkennen, und schlägt bei einer geeigneten Eingabeaufforderung effiziente Lösungen vor. Diese Daten stammen direkt aus der Umfrage, in der die Befragten beschreiben, wie KI Routineaufgaben beschleunigt und es ihnen ermöglicht, sich auf komplexere Teile des Projekts zu konzentrieren. Der Bericht bestätigt somit, dass KI nicht nur eine Modeerscheinung ist, sondern ein echtes Werkzeug, das die Effizienz in der realen Welt der Softwareentwicklung steigert.

Tabelle

Das Vertrauensparadox: Sie nutzen KI, vertrauen ihr aber nicht

Hier zeigt sich die größte Überraschung – das sogenannte Vertrauensparadox. Obwohl Entwickler KI intensiv nutzen, ist ihr Vertrauen in deren Ergebnisse nicht besonders groß. Bis zu 30 % der Befragten vertrauen ihr nur wenig oder gar nicht: 23 % „nur ein wenig“ und 7 % „überhaupt nicht“. Umgekehrt haben nur 24 % großes Vertrauen – 4 % „sehr großes“ und 20 % „großes“. Dieser Widerspruch deutet darauf hin, dass KI eher als unterstützendes Element dient, das die Arbeit beschleunigt, während die endgültigen Entscheidungen weiterhin in menschlicher Hand bleiben. Entwickler integrieren KI daher in ihre Arbeitsabläufe, überprüfen jedoch stets die Ergebnisse, um sicherzustellen, dass die Software ordnungsgemäß funktioniert. Dieser Ansatz schützt vor Fehlern und hält das menschliche Urteilsvermögen im Zentrum des Prozesses.

Sieben Teamarchetypen und ihre Auswirkungen auf Organisationen

Der Bericht geht noch weiter und analysiert, wie KI verschiedene Arten von Teams beeinflusst. Er identifiziert sieben Archetypen, von „harmonischen Hochleistungsteams“, die KI umfassend für ihr Wachstum nutzen, bis hin zu Teams, die in einem „Legacy-Engpass“ gefangen sind, in dem alte Systeme den Fortschritt bremsen. KI fungiert wie ein Spiegel: In kohärenten Organisationen steigert sie die Effizienz, in fragmentierten legt sie hingegen Schwächen offen. Dies hilft Unternehmen zu verstehen, warum manche Teams stärker profitieren als andere, und sich auf eine Arbeitskultur zu konzentrieren, in der KI die Teamdynamik unterstützt, anstatt sie zu beeinträchtigen.

DORA AI Capabilities Model

Um Unternehmen zu unterstützen, hat Google das neue DORA AI Capabilities Model vorgestellt. Dieses Modell beschreibt sieben zentrale Praktiken, die technische und kulturelle Elemente kombinieren, um KI bestmöglich zu nutzen. Dazu zählen beispielsweise die automatisierte Codegenerierung, intelligente Testverfahren, die Vorhersage von Vorfällen, aber auch der Aufbau von KI-Kompetenz in Teams, ethische Richtlinien und kontinuierliches Lernen. Das Modell betont, dass die bloße Einführung nicht ausreicht – Unternehmen müssen ihre Prozesse und ihre Kultur verändern, damit KI ihr volles Potenzial entfalten kann. Der Bericht bietet somit eine praktische Anleitung dazu, wie Herausforderungen wie die Integration in bestehende Systeme oder die Gewährleistung der Sicherheit bewältigt werden können.

Dieser DORA-Bericht 2025 zeigt, dass KI zu einer grundlegenden Infrastruktur der Softwareentwicklung wird. Die massive Verbreitung in Verbindung mit Vorsicht kann tatsächlich von Vorteil sein: Entwickler gewinnen an Geschwindigkeit und Effizienz, während die menschliche Kontrolle die Qualität gewährleistet. Für Unternehmen bedeutet dies die Chance, ihre Teams zu transformieren, sofern sie den Empfehlungen des Modells folgen. Insgesamt geht es um eine Welt, in der KI Menschen nicht ersetzt, sondern ihre Fähigkeiten in der täglichen Praxis stärkt.

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Kategorie:KI
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